allTEIL C

WINDENERGIE - Ausgewählte Länder (IV)

Finnland


Das finnische Unternehmen Windside Production Ltd. in Pihtipudas bietet eine verwundene Form von Savonius-Generatoren an (s.d.), die ab 1979 von Risto Joutsiniemi entwickelt worden sind. Sie werden ab 1982 auf dem Markt angeboten und haben zwischenzeitlich weltweite Verbreitung gefunden, da sie auch in unterschiedlichen Formen und Farben angeboten werden.

Windside-Design-Senkrechtachser

Windside-Designs

1994 bringt die finnische Firma Kone Sampo ein 20 kW Windkraftwerk auf den Markt, das einschließlich Installation nur 30.000 DM kostet. Das ‚hydrotronische Windkraftwerk’ soll einen Wirkungsgrad von 33 – 38 % haben, was durch ein hydraulisches Pumpgetriebe ermöglicht wird, das die bisher üblichen Getrieberäder ersetzt.

Der aktuelle Stand bei Windside zeigt, daß die ästhetischen Gesichtspunkte inzwischen immer stärker betont werden. Die senkrechten Modelle wirken jetzt wie Flammen, was durch ihre bunte Lackierung noch betont wird.

Die Grundstruktur, die auch liegend eingesetzt werden kann, ist inzwischen von vielen anderen Entwicklern und Unternehmen übernommen worden und verdrängt im Marktsegment der Ein-Familien-Häuser zunehmend die bislang üblichen kleinen Dreiblattrotoren. Windside setzt seine Rotoren weltweit und unter allen Witterungsbedingungen erfolgreich ein, ebenso als Bojen, auf Schiffen usw.

Weitere dieser Modelle, die teilweise wie Mischformen aus Savonius- und Darrieus-Rotoren wirken, präsentiere ich im Kapitel Neue Designs und Rotorformen.

Frankreich


Einer der ersten, die sich in Frankreich mit der Windenergieforschung beschäftigen, ist ab 1950 Lucien Romani. Er entwickelt und testet verschiedene Kleinanlagen. Auch auf der Polarstation Charcot wird eine kleine Windkraftanlage betrieben.

1955 errichtet die Firma Neyrpic an der Ärmelkanalküste eine 130 kW Windenergieanlage, die von dem französischen Stromkonzern Electricité de France (EDF) bis 1963 als Forschungsanlage betrieben wird.

Um 1956 herum beginnt Lucien Romani mit der Entwickelung größerer Anlagen. Im Testbetrieb untersucht er zuerst eine 10 kW Anlage und in den folgenden Jahren eine 650 kW Anlage.

Seit 1962 gibt es bei Nogent le Roi eine 300 kW Windturbine, die von EDF betrieben wird. Ebenfalls in den 1960ern werden zwei Prototypen mit Nennleistungen von 0,8 und 1 MW erprobt.

1976 erfolgt die Installation der ersten muskelbetriebenen VERGNET Hydropumpe in Afrika (s.d.). 1988 gründet Marc Vergnet die Firma Vergnet S.A. mit dem Ziel, windbetriebene Pumpsysteme für die Landwirtschaft zu produzieren. Der erste stromproduzierende Vergnet Aerogenerator (GEV) kommt 1993 auf den Markt.

1994 befindet sich der größte Windpark auf französischem Boden auf Neukaledonien (!), einer Pazifik-Insel die zum Übersee-Territorium gehört. Dort stehen acht 225 kW Anlagen.

Im April 2000 nimmt die unit energy europe AG, Bad Homburg, über ihr Tochterunternehmen Hydro Holding ihren ersten Windpark in Frankreich in Betrieb. Der Windpark in Lastours ist der fünfte Windpark in Frankreich und hat eine Kapazität von 1,8 MW. Die Hydro Holding betreibt außerdem sechs eigene Wasserkraftanlagen in Frankreich und ist an vier weiteren beteiligt.

