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WINDENERGIE - Ausgewählte Länder (III)

Deutschland (1994 - heute)


Die für den Jade-Windpark geplante 3 MW Großanlage ‚Aeolus II’ sollte eigentlich schon ab 1992 pro Jahr rund sieben Millionen kWh für den Betreiber PreussenElektra erzeugen. Tatsächlich geht sie jedoch erst Anfang 1994 in Betrieb. Die glas- und kohlefaserverstärkten zwei Rotorflügel haben einen Durchmesser von 90 m, der Turm ist 90 m hoch und gekostet hat die Anlage etwa 27 Mio. DM. Die zu jenem Zeitpunkt größte Windkraftanlage Deutschlands übertrifft im ersten Betriebsjahr sogar die Erwartungen, bis Oktober 1994 produziert sie rund vier Millionen kWh Strom.

Mitte April 1995 geht nach anderthalb Jahren Forschungs- und Aufbauarbeit die o.e. windbetriebene Rügener Meerwasser-Entsalzungsanlage der Entwicklungsgesellschaft SEP aus Ismaning bei München in Betrieb. Schon Anfang 1996 liegen daraufhin Interessenbekundungen aus fünf Ländern, darunter auch China, vor, da die Anlage nur etwa ein Fünftel der Energie einer konventionellen Meerwasserentsalzungsanlage benötigt.

1995 besitzt das Land Brandenburg insgesamt 114 Windräder mit einer Gesamtleistung von über 38 MW. Es erklärt die natur- und landschaftsgerechte Entwicklung der Windkraftnutzung explizit zu einem seiner Landesziele.

Ebenfalls 1995 entsteht in Friesland eine der ersten Bürgerinitiativen gegen einen Windpark, der als ‚Europas größter’ im Kreis Wittmund entstehen soll. Schon seit dem Beginn der Planungen gibt es Ärger, ganze Dorfgemeinschaften zerbrechen. 1995 drehen sich von den geplanten 102 Anlagen erst sieben, und nicht lange danach beginnen auch diverse Naturschützer zu fordern, den weiteren Ausbau der Windenergie zu begrenzen.

Im Oktober 1995 befaßt sich auch der Bauausschuß des Bundestages mit Windkraftanlagen. Es geht darum, die Windräder (wieder) in die Liste der privilegierten Bauten aufzunehmen, ähnlich wie Wasserleitungen oder Telefonlinien. Diese Einrichtungen können nämlich mit viel weniger Bürokratie-Kontrolle gebaut werden. Das Bundesverwaltungsgericht hatte 1994 entschieden, daß Windkraftanlagen nicht länger ‚privilegiert’ behandelt werden durften. Inzwischen rotieren in Deutschland schon rund 3.000 Anlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 850 MW, jede Woche kommen etwa 15 neue Windkraftwerke dazu. Nach den USA liegt Deutschland damit weltweit auf dem zweiten Platz.

Der damalige Niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder verspricht: „Wer Windräder sät, wird Strom ernten.“ Da beim Stromeinspeisegesetz die Versorgungsunternehmen jedoch nur gezwungen sind, den im Versorgungsgebiet erzeugten Strom aufzukaufen, verweigern die Stromkonzerne die Abnahme des Stromes von Offshore-Windparks. Damit werden mehrere geplante Projekte blockiert. In Brandenburg sorgt dagegen ein Windkrafterlaß für eine merkliche Erleichterung bei der Planung und dem Bau von Windkraftanlagen. Zu diesem Zeitpunkt gibt es in Brandenburg etwa 150 Anlagen, davon alleine 60 in der Prigniz und 40 in der Uckermark. 136 Anlagen sind öffentlich gefördert worden.

Zum Jahresbeginn 1996 wird im Land Brandenburg zwar die Förderung der Windenergie eingestellt – andererseits zwingen das Stromeinspeisegesetz die Energieversorger, den Windstrom zu 17 Pfennig pro kWh abzunehmen. Anfang Juli geht der ‚größte Windpark Brandenburgs’, das Windfeld Uckermark, ans Netz. Dort wurden 17 Anlagen mit einer Kapazität von 8,5 MW installiert. Das Umweltministerium förderte den Park mit 1,36 Mio. DM, das Wirtschaftsministerium mit 4,55 Mio. DM. Bis 1997 ist eine Erweiterung auf 43 MW geplant. Die erforderliche Umweltverträglichkeitsstudie hatte alleine 100.000 DM gekostet, die parallel dazu erarbeitete Grünordnungsplanung sah für den Eingriff in das Landschaftsbild sowie die Beeinträchtigungen des natürlichen Wertes der Landschaft Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Umfang von ca. 15.000 DM je Windkraftanlage vor.

Am 30.03.1996 wird die Studie ‚Windenergienutzung auf Kohleabraumhalden in Brandenburg’ veröffentlicht. Anfang Oktober 1996 vereinbaren der Germanische Lloyd, die RWE Energie und andere den Bau eines Testfeldes in Grevenbroich für acht Windkraftanlagen – speziell für den Einsatz im Binnenland. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Gesamtleistung der ca. 4.300 Anlagen in Deutschland auf rund 1.500 MW erhöht. Außerdem erfolgt die Gründung des Bundesverband Windenergie BWE, der die Interessen der Anlagenbetreiber und Erbauer vertritt.

Am 01.01.1997 tritt eine Änderung des Baugesetzbuches in Kraft, der zufolge Windkraftanlagen privilegiert sind, es besteht also ein Rechtsanspruch auf eine Baugenehmigung, sofern dem Vorhaben keine öffentlichen Belange entgegenstehen. Trotzdem gerät die Windbranche in Bedrängnis: Landschaftsschützer versuchen zunehmend den Bau neuer Windräder zu verhindern und bestehende Anlagen stillzulegen, Fachleute stellen den ökonomischen Nutzen in Frage, durch die Liberalisierung des Strommarktes steigt der Konkurrenzdruck (z.B. durch billigen Atomstrom aus Frankreich) und einige EVUs versuchen sogar das Stromeinspeisungsgesetz von 1990 zu kippen. In Brüssel berät man derweil über eine zeitliche oder produktionsbezogene Begrenzung der Vergütung. Anfang des Jahres beginnt die Firma Enercon (trotzdem) mit der Serienfertigung der ,E 66’ (1,5 MW, 130 m Gesamthöhe).

Im Mai 1997 wird bei Osnabrück Deutschlands bislang größte Binnenland-Windkraftanlage mit 1,5 MW errichtet (Turmhöhe 80 m, Rotordurchmesser 65 m), und ‚Europas größter Windpark’ mit 57 Anlagen wird für die Lichtenauer Windschnurre zwischen dem Teutoburger Wald und dem Eggegebirge geplant. Das Institut für Solare Energieversorgung (ISET) in Kassel bestätigt den Windkraftanlagen inzwischen eine technische Verfügbarkeit von 98,8 %.