2001 stellt Vergnet eine 220 kW GEV Windturbine vor und startet die Produktionslinie der mittelgroßen ,Farwind’ Generatoren, die sich besonders gut für abgelegene Gebiete und sogar Zyklon-Windzonen eignen. 2002 folgt das Outsourcing der Windfarm-Entwicklung an die Firma AÉROWATT.

Ende 2002 laufen in Frankreich Windenergieanlagen mit einer Kapazität von gerade einmal 150 MW.

2004 übernimmt die Compagnie Du Vent den Bau einer Farm mit 12 Windkraftanlagen in Marokko, wo sie als weltweit erste eine Zementfabrik mit 10,2 MW Strom versorgen soll (s.d.).

2005 vereinbart Vergnet mit der Fiji Electricity Authority (FEA) die Errichtung der ersten Farwind 10 MW Windfarm.

Das französische Industrieministerium erhöht Mitte 2006 die Einspeisevergütungen für Ökostrom. Für Windkraftanlagen wird der Basistarif von 8,2 Eurocents jedoch nicht erhöht, allerdings wird der Zeitraum für den höchsten Betrag des abgestuften Preissystems von fünf auf zehn Jahre verlängert. Und für jede Kilowattstunde Strom von Windkraftanlagen auf See gibt es künftig 13 Eurocents. Gleichzeitig setzt der neue mehrjährige Investitionsplan (PPI) für den Stromsektor ein Ziel von 17.000 MW Windkraftleistung bis 2015.

Vergnet beginnt 2006 mit der Entwicklung der Farwind HP Windkraftwerks mit 1 MW Leistung. Im Folgejahr gründet das Unternehmen die Tochterfirma Photalia, die maßgeschneiderte PV-Systeme anbietet.

Im Frühjahr 2007 liefert sich der französische Atomkonzern Areva mit dem indischen Windunternehmen Suzlon einen Bieterkampf um den deutschen Windanlagenhersteller Repower und verliert (s. Abschluß-Statement). Im September, als das Unternehmen von der Projektgesellschaft Prokon Nord 51 % der deutschen Multibrid erwirbt, die sich auf die Produktion leistungsstarker Offshore-Turbinen spezialisiert hat, bekommt Areva dann doch noch eine Windfirma.

Vernet unterzeichnet im Oktober 2008 einen Vertrag mit Äthiopien zur Lieferung von 120 Stk. 1 MW Turbinen. Die Firma bietet seine 2-Blatt-Rotoren inzwischen in Größen von 275 kW bis 1 MW an, die Rotordurchmesser von 32 m bis 63 m aufweisen.

Vergnet 1 MW im Bau

Vergnet 1 MW (im Bau)

Durch die rasante Entwicklung in den vergangenen Jahren schiebt sich Frankreich in Bezug auf die jährlich neu installierte Leistung 2007 auf den dritten Platz hinter Deutschland und Spanien. Die französische Windenergie-Gesamtleistung beträgt zur Zeit 2.455 MW (ca. 2.000 Anlagen) und das Land plant, bis 2020 insgesamt 25 GW Windstrom zu erreichen, 21 GW Onshore und 4 GW Offshore. Dies würde etwa 10 % des zu erwartenden Landesbedarfs decken.

Der französische Energiekonzern GDF Suez übernimmt im Oktober 2008 die US-Firma Econergy International für 64,2 Mio. $. Econergy konzentriert sich auf Projekte der Erneuerbaren Energie in Latein- und Nordamerika und verfügt über 266 MW Leistung aus kleinen Wasserkraftwerken, Windenergie- und Biogasanlagen. Projekte für weitere 200 MW sind in Arbeit.

Nachdem die EDF-Tochter Energies Nouvelles (EDF EN) im Juli 2008 die 50 MW Villesèque Windfarm in Betrieb genommen hat, folgt im Dezember 2008 der Chemin d’Ablis Windpark im Departmént Eure-et Loir. Die dort errichteten 26 Windturbienen leisten 52 MW und stammen von dem deutschen Hersteller REpower. Der Windpark versorgt rund 70.000 Menschen mit Strom.