‚Europas modernstes Bio-Kraftwerk’ wird im sächsischen Zittau errichtet – eine Windkraftanlage, ein Wasserkraftwerk und ein mit Pflanzenöl gespeistes Bio-Heizkraftwerk erzeugen den Strom gemeinsam. Eine Windmühle, die in Ostfriesland in der Einflugschneise für Jagdbomber des Geschwaders 38 ‚Friesland’ steht, wird mit öffentlichen Mitteln (700.000 DM) um 1.350 m versetzt. Am 16. September stellt Vestas die bislang größte Serien-Windkraftanlage der Welt vor: Nennleistung 1,65 MW, 165 t Gesamtgewicht, 32 m lange Rotorblätter, Nabenhöhe 67 m.

In der Bundesrepublik werden 1997 insgesamt 849 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 534 MW neu errichtet, rund die Hälfte davon im Binnenland. Durch die erreichte Gesamtleistung von rund 2.000 MW erlangt Deutschland die internationale Marktführung - vor den USA mit nur 1.650 MW. Der Gesamtumsatz der Windkraftbranche steigt 1997 um 350 Mio. DM auf 1,3 Mrd. DM, und es hängen rund 14.000 Arbeitsplätze an der Branche. Inzwischen gibt es eine neue Entwicklung auf dem Gebiet der Rotorblattherstellung: Für kalte Regionen werden nun auch schwarze Rotorblätter angefertigt. Diese reflektieren das Sonnenlicht nicht so stark wie die üblicherweise hell ausgeführten Blätter. Die schwarzen Blätter neigen daher kaum zum gefährlichen Eisansatz. Später gibt es auch das Verfahren, mit eingelassenen Heizdrähten gegen die Eisbildung vorzugehen.

Im Frühjahr 1998 beträgt die Gesamtleistung der inzwischen rund 5.400 Anlagen mehr als 2,2 GW. Zunehmend kommen nun auch kleine Windgeneratoren mit Leitungen von 100 bis 500 W auf den Markt. Bei den großen Rotorblättern gibt es allerdings immer wieder Probleme, viele müssen während der Garantiezeit wegen Konstruktionsfehlern oder Herstellungsmängeln ausgewechselt werden. Der Trost kommt vom Deutschen Windenergieinstitut in Wilhelmshaven: „Wenn die Hersteller es erst einmal geschafft haben, daß die Blätter zwei Jahre durchhalten, dann werden sie auch zwanzig Jahre aushalten“.

Offshore-Windenergieanlagen kommen mehr und mehr ins Gespräch, auch durch die Novellierung des Stromeinspeisegesetzes, demzufolge nun primär derjenige Netzbetreiber Offshore-Strom vergüten muß, in dessen Netz der dem WEA-Standort nächstgelegene Einspeisepunkt liegt (Standorte außerhalb der 12-Seemeilen-Zone wurden im Gesetz nicht geregelt). Konkrete deutsche Projekte gibt es noch nicht, allerdings stellt im April die Firma aerodyn auf der Hannover Messe den ersten Entwurf einer speziell für die maritime Stromgewinnung konzipierten Anlage vor, mit einer Leistung von 4 bis 5 MW und einem Rotordurchmesser von 100 m.

Mitte 1998 geht ‚Deutschlands größter Windpark’ in Nordleda bei Cuxhaven in Betrieb. 43 Windräder erwirtschaften knapp 23 MW, gekostet hat das Ganze rund 58 Mio. DM.

Ebenfalls 1998 erfinden die Ortsräte der Gemeinde Land Wursten im Landkreis Cuxhaven eine Landschaftsbildbeeinträchtigungssteuer (LBBS), mit der sie Windräder besteuern wollen (höhenabhängig zwischen 1.000 und 4.500 DM/Jahr). Weil es den Betrieb einer Bundeswehr-Radarstation beeinträchtigt haben soll, wird in Borgentreich/Ostwestfalen ein Windkraftwerk wieder abgebaut. An der Universität Oldenburg werden erstmals neue rechnergestützte Verfahren für die Vorhersage des Windpotentials entwickelt. Am 12. September wird der ‚größte Windpark Europas’ im ostfriesischen Westerholt-Holtriem (Kreis Wittmund) mit 35 Enercon-Windgeneratoren und einer Gesamtleistung von 52,5 MW in Betrieb genommen.

Zum Jahresbeginn 1999 zählt die Statistik für Deutschland exakt 6.205 Anlagen mit einer Nennleistung von 2,9 GW. Es gibt erste Konflikte auf dem Weltmarkt zwischen deutschen und US-amerikanischen Exporteuren von Kleinstwindanlagen, da letztere massiv subventioniert werden und dadurch mittels Preisdumping die deutsche Konkurrenz – besonders in China – aus dem Rennen drücken. ‚Europas größter Windpark’ (62,7 MW) wird mit 38 Vestas-Windrädern à 1,65 MW für Klettwitz/Kostebrau (Oberspreewald/Lausitz) geplant. Ende Juli beginnt auf der Anhöhe eines ehemaligen Brandenburger Braunkohle-Tagebaugeländes die Montage der Windräder, die bis November abgeschlossen ist. Die Investitionskosten betragen insgesamt 160 Mio. DM.

Ebenfalls Anfang 1999 geht am Stadtrand des westfälischen Bocholt ein Windpark mit vier Anlagen und einer Gesamtleistung von 3,56 MW in Betrieb, der allerdings eine grundlegende Neuigkeit aufweist: Hier werden außerdem 816 Stromspeicherzellen installiert, deren Speicherkapazität 1,2 MW für eine Stunde beträgt. Ein automatisches Wassernachfüllsystem und eine Elektrolytumwälzung sorgen für eine höhere Haltbarkeit der Batterien. Die Investitionskosten der beiden privaten Betreiber Ursula Knaup und Wilhelm Janke betragen 9 Mio. DM, von denen etwa 12,5 % durch Öffentliche Förderungen abgedeckt werden. Mit dieser Anlage wird eine beträchtliche Verbesserung des Potentials regenerativer Energien erzielt.

Weitere große Parks existieren 1999 in Lichtenau-Asseln (Nordrhein-Westfalen) mit knapp 33 MW, in Ihlewitz (Sachsen-Anhalt) mit 24,7 MW, in Wangenheim (Thüringen) mit 22,5 MW und in Wöhrden (Schleswig-Holstein) mit 20,4 MW.