Als größter Windpark Frankreichs gilt zu diesem Zeitpunkt die Salles-Curan Windfarm auf dem Levezou Plateau nahe der Stadt Millau im Departemént Ayeron mit einer Leistung von 87 MW. Die 29 Stk. 3 MW Windturbinen werden von dem dänischen Hersteller Vestas geliefert – und das hier abgebildete Foto stammt von Patrick Lafforgue.

Insgesamt betreibt die EDF EN in Frankreich zu diesem Zeitpunkt 18 Windfarmen mit einer Gesamtleistung von über 345 MW.

Die EDF Energies Nouvelles ist jedoch nicht nur in Frankreich aktiv. Ebenfalls im Dezember 2008 gibt das Unternehmen bekannt, daß nun auch die 240 MW Windfarm im portugisischen Ventominho, nahe der spanischen Grenze, in Betrieb geht. Zu diesem Zeitpunkt handelt es sich um die größte Windfarm Europas. Die dort installierten 120 Stk. 2 MW Turbinen, die in fünf Gruppen zusammengefaßt sind, stammen von dem deutschen Hersteller Enercon und erstrecken sich über eine Linie von 30 km. Die EDF EN Portugal, eine Tochter der EDF Energies Nouvelles, sowie Eolverde, eine Tochter des spanischen Mischkonzerns Endesa besitzen gemeinsam 85 % des Projekts.

Ein weiterer Großauftrag für Nordex kommt von dem Energiekonzern GDF Suez. Diesmal geht es um die Lieferung und Errichtung von 30 Turbinen der Baureihe Nordex ‚N100/2500’ an die GDF-Suez-Tochtergesellschaft Nass & Wind Technologie. Die Turbinen sollen 2010 geliefert werden und vor allem dem 75 MW Projekt Germinon im Departemént Marne im Nordosten Frankreichs zugute kommen, dessen Standort eine Windgeschwindigkeit von durchschnittlich 7,4 m/s aufweist. Dort stehen in dem Cernon-Windpark bereits elf Stück ‚N90’ Turbinen, die für Nass & Wind Technologie noch vor der Übernahme durch die GDF Suez errichtet wurden.

GDF Suez ist inzwischen einer der größten Windparkbetreiber Frankreichs und hat dort 334 MW am Netz. Außerdem liegen bereits Baugenehmigungen für weitere 500 MW vor. Der Konzern plant, ab 2012 rund 20 % seiner europaweiten Stromproduktion aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, wobei die Hauptrolle dabei der Windenergie zukommen soll.

Griechenland


Die Tradition der griechischen Windmühlen besteht seit einigen Hundert Jahren. Herkunft und Ursprung sind unbekannt. Schon früh allerdings setzen sich Segelwindmühlen durch, wie sie noch heute auf vielen der griechischen Inseln anzutreffen sind.

Griechische Windmühle

Griechische Windmühle

Der erste Windpark Europas (!) entsteht 1982 auf der Ägäis-Insel Kythnos, er besteht aus fünf Windrotoren. Damit gelint es immerhin ca. 25 % des Strombedarfs der Ferieninsel zu decken, was zu einer jährlichen Einsparung von 80 t Dieselöl führt. Die Anlage wird im Rahmen eines Abkommens zwischen der griechischen und der deutschen Regierung von der Firma M.A.N. konzipiert. Als Amortationszeit weren 7 – 8 Jahre veranschlagt.

Auf der griechischen Insel Euboa, nördlich von Athen, soll zum Jahresende 2000 ein Windpark der Bremerhavener Energiekontor-Gruppe errichtet werden.

Ein Beschluß des Obersten Gerichtshofes von 2005 verhindert in Griechenland das Entstehen neuer Windparks. Da das Land über keinen Bebauungsplan verfügt hat das Gericht die Errichtung der flächenintensiven Windparks solange untersagt, bis ein solcher Bebauungsplan erstellt ist.

Griechenlands Windindustrie bleibt trotz bester Wetterbedingungen lange Zeit in den Kinderschuhen stecken, und die griechische Turbinenproduktion beschränkt sich 2006 auf Prototypen, die der Munitionshersteller Hellenic Defence Systems produziert.