Wirtschaftlich boomt die Windbranche – während es gleichzeitig wegen Konkursen, Fehlplanungen, Änderungen der Förderrichtlinien u.a. zu immer stärkeren Konzentrationsprozessen kommt. Eine Methode, auf dem Markt zu bestehen, erfindet die Lübecker DeWind Technik GmbH, indem sie ihre export-orientierte 1 MW-Anlage als leicht verschiffbare Container-Version anbietet. Das Anfang Oktober 1996 beschlossene Testfeld für Binnenland-Windkraftanlagen auf der Neurather Höhe, südlich von Grevenbroich, wird im Februar 1999 eingeweiht. Auf der Hannover Messe wird in diesem Jahr die erste 5 MW-Anlage für den Offshore-Bereich vorgestellt. Dem Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie in Hamburg liegen zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Voranfragen für Offshore-Parks vor, in denen verschiedene Energiekonsortien insgesamt rund 1.400 Windkraftanlagen errichten wollen: nordwestlich von Rostock, vor Wilhelmshaven, in der Lübecker Bucht, nordwestlich von Rügen, vor der Insel Usedom und nordwestlich vor Helgoland.

Während der Frühlingsstürme stürzt im hessischen Helpershain ein tonnenschwerer Generatorblock vom 63 m hohen Mast; erstmals bricht auch ein 32 m langes Rotorblatt komplett ab (Windpark Sustrum).

Mitte 1999 geht die erste Windkraftanlage Münchens in Betrieb, errichtet auf einem 592 m hohen Müllberg und mit einer Nennleistung von 1,5 MW – Kostenpunkt 4 Mio. DM. Zum ersten Mal wird im Juni des Jahres von einer Baustelle bei Stöffin (Ostprigniz-Ruppin) ein 10 t schweres und 20 m hohes Segment einer Windkraftanlage gestohlen!

Das Fraunhofer-Institut für Atmosphärische Umweltforschung (IFU) in Garmisch-Partenkirchen entwickelt eine mobile Sodar-Anlage (Sound Detection and Ranging), mit der die tatsächlichen Windstärken bis zu einer Höhe von 200 m gemessen werden können. Dies ist z.B. deshalb wichtig, weil die durchschnittliche Windstärke am gleichen Standort in 30 m bzw. 60 m Höhe um 30 % – 50 % differieren kann. Bei den bisherigen Verfahren der Mastmessung konnte nur bis maximal 30 m Höhe gemessen werden.

Ende 1999 sind in Deutschland bereits 7.000 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 3,4 GW in Betrieb, womit rund 1,2 % des deutschen Stromverbrauchs gedeckt werden. Die Windenergie-Messe in Husum ist inzwischen die weltgrößte Fachmesse, in diesem Jahr stellen dort 130 Aussteller ihre Produkte vor. Durch Optimierung der Rotorblätter gelingt es der Fachhochschule Wiesbaden den Wirkungsgrad der altbekannten Western-Windräder von 30 % auf 36 % anzuheben.

1999 werden von Deutschland aus 358 WEA exportiert.

Im Frühjahr 2000 geht die 80 m hohe 2,5 MW Anlage der Firma Nordex in Serie, im Herbst die 2 MW Anlage von Vestas, deren Rotor einen Durchmesser von 80 m hat. Die drei schleswig-holsteinischen Unternehmen DeWind, Husumer Schiffswerft und Jacobs Energie planen gemeinsam eine 5 MW Anlage. In dieser Größe kommt als Installationsort nur noch der Offshore-Bereich in Frage, obwohl die Installations- und Wartungsarbeiten auf See fünf- bis zehnmal höher sind als an Land. Unter wirtschaftlichen und technischen Abwägungen kommen derzeit nur maximale Wassertiefen von 25 m in Betracht.

Am 17.06.2000 weiht Umweltminister Jürgen Trittin den Windpark Klettwitz ein, der als Europas leistungsstärkster gilt (38 Anlagen, 111 m Höhe, 63 MW Gesamtleistung). In der gleichen Woche gehen in Güstow sieben, und in Grünow sechs Windkraftanlagen ans Netz, die zusammen 8,55 MW produzieren.

Im Jahr 2000 gibt es insgesamt konkrete Projekte mit Volumina von 200 – 300 MW und einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde DM. Den größten Anteil an der neu installierten Windkraft-Leistung hat der Hersteller Enercon (36,0 %), gefolgt von Vestas (13,5 %), Enron-Tacke (10,6 %), AN Wind (10,3 %), Nordex (9,5 %), NEG Micon (8,2 %) und DeWind (6,9 %). Als derzeit weltweit leistungsstärkste Anlage mit 2,5 MW gilt die ‚N 80’ der Firma Borsig Energy in Oberhausen. Die drei jeweils 40 m langen Flügel sind beweglich und drehbar aufgehängt, sie lassen sich dadurch einzeln nach dem Wind ausrichten.

Ende des Jahres gibt das Bundesverkehrsministerium ‚grünes Licht’ für den ersten Offshore-Windpark bei Rügen. Inzwischen liegen dem Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie schon zehn Anträge vor. Der umfangreichste Plan stammt von der Firma Winkra-Energie-Gesellschaft aus Hannover: Zwischen Helgoland und St. Peter-Ording soll der weltweit größte Offshore-Windpark mit 100 Windrädern der 5-MW Klasse entstehen – der in einer zweiten Ausbaustufe dann verdoppelt werden soll. Die Firma Prokon-Nord GmbH aus Leer plant ebenfalls einen 1.000 MW Park in der Nordsee. In einer Pilotphase sollen bis 2003 zwölf Anlagen aufgestellt werden, ab 2007 wird der Park dann auf über 200 Rotoren ausgebaut.

Ende 2000 gibt es Bundesweit 9.375 Windkraftwerke, die insgesamt 6.113 MW Strom erzeugen.

2001 findet die Einweihung des Windenergieparks Sintfeld bei Paderborn  statt. Der mit 65 WEA größte Park im europäischen Binnenland erwirtschaftet 105 MW. In diesem Jahr wird die Firma REpower gegründet, die besonders durch ihre Entwicklungen im MW-Bereich bekannt wird.

2001 verfügt Deutschland mit bereits 8.754 MW über mehr als ein Drittel der weltweit installierten Leistung und liegt damit an der Spitze bei der Entwicklung und Anwendung von Windkrafttechnologie. Im internationalen Vergleich verfügen zu diesem Zeitpunkt nur noch Spanien und Dänemark, die USA und Indien über eine installierte Windenergie-Leistung von mehr als 1.000 MW.

2002 erreicht die installierte Leistung der Windenergie in Deutschland die 10.000 MW Marke.

Hütter-Rotor als Denkmal

Hütter-Denkmal

Berechnungen des Wirtschaftsverband Windkraftwerke e.V. (WVW) in Cuxhaven ergeben Ende 2002, daß in 85 % der Stunden eines Jahres genug Wind weht, um die entsprechenden Rotoren anzutreiben – zumindest an den Küsten. Von den 8.760 Jahresstunden (bei 365 Tagen) können an der Nordseeküste durchschnittlich 7.500 als Betriebsstunden genutzt werden. Selbst im Binnenland betragen die Betriebsstunden ein Vielfaches der immer wieder genannten Zahl von 2.000 Betriebsstunden, welche die Unwirtschaftlichkeit der Windkraft belegen soll.

Am 27. Juli 2003 wird auf Initiative von Heiner Dörner und durch Spenden, u.a. von Karl Schlecht, vor dem Institut für Flugzeugbau (IFB) der Universität Stuttgart, Fachbereich Windenergie, dem Windkraftpionier Ulrich Hütter ein Denkmal gesetzt: Eine historische Windenergieanlage vom Typ Allgaier/Hütter ‚WE 10/G6’, Baujahr 1949. Auf dem Foto sieht man vor dem Winkraftwerk (v.l.n.r.) die Herren Dr. Kurt A. Braun, Heiner Dörner, Karl Schlecht und Sepp Armbrust.

Im September 2003 sind in Deutschland schon 14.653 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 13.404 MW installiert. Derweil klagen der BUND sowie der Naturschutzbund Deutschland vor dem Hamburger Verwaltungsgericht gegen den ersten deutschen Offshore-Windpark Butendiek, der rund 30 km westlich von Sylt errichtet werden soll. Das DEWI errichtet 2003 ein zweites Testfeld für WEA.

Im Jahr 2004 erfolgt die Markteinführung von Multimegawatt-Anlagen (> 4 MW). Diese Anlagen erzeugen an einem Tag so viel Strom wie ihre Vorgänger aus den 1990er Jahren in einem ganzen Jahr! Gleichzeitig beginnt in Deutschland das sogenannte ‚Repowering’, d.h. der Ersatz veralteter Windkraftanlagen durch neue, vor allem aber der Austausch kleinerer Modelle gegen größere und leistungsstärkere. Während Altanlagen nur noch als Teileträger verwendet werden können, entsteht für die ausgemusterten funktionstüchtigen Anlagen ein Gebraucht-Markt mit Anfragen vor allem aus dem Ausland, da diese Windturbinen wegen ihrer kleinen Leistungsklasse, ihrer kürzeren Restlaufzeit sowie der robusten Technik insbesondere für die Wiedererrichtung in Entwicklungs- und Schwellenländern geeignet sind.

Das Beratungsbüro elexyr schlägt Mitte 2004 vor, durch die Kombination von Offshore-Windparks mit Meeresenergieanlagen erhebliche Synergiepotentiale auszuschöpfen, beispielsweise durch eine gemeinsame Netzanbindung. Ich habe danach jedoch keine weitere Erwähnung dieses vernünftig klingenden Vorschlags mehr gefunden.

Die 2004 als weltgrößte Windturbine geltende Anlage steht bei Magdeburg und leistet unter optimalen Bedingungen 4,5 MW (Enercon ,E 112’). Mit einer installierten Gesamtkapazität von 14.629 MW stehen im Jahr 2004 in Deutschland bereits 16.453 Windenergieanlagen, die rund 50 % der in Europa installierten Windleistung auf sich vereinen. Damit löst die Windenergie die Wasserenergie als Anführer der Erneuerbaren Energieträger ab.

Im Februar 2005 nimmt der Hamburger Windanlagenhersteller REpower AG in der schleswig-holsteinischen Hafenstadt Brunsbüttel die bislang größte und leistungsfähigste Windenergieanlage der Welt in Betrieb. Die ‚REpower 5M’ Anlage mit einer Gesamthöhe von über 180 m und einer Nennleistung von 5 MW speist Strom für 4.500 Haushalte in das Netz ein. Der Rotor hat einen Durchmesser von 126 m und dreht sich bei voller Nennleistung zirka 7 bis 12 mal pro Minute. Er überstreicht dabei eine Fläche von der Größe zweier Fußballfelder. Das Rotorgewicht beträgt 120 t, und der gesamte Maschinenkopf wiegt 290 t. Der 120 m hohe Turm verjüngt sich von 6 m Durchmesser in Höhe des Fundaments auf 5,5 m an der Spitze. Er wiegt insgesamt 750 t und steht auf einem Stahl-Beton-Fundament, das von 40 Betonpfeilern getragen wird, die 24 m tief in die Erde reichen. Hierfür werden rund 1.300 m3 Beton und rund 180 t Stahl verbaut. Die Anlage gilt als landbasierter Prototyp für spätere Offshore-Anlagen.

Neben der ‚REpower 5M’ bietet auch Prokon eine 5 MW Anlage an (‚Multibrid M 5000’), gefolgt von der 4,5 MW Anlage von Enercon (‚E 112’), einer 3,6 MW Turbine von General Electric (‚GE 3,6s offshore’) und der 3 MW Anlage von Vestas (,V 90’).
2005 gibt es in Deutschland nach Angaben des Bundesverbands Windenergie rund 18.000 Windenergieanlagen, die meisten davon in Niedersachsen (etwa 4.500 Stück). Der Anteil der Windkraft an der Stromerzeugung beträgt derzeit rund 4,3 %.

Doch schon 2005 stehen die riesigen Rotoren an der Nordseeküste immer öfter still. Und zwar zunehmend gerade dann, wenn der Wind besonders kräftig weht. Es erweist sich, daß die Netze im Norden der Republik durch den starken Ausbau der Windenergieanlagen überlastet sind. Der Strom kann nicht zum Verbraucher geführt werden, die Räder müssen zwangsweise pausieren.

Dessen ungeachtet hat die deutsche Windkraftindustrie 2005 ihren Umsatz aus dem Exportgeschäft im Vergleich zum Vorjahr von 1,8 auf 3,0 Milliarden € gesteigert. Die Exportquote der deutschen Hersteller steigt nach Berechnungen des Bundesverbands Windenergie (BWE) von 50 % auf 64 %, denn in diesem Jahr werden weltweit Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von rund 11.500 MW aufgebaut – 40 % mehr als 2004 – von denen fast jede zweite Anlage aus deutscher Produktion stammt.

Gemessen am gesamten Stromverbrauch hat sich der Anteil aller Einspeisungen von Industrie und privaten Erzeugern 2005 von 11 % auf 12 % erhöht. Den Zuwachs habe es vor allem bei den Einspeisungen aus Erneuerbaren Energien gegeben. Die privaten Erzeuger steigern ihre Lieferungen auf gut 37 Milliarden kWh, rund 26 Milliarden kWh liefern davon die Windkraftanlagen.
Die Anfang Februar 2005 in Burnsbüttel bei Hamburg errichtete ‚REpower 5M’ hat innerhalb ihres ersten Betriebsjahres einen Ertrag von 13 GWh erwirtschaftet. Nach dieser Testphase erwartet man einen Jahresertrag von sogar 17 GWh.