Die bislang installierten 590 MW Windenergiekapazität reichen nur für einen der hinteren Plätze im europäischen Vergleich, obwohl die gesetzlichen Vorraussetzungen gut sind. Beispielsweise ist die selbst im Windenergiesektor aktive staatliche Stromgesellschaft DEI verpflichtet, eingespeiste Windenergie zu Vorzugspreisen abzunehmen. Investitionen werden darüber hinaus bis zu 55 % von Staat und der EU bezuschußt.

Großbritannien


Bereits 1955 wird in St. Alban eine Windenergieanlage nach dem Prinzip der pneumatischen Welle erstellt. Die Reibungsverluste der Luft sorgen jedoch für einen schlechten Wirkungsgrad.

Studien der ‚Energy Technology Support Unit’ (CETSU) erbringen 1976 das Resultat, daß theoretisch etwa 24 % des Energiebedarfs des Inselreichs durch Windenergie gedeckt werden kann.

Die erste VAWT (Vertical Axis Wind Turbine) läuft Ende 1985 am Ufer der Carmarthen Bay im Süden von Wales an. Die wegen ihrer Form ‚Eggbeater’ (Schneebesen) genannte Anlage kostet knapp 14 Mio. DM und soll 180 kW leisten.

Die Ashington mit Windkraftwerk

Ashington

1987 wird auf Orkney eine 3 kW Anlage zu Testzwecken betrieben. Die Ergebnisse sind jedoch unzufriedenstellend, denn der Betreib ist zu teuer und störanfällig.

Ebenfalls im Jahr 1987 wird auf der irischen Insel Cape Clear eine Windenergieanlage eingeweiht, die in deutsch-irischer Zusammenarbeit entstanden ist.

Der in London zugelassene Frachter ,Ashington’ wird 1986 mit einem Wingsail ausgerüstet, der den Antrieb entlasten soll. Man rechnet mit einer Einsparung von 10 %. Über diese Windtechnologie habe ich bereits im Kapitel Segelschiffe berichtet.

1993 geht der erste britische Offshore-WEA-Park ans Netz. Die Blyth Harbour Wind Farm besteht aus 9 Windturbinen mit jeweils 300 kW, die teilweise Onshore und teilweise Offshore errichtet werden.

1994 entwickelten Techniker der britischen Firma Tecnomare einen schwimmenden Windgenerator mit 30 m langen Flügeln auf einem 45 m hohen Stahlgerüst, das von einem hohlen Betontank getragen wird. Der Prototyp sollte 500 kW Leistung liefern.

Eines der weltweit nur drei Windkraftwerke, die gleichzeitig als Aussichtstürme genutzt werden können, befindet sich in englischen Swaffham, Kent. Die Anlage der Firma ecotricity wird 1999 gebaut und ist das erste Modell mit 1 MW Leistung in der Region. Das deutsche Fabrikat ist eine getriebelose – und daher relativ leise – Anlage mit 30 m langen Blättern. Zu der verglasten Aussichtsplattform in 76 m Höhe muß man allerdings 300 Stufen hinaufsteigen. Geplant wird der Bau weiterer sechs derartiger Aussichtswindmühlen an verschiedenen Orten des Landes.

Ecotech Centre mit Aussichtswindmühle

Ecotech Centre
Aussichts-Windkraftwerk

Übrigens erscheinen im Oktober 2008 im Netz Videos von Fallschirmspringern, die augenscheinlich großen Genuß dabei haben, den rund zehn Sekunden lang dauernden Absprung von der Aussichtskabine wieder und wieder zu machen und dabei für den britischen pro-base jumping Wettbewerb zu trainieren.

Die 2003 gegründete EU Group in Buckinghamshire (zu der u.a. der deutsche Windanlagen-Hersteller DeWind gehört) entwickelt das Aeolian Roof Building Augmented Wind Energy System, das unter dem Label ,WingPower’ vermarktet werden soll.