2005 erfolgt die Gründung einer Offshore-Stiftung zum Testen von 12 Stück 5 MW Anlagen in der Nordsee. Mehr dazu in dem entsprechenden Kapitel über Offshore-Anlagen.

Im Oktober 2006 verschärfen sich die Probleme der Windkraftnetzanbindung. Weil die Stromleitungen das rapide wachsende Angebot an Windenergie nicht mehr aufnehmen können, sind die Übertragungsnetzbetreiber gezwungen, Windparks immer öfter abzuschalten. In Landkreisen wie Dithmarschen oder Nordfriesland steht rein rechnerisch jedes fünfte Windrad das ganze Jahr über still, weil der Strom nicht mehr abtransportiert werden kann! Außerdem entgehen den Windkraft-Betreibern Millionen-Einnahmen, da sie während der Abschaltungen ja keine Einspeisevergütung mehr bekommen. Allein in Schleswig-Holstein liegen außerdem Windkraft-Projekte im Wert von 300 Mio. € auf Eis, weil die hierfür notwendigen Stromnetze fehlen.

Wenn die Windenergie-Leistung tatsächlich bis 2015 wie geplant von 14.600 MW (im Jahr 2003) auf 36.000 MW ausgebaut wird, müssen einer Studie der Deutschen Energie Agentur (Dena) zufolge bis dahin für den Nord-Süd-Transfer des Ökostroms 400 km Stromtrassen verstärkt und 850 km neu gebaut werden, die Kosten werden auf 1,1 Milliarden € geschätzt.

Schon jetzt mußte E.ON in Schleswig-Holstein neue Überlandleitungen für rund 60 Millionen € bauen, um den Strom der ständig wachsenden Zahl von Windmühlen-Betreibern abzutransportieren. Durch die Errichtung von Offshore-Windparks sollen außerdem bis 2025 neue Windräder mit einer Leistung von bis zu 25.000 MW ans Netz gehen. Dafür sind die norddeutschen Netze aber noch nicht ausgelegt.

Windkraftgegner greifen inzwischen zu unlauteren Mitteln: Am Rosskopf im Schwarzwald kann nachgewiesen werden, daß die toten Fledermäuse, die unter den Windrotoren gut sichtbar herumliegen, als ‚zufälligerweise’ gerade ein Fernsehteam Aufnahmen macht, gar nicht von den Rotoren erschlagen sein konnten – die Betreiber hatten diese in der Nacht nämlich insgeheim ausgeschaltet...

Der Energieversorger EnBW plant 2006, Windenergie in unterirdischen Druckluftspeichern zwischenzulagern (s.d.). Damit könnte Windkraft indirekt auch bei Flaute oder bei erhöhtem Strombedarf Energie liefern.

Den Internationalen Designpreis Baden-Württemberg 2006 ‚Focus Energy’ gewinnt im Oktober die Conergy AG aus Hamburg mit einem 6 kW bzw. 7,5 kW Kleinwindrad, das für eine autarke Stromversorgung in netzfernen Gebieten konzipiert ist. Die Leichtbauweise der Anlage reduziert Kosten und vereinfacht nachhaltig Herstellung, Transport, Wartung und Montage. Dank der Seilwinde kann die Anlage einfach und schnell von nur drei Personen an einem Tag wahlweise auf einem Beton- oder Stahlfundament montiert werden. Durch ihre patentierte passive Pitch-Regelung übersteht die Anlage auch stärkste Stürme bis zu einer Windstärke von 250 km/h.

Conergy Windrad

Conergy Windrad

Im November 2006 stellt das Kasseler Institut für solare Energieversorgung (ISET) sein ‚Windpark-Cluster-Management’ vor, mit dem die Windenergie von Schwankungen befreit und voll nutzbar gemacht werden soll, indem verschiedene Windkraftanlagen zusammengeschaltet und zentral gesteuert werden. Künftig sollen erst die deutschen und dann die europäischen Windparks in einem Netz zusammengefaßt werden, und dadurch stetig eine berechenbare Strommenge abgeben. Dazu soll jeder Windpark einen Controller-Computer bekommen, der die verfügbare Energie ständig mißt und an einen Zentralrechner übermittelt.

Derweil müssen sich die Gerichte mit einem neuen Streitgegenstand herumschlagen: dem Windklau! Betreiber von Windparks klagen gegen neue Betriebsgenehmigungen in ihrer windseitigen Nachbarschaft mit dem Argument, daß dies den Ertrag ihrer bereits bestehenden Anlagen mindern würde.

Im April 2007 startet die WES GmbH in St. Michaelisdonn mit dem Testlauf einer Kleinwindrades namens ‚Wespe‚’ dessen Entwicklung 2005 begonnen hat. Der Name bezieht sich auf die auffällige gelb-schwarze Bemalung der Generatorhülle – doch auch sonst fällt das Modell etwas aus dem Rahmen, etwa durch seine vier, nicht verwundenen Rotorblätter aus extrudiertem Aluminium, oder durch seine am drehbar gelagerten Mast und unterhalb des Windrades angebrachte Windfahne. Der Rotordurchmesser des Lee-Läufers beträgt 4,5 m, seine Nennleistung 5 kW.

Im September 2007 entscheidet sich der Solarkonzern Conergy auch in die Produktion von großen Windkraftanlagen einzusteigen. Mit der ‚Powerwind 56’ errichtet das Unternehmen einen Prototypen der (knapp) 1-MW Klasse in Bremerhaven. Die 900 kW Maschine mit 56 m Rotordurchmesser soll dort getestet und vermessen werden. Diese Anlagen aus eigenem Hause kommen der zum Konzern gehörenden Projektgesellschaft Epuron zugute, die internationale Windparks inzwischen schneller projektiert, als diese von (anderen) führenden Herstellern mit Anlagen beliefert werden könnten.

Powerwind 56 Windkraftanlage

Powerwind 56

Ebenfalls im September 2007 wird bekannt, daß der deutsche Energiekonzern E.ON Windparks in Spanien und Portugal in einem Gesamtwert von 722Mio. € kaufen wird, um sein Stromangebot mit erneuerbaren Quellen zu würzen. Die Leistung der betreffenden Parks beträgt zusammen 260 MW.

Zu diesem Zeitpunkt stehen in Deutschland fast 19.000 Windräder, die zusammen mehr als 20 GW Strom erwirtschaften können – im optimalen Fall also so viel wie zwanzig Kernkraftwerke.