Bei dem von Dr. Derek Taylor entwickelten und patentierten System handelt es sich um eine Reihe kleiner Windräder, die beispielsweise an Hausoberkanten installiert werden. Um den Wind stärker zu beschleunigen befindet sich über ihnen eine Art Tragfläche, die das Durchströmverhalten unterstützt (Planar Concentrator). Die EU Energy wird 2006 von dem US-Kabelunternehmen Composite Technology Corporation (CTC) gekauft. 

Im September 2006 startet die Tapbury Management im Irischen Sorne Hill in Donegal ein Windfarmprojekt mit 39 MW und mit angeschlossenem Energiespeicher. Die Kanadische VRB Power Systems Inc. liefert hierfür eine 12 MWh ,flow battery’ im Wert von 6,3 Mio. $, bei der eine Vanadium-basierte Flüssigkeit, die eine Membran durchdringt, für das Speichern bzw. Abgeben der elektrischen Energie sorgt, je nachdem in welche Richtung die Flüßigkeit gepumpt wird (s.d.).

Im Dezember 2006 genehmigt die Regierung den Bau der weltgrößten Offshore-Windfarm ‚London Array’ rund 20 km vor der Küste von Kent. Die Farm aus 341 Turbinen soll 1 GW liefern – genug um ein Viertel der Londoner Bevölkerung zu versorgen. Beteiligt sind E.ON UK, die Shell WindEnergy Ltd. sowie CORE Ltd., ein Joint Venture zwischen Farm Energy, dem Initiator des Projekts, und der Firma DONG Energy. Bis 2009 sind außerdem fünf weitere Offshore-Farmen mit jeweils 50 bis 100 MW Leistung geplant.

Im Auftrag von Orange UK entwickelt der Konstrukteur Ben Jandrel von dem Unternehmen Gotwind den Prototypen eines mobilen Miniatur-Windkraftwerkes von nur 150 g Gewicht, mit dem per Windkraft Handy-Akkus innerhalb von ein bis zwei Stunden wieder voll aufgeladen werden können. Der Prototyp des 0,5 W Orange Wind Charger wird innerhalb von nur vier Wochen (!) entworfen und hergestellt und auf dem Glastonbury-Musikfestival Mitte 2007 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

In Großbritannien kommt der Ausbau der Windenergie an Land wegen des Widerstandes der jeweiligen Anlieger lange nur schleppend voran. Die britische Windenergievereinigung begrüßt deshalb um so mehr die Verlautbarung des Wirtschaftsministers im Dezember 2007, der zufolge bis zum Jahr 2020 „alle Haushalte des Landes“ mit Strom aus Offshore-Windkraftanlagen versorgt werden sollen (s.d.).

Spiralstruktur des Firewinder-Designs

Firewinder-Struktur

Der Erfinder Tom Lawton stellt im September 2007 mit seinem ‚Firewinder’ eine geniale Kombination von Windkraft und LEDs vor, bei der schon die leiseste Brise ausreicht um Licht zu generieren. Die Hängelampe rotiert senkrecht und zaubert wirbelnde Lichtspiralen hervor.

Die Lichtstärke der 14 helixförmig untereinander angeordneten LEDs nimmt mit der Windstärke zu. Der ‚Firewinder’ ist für 120 Englische Pfund hier bestellbar.

Im Juli 2008 wird der Plan bekannt, die seit 1993 bestehenden 9 Windturbinen der Blyth Harbour Wind Farm zu ersetzen. Neben sechs Anlagen von 125 m Höhe (bis Blattspitze) soll dabei auch eine 163 m hohe Windenergieanlage mit 7,5 MW Leistung errichtet werden, die als die „größte und stärkste Europas“ bezeichnet wird. Die Gesamtleistung des Windparks kann dadurch von 2,7 MW auf 23 gesteigert werden.