Schon als die Windenergie noch in den Kinderschuhen steckte, beschäftigten sich die Gründer der SeeBA Energiesysteme GmbH mit dem Thema erneuerbare Energien. Die Firma SeeBA wird 1997 von Ewald Seebode und Bernd Klinksieck gegründet. Beide können schon damals auf eine langjährige Erfahrung in der Windenergiebranche verweisen. Die EFI Energy Farming International AG wiederum wird im Jahr 2002 von Dr. Thomas Tschiesche und Dr. Ingo Stuckmann gegründet. Ach diese beiden haben langjährige Erfahrungen im Bereich der Windkraftplanung und Geschäftsführung.

Nachdem die beiden Unternehmen bereits bei verschiedenen Projekten zusammengearbeitet hatten, tun sie sich im Jahr 2007 zusammen, um die vorhandenen Kompetenzen für gemeinsame Projekte zu nutzen.

Anfang 2008 meldet die Presse, daß Siemens Wind Power seine bis zu 52 m langen und 16 t schweren Rotorblätter inzwischen in Dänemark herstellt, wobei das patentierte Integral-Blade-Verfahren ohne Klebstoffe und Chemikalien auskommt. Hauptbestandteil ist Fiberglas, ein glasfaserverstärkter Kunststoff, der im Gegensatz zum sonst beim Flügelbau verwendeten PVC wiederverwertbar ist und somit kein Abfallproblem darstellt. Darüber hinaus ist der Flügel, der eine Lebensdauer von etwa 20 Jahren aufweist, besonders robust, was vor allem dem Einsatz in Offshore-Anlagen zu Gute kommt. Zukünftig will Siemens Rotorblätter von sogar 60 m Länge herstellen.

Unter dem Namen ‚Structural Health Monitoring’ (SHM) verfolgen Forscher mehrerer Fraunhofer-Institute und verschiedener Industriepartner ein Konzept, bei dem sie die sensorielle Struktur der menschlichen Haut zu imitieren versuchen, bei der sich auf einem Quadratzentimeter mehr als 300 Rezeptoren bzw. Sensoren befinden, die rund um die Uhr Informationen über den Zustand unserer äußersten Hülle empfangen und über ein weit verzweigtes Netzwerk bis ins Gehirn weiterleiten.

Ein elektronisches Netzwerk, das sich dieses Nervensystem zum Vorbild nimmt, soll künftig technische Strukturen wie die Rotorblätter von Windkraftanlagen schützen, aber auch Flugzeuge, Rohrleitungen usw., indem ein ausgeklügeltes Systeme aus Sensoren, Aktoren und Signalverarbeitung frühzeitig Risse, Rost und andere Verletzungen aufspürt, um Schäden zu verhindern. Bei der strukturellen Zustandsüberwachung sind die Sensoren fest mit der Struktur verbunden und können diese während des alltäglichen Betriebs ständig überwachen. Herzstück der verwendeten Sensoren sind keramische Piezo-Fasern, die mechanische Energie in elektrische Impulse umwandeln und umgekehrt (darüber mehr im Kapitel Micro Enery Harvesting).

Der WinDrive des Heidenheimer Anlagenbauers Voith, der im April 2008 vorgestellt wird, erzeugt aus unterschiedlich starkem Wind eine konstante Frequenz, die direkt ins Stromnetz eingespeist werden kann, ohne daß dabei ein Frequenzumrichter benötigt wird, wie es bislang der Fall ist. Die Serieneinführung des WinDrives soll noch in diesem Jahr in den USA erfolgen. Bis 2012 steht dann die weltweite Markteinführung an. Bislang sind Aufträge für 20 Anlagen eingeganghen – u.a. aus Texas und Mexiko. Zunächst will Voith exklusiv mit der Betreiberfirma DeWind, die kürzlich von der amerikanischen CCL Group übernommen wurde, zusammenarbeiten.

Die Presse meldet im Juni 2008, daß die Windkraft in Deutschland an ihre Grenzen stößt, da an Land kaum noch Platz ist, und das Offshore-Geschäft nicht voran kommt. Bislang dreht sich vor der deutschen Küste noch kein einziger Rotor. Die deutschen Windfirmen wenden sich daher verstärkt dem Ausland zu, insbesondere China und den USA. Nach Angaben des Bundesverbands Windenergie decken deutsche Hersteller und Zulieferer derweil mehr als ein Drittel des Weltmarkts ab.

Der norddeutsche Windturbinenhersteller Nordex beispielsweise, der wegen des schwachen Inlandsmarkts 2003 fast pleitegegangen ist, weist inzwischen einen Auftragsbestand von 2,9 Milliarden € aus, womit ist das Unternehmen bis Ende 2009 ausgelastet ist. Außerdem investiert das Unternehmen 350 Mio. € in den Aufbau neuer Fertigungen in Rostock, China und in den USA. Ab 2012 will die Firma dann jährlich Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 4.500 MW produzieren – das ist mehr als fünfmal so viel wie heute. Der (z.Zt. noch) größte deutsche Windturbinenhersteller Enercon wiederum will seine jährliche Produktion von 2.700 MW auf 3.200 bis 3.400 MW erhöhen.

Getriebelose Anlage von Siemens

Getriebelose Anlage
(Siemens)

Auch der amerikanische Siemens-Konkurrent General Electric seinem Börsenwert nach das drittgrößte Unternehmen der Welt nach ExxonMobil und PetroChina weitet seine Aktivitäten aus und arbeitet an der Expansion seines deutschen Wind- und Solarstandorts Salzbergen, der zum Zentrum für erneuerbare Energien in Europa werden soll. GE hatte den Standort mit 750 Beschäftigten 2002 von Enron übernommen. Weltweit hat GE bisher mehr als 8.500 Windturbinen ausgeliefert.

Nach der jüngst verabschiedeten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wird die Windstromvergütung an Land ab 2009 von 7,9 auf 9,2 Cent pro kW/h erhöht.

Mitte Juli 2008 errichtet Siemens Energy nahe der Stadt Ringkobing in West-Dänemark eine hochinnovative und getriebelose ‚Konzept-Windturbine’ mit einer Leistung von 3,6 MW, die anschließend einen zweijährigen Testlauf absolvieren soll. An dieser Technologie wird bereits seit 1999 gearbeitet. Das Unternehmen bezeichnet seine Anlage als die ‚erste mit getriebeloser Antriebstechnik’ – was jedoch nicht stimmt, da Enercon schon seit Jahren Anlagen mit einer ähnlichen Technik ausliefert.

Das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU entwickelt gemeinsam mit Fachleuten der Schirmer GmbH, der ESM Energie- und Schwingungstechnik Mitsch GmbH und dem Ingenieurbüro Dr. Ziegler eine aktive Dämpfung für Windräder. Bei dem durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekt reagieren Piezoaktoren selbstständig auf Frequenzwechsel und dämpfen die entstehenden Geräusche – unabhängig davon wie schnell sich die Windenergieanlage dreht. Diese Piezoaktoren, die an den Auflagern des Getriebes angebracht sind, reagieren auf von Sensoren gemessene Daten und wandeln elektrischen Strom in mechanische Bewegung um. Dadurch erzeugen sie ‚Negativschwingungen’, also eine Art Gegenlärm, der den Schwingungen des Windrads genau entgegengesetzt ist und sie dadurch auslöscht.

Nachdem bei RWE für den Ausbau des Geschäfts mit erneuerbaren Energien der Ex-Chef des Windanlagenbauers Repower Fritz Vahrenholt zuständig wird, steigt die Tochtergesellschaft RWE Innogy Mitte 2008 mit einem vorerst kleinen Anteil von 7,5 Mio. € bei der britischen Firma Quietrevolution ein, die Garagen- oder Hausdächer mit Windrädern bestückt. Die ab Ende 2007 in noch geringer Stückzahl produzierten modernen und leisen Darrieus-Rotoren sind bereits mit Design- und Technikpreisen dekoriert, und das erste Modell ‚QR5’ (5 m Höhe, 3,1 m Durchmesser, 4,2 kW bei 11 m/s) wird an der Kings College School in Wimbledon installiert. Kommerziell werden die Turbinen inzwischen auch auf einigen Hochhäusern und bei einer größeren Pub-Kette betrieben. Ende 2009 oder Anfang 2010 soll der Export nach Deutschland beginnen, als Preis werden rund 30.000 € plus Installation veranschlagt.

Auf der im September laufenden Husum WindEnergy 2008 werden Abschlüsse für 3 Mrd. € erwartet. Gleich am ersten Tag bestellt E.ON bei Siemens medienwirksam 500 Stück 2,3 MW Windkraftanlagen im Wert von 1 Mrd. €, die 2010 und 2011 in den USA (600 MW) und Europa (550 MW) aufgestellt werden sollen. Die Gesamtleistung dieser Anlagen entspricht 1,15 GW. Die Produktbreite bei Siemens umfaßt Windrotoren zwischen 1,3 MW und 3,6 MW. Die Nachfrage nach Windkraftsystemen ist mittlerweile allerdings groß, so daß bereits Lieferengpässe bei Maschinenteilen auftreten.

Ebenfalls auf der Husum WindEnergy 2008 stellt die REpower Systems AG ihre neue Onshore-Windkraftanlage ‚REpower 3.XM’ vor, die mit einer Nennleistung von 3,3 MW, einem Rotordurchmesser von 104 m und einer Nabenhöhe von 80 m die Lücke zwischen den bisherigen Onshore-Baureihen und der 5 MW bzw. 6 MW Offshore-Klasse schließt und sich durch besonders geringe Schallemissionen auszeichnet.

Der Prototyp wird im Dezember 2008 im Windpark Südermarsch nahe Husum errichtet, eine zweite Anlage folgt wenige Wochen später im Windpark Südermarsch. Beide Anlagen werden in Bremerhaven gefertigt, wo REpower zu diesem Zeitpunkt auch die Serienproduktion der Offshore-Anlage ‚REpower 5M’ sowie die Montage der neuen ‚6M’ startet. Für das Geschäftsjahr 2009 plant das Unternehmen, 30 Anlagen des Typs ‚3.XM’ zu produzieren und die Kapazitäten in den darauf folgenden Jahren deutlich auszubauen. Mittelfristig ist ein neues Werk in Osterrönfeld, Kreis Rendsburg- Eckernförde, geplant.

REpower erhält außerdem von dem Investor Saxovent einen Auftrag über die Lieferung von 15 Windenergieanlagen des Typs MM92. Die Anlagen mit je 100 m Nabenhöhe und 2 MW Nennleistung sollen 2010 an einem küstennahen Windstandort in Mecklenburg-Vorpommern errichtet werden.

Im Oktober 2008 fällt bei Nordex die Entscheidung, im Craighead Technology Park in Jonesboro, Arkansas, ein US-Fertigungswerk zu errichten, in welchem die Maschinenhäuser und Rotorblätter der Turbinenfamilie N90 und N100 (2,5 MW) hergestellt werden. Geplant ist, jährlich Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 750 MW zu produzieren. Hierfür sollen rund 100 Mio. $ investiert werden, und der Produktionsstart ist für Januar 2010 vorgesehen.

Nordex gehört zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen in der Windenergiebranche weltweit. Seit 2004 stieg der Umsatz der Gruppe jährlich um mehr als 50 %. Das deutsche Unternehmen verfügt inzwischen über Büros und Tochtergesellschaften in 18 Ländern und beschäftigt weltweit mehr als 2.000 Mitarbeiter. Die Zentrale von Nordex USA Inc., befindet sich in Chicago.

Offshorefundament der Firma BARD

Offshorefundament
(BARD)

Ebenfalls im Oktober 2008 nimmt die Firma BARD Engineering GmbH Deutschlands erste 5 MW Windkraftanlage für den küstennahen Bereich in Betrieb. Der etwa 500 m vom Strand entfernt bei Hooksiel in Niedersachsen zwischen Hooksieler Außenhafen und Ineos-Löschbrücke errichtete Prototyp ist speziell für Wassertiefen von 2 bis 8 m entwickelt worden. Hier kommt zum ersten Mal das BARD-Tripile-Offshorefundament zum Einsatz. Mehr über Offshore-Windanlagen findet sich in dem entsprechenden Kapitel.

Auf dem Ende der Neunzigerjahre gegründeten Wind-Testgelände in Grevenbroich vor den Toren Düsseldorfs entsteht im November 2008 die weltweit erste Windenergie-Anlage mit Hybridturm. Der neuartige Turm besteht im unteren, knapp 70 m hohen Teil schmalen Betonfertigteilen des niederländischen Turmbauspezialisten Advanced Tower Systems (ATS), und im oberen, fast genauso hohe Bereich aus konventionellen, serienmäßigen Stahlelementen. Erstmals wird der Betonsockel also nicht am Stück gegossen, sondern aus vorgefertigten Einzelteilen zusammengesetzt, wodurch sich die Türme ohne aufwendige Spezialtransporte einfach und kostengünstig zu ihrem Bestimmungsort bringen lassen.

Die Anlage in Grevenbroich erreicht bei einer Nabenhöhe von 133 m eine Gesamthöhe von 180 m. Errichtet und betrieben wird der Turm von der ATS Projekt Grevenbroich GmbH, an der die juwi Netzwerk GmbH &Co. KG, die Mecal Projects GmbH, die Hurks-Tochter HB Bau GmbH sowie Siemens Project Ventures (SPV) zu gleichen Teilen beteiligt sind. Im März 2009 werden die drei jeweils 46 m langen Rotorblätter montiert, und die Windtest GmbH beginnt mit der Untersuchung des Betriebsverhaltens des Giganten. An der Außenwand des Turms werden 80 Meßstreifen angebracht um zu bestimmen, wie die Windlast auf den Übergang vom Stahl- auf den Betonteil wirkt. Nach Berechnungen von ATS ist mit dem 133 m hohen Grevenbroicher Windturm ein um 20 % höherer Stromertrag möglich, verglichen mit der heute üblichen Turmhöhe von 100 m. Je nach Standort kann das für die Betreiber ein Plus von 60.000 € pro Jahr bedeuten. Damit würden sich die höheren Baukosten für den Turm innerhalb von vier Jahren amortisieren.

Führende Firmen wie Enercon und Nordex bauen bereits Betontürme mit einer Höhe von rund 120 m. So errichtete Nordex z.B. im Dezember 2007 in der vorpommerschen Gemeinde Iven zwei Windturbinen auf Hybridtürmen, die ebenso wie die ATS-Konstruktion aus einem Betonsockel und einem noch mal so hohen Stahlturm aus drei Sektionen bestehen. Der Betonsockel beim Nordex-Turm wird jedoch nicht aus vorgefertigten Teilen montiert, sondern direkt an seinem künftigen Standort gegossen. Der Bau und das anschließende Trocknen dauern zwischen vier und sechs Wochen.

Die 2006 gegründete Nordwind Energieanlagen GmbH in Neubrandenburg gewinnt 2008 gemeinsam mit dem Schumann Büro für industrielle Formentwicklung, Münster, sowohl den renommierten Designpreis red dot award als auch den Internationalen Designpreis Baden-Württemberg 2008 für eine pitchgeregelte, zweiflügliche 850 kW Windkraftanlage, die eine völlig neuartige Technologie der Energieübertragung besitzt. Dabei wird die Kraftübertragung an die Strom erzeugenden Aggregate nicht mehr wie bisher üblich über mechanische Getriebe, sondern über ein hydrostatisches Pumpensystem gelöst, das zugleich auch andere Funktionskomponenten, wie beispielsweise die Drehantriebe, versorgt. Dadurch entfallen viele Verschleißteile sowie interne Energieverbraucher.

Im November 2008 klagen Nordfrieslands Windanlagen-Besitzer über Millionen-Verluste, weil E.ON den Netzausbau verzögert. Zum wiederholten Male fordert die regionale Mitgliederversammlung des Bundesverbands WindEnergie (BWE) einen zügigen Ausbau der Stromnetze.  Allein in den Monaten Januar und Februar 2008 hätten sich die Ertragsausfälle im auf rund 2,5 Mio. € addiert.

Schon vor geraumer Zeit hatte der Schleswig-Holsteinische Landtag E.ON aufgefordert, Erdkabel zu verlegen statt die in der Bevölkerung höchst unbeliebten Überlandleitungen zu bauen. Der Konzern weigert sich jedoch mit der Begründung, daß Erdkabel teurer seien.

Die juwi Netzwerk GmbH &Co. KG gibt Anfang Dezember 2008 einen 100 Mio. € Vertragsabschluß mit dem Unternehmen Kenersys Europe bekannt, der den Kauf von 35 Stück ‚K-100’ Windturbinen umfaßt. Die Kenersys GmbH in Münster (früher: RSBconsult GMBH) ist die europäische Tochter des indischen Herstellers Kalyani Group – und juwi der erste Kunde in Deutschland. Die Windkraftwerke mit einem Rotordurchmesser von 100 m leisten jeweils 2,5 MW und sollen ab 2009 über einen Zeitraum von 3 Jahren in Wismar hergestellt werden.

Juwi wird die Anlagen in zwei Varianten in Deutschland und anderen europäischen Ländern betreiben, einmal mit einem 100 m hohen Stahlturm, und zum anderen mit einem 133 m hohen Hybridturm von ATS (s.o.).

7 MW-Anage E 126 von Enercon

7 MW Anlage E 126
(Enercon)

Auch die REpower Systems AG unterzeichnet Großverträge. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit Electrabel, einer Tochter des französischen Konzerns GDF Suez, wird REpower im ersten Quartal 2010 in der Zentralsektion der Les Hauts Pays Windfarm im Département Haute-Marne, im Nordosten Frankreichs, 23 Stück seiner ‚ REpower MM92’ Turbinen (Nabenhöhe 100 m, Leistung 2 MW) installieren. Weitere 11 Stück mit einer Nabenhöhe von 80 m werden in der Nordsektion errichtet. Betreiber des Windparks ist der französische Projektentwickler Erelia Haute Marne, eine weitere Tochter der GDF Suez.

Bereits 2009 in Betrieb gehen sollen 10 Windturbinen gleichen Modells (allerdings mit einer Nabenhöhe von 78,5 m), die REpower an die Echo Windfarm in Oregon liefern und als REpower USA Corp. gemeinsam mit der US-Firma John Deere Renewables bewirtschaften wird.

REpower beendet im Dezember 2008 ferner die Montage von drei ,REpower 6M’ Turbinen in Bremerhaven, die Anfang 2009 in der Westre civic Windfarm der Grenzstrom Vindtved GmbH & Co. KG an der Deutsch-Dänischen Grenze installiert werden sollen. Dort werden die jeweils 6 MW leistenden Großwindräder einem intensiven Testprogramm unterzogen, um zertifiziert zu werden. Mit der RWE Innogy GmbH verhandelt REpower außerdem über die Lieferung von 250 Offshore-Windturbinen vom Typ ,5M’ und ,6M’.

Etwa zum Jahresende 2008 überholen die USA Deutschland als Nummer eins in Sachen installierter Windleistung. Bereits im Sommer war die 20.000 MW Grenze erreicht worden, was einer Verdoppelung innerhalb von nur zwei Jahren entsprach. Ende Dezember sollen schon 24.000 MW installiert sein.

Was die Stromproduktion angeht, sind die Vereinigten Staaten schon etwas länger führend, da die dortigen Standorte im Durchschnitt besser und die eingesetzten Anlagen jünger und moderner sind.

In Deutschland drehen sich Ende 2008 etwa 20.301 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 23.902 MW. Im Laufe des Jahres neu installiert wurden davon 866 Anlagen mit einer gemeinsamen Leistung von 1.667 MW.


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