Ebenfalls im Juli 2008 werden die Pläne für den Bau „Europas größten Onshore-Windparks“ in South Lanarkshire, Schottland, mit einer Gesamtleistung von 548 MW genehmigt (gegenwärtig befindet sich der größte Park in Spanien – die Maranchon Windfarm in Guadalajara, hat eine Kapazität von 208 MW). Auf der Clyde Windfarm nahe Abington sollen sich 2011 insgesamt 152 Windturbinen drehen, die bis zu 320.000 Haushalte versorgen können. Das Projekt wird mit 600 Mio. Englische Pfund beziffert. Zu diesem Zeitpunkt wird im Eaglesham Moor, südlich von Glasgow, die gegenwärtig (noch) größte Farm Schottlands errichtet (322 MW).

Die schottische Regierung plant, daß bereits 2011 der Strom zu 31 % aus Erneuerbaren Ressourcen stammt – und bis 2020 sollen es sogar 50 % werden. Für Großbritannien insgesamt gibt es auch große Pläne, denn das Land möchte bis 2020 etwa 15 % seines Energiebedarfs durch erneuerbare Quellen decken – was bedeuten würde, daß dann 36 % des Strombedarfs durch Windkraft erzeugt werden müssen. Die gegenwärtige erwirtschaftete Leistung von nur 4 % läßt diese Pläne allerdings sehr ambitioniert wirken.

Eines der größten Projekte des Landes ist das 2,5 Mrd. Englische Pfund teure London Array Projekt nahe der Themse-Mündung, wo nach Abschluß der Arbeiten rund 12 Meilen vor der Küste 341 Windturbinen zusammen 1 GW Strom erzeugen sollen. Damit wäre dieser Windpark der Größte der Welt. Nachdem der Erdölkonzern Shell im Mai 2008 beschließt, seinen Anteil von 33 % an dem Windpark zu verkaufen, entscheidet sich im Oktober des Jahres Masdar aus Abu Dhabi (s.d.), eine 20 %ige Beteiligung zu erwerben. Die weiteren Mitspieler sind die deutsche E.on und Dong Energy aus Dänemark.

Mini Kin Mikro-Windlader

Mini Kin

Der ‚Mini Kin Green Power Generator’ ist mit seinen Maßen von 12 x 8 x 3 cm wohl eines der kleinsten Windkraftwerke der Welt. Es bildet eine Alternative für Regionen, in denen mehr Wind als Sonnenstrahlen geerntet werden können. Die Turbine kann an der Fahrradlenkstange angebracht oder auf dem mitgelieferten Ständer in den Wind gestellt werden, und nach der Volladung des Akkus können der iPod oder sonstige Geräte angeschlossen und nachgeladen werden. Ab Oktober 2008 wird der Mini Kin im britischen Online-Shop ‚I Want One Of Those’ für rund 30 Pfund angeboten. Ein vergleichbares Kleinstkraftwerk bildet der taiwanesische ‚Hymini’ für rund 80 $ aus dem Jahr 2007, den ich im Kapitel Neue Designs und Rotorformen vorstelle.

Ebenfalls im Oktober 2008 verkündet die britische NGO Partnership for Renewables, daß man gemeinsam mit den British Waterways im Laufe der folgenden fünf Jahre 50 Windturbinen in der Nähe von Flußläufen und Kanalen aufstellen möchte – mit einer Gesamtleistung von 100 MW.

Der norwegische Energiekonzern Statkraft, der sich als „Europe’s largest generator of renewable energy“ bezeichnet, kauft im November 2008 die Rechte zum Bau und Betrieb der Blaengwen Windfarm, nördlich der Stadt Carmarthen im Südwesten von Wales. Die 10 Windturbinen von Siemens Wind Power werden ab Anfang 2010 eine Leistung von 23 MW erzeugen. Statkraft, der in Norwegen Windparks in Smøla, Hitra und Kjøllefjord betreibt,  beginnt schon im Sommer 2008 mit der Errichtung der 60 MW Carraig Gheal Windfarm mit 20 Turbinen in Schottland.

Auch der schwedische Staatskkonzern Vattenfall gibt bekannt, daß man im Vereinigten Königreich investieren wolle. Als erster Schritt kauft sich der Konzern für 35 Mio. Englische Pfund (~ 55 Mio. $) von dem Finanzunternehmen Christofferson Robb & Co., die Rechte an einem der zukünftig größten Windparks des Landes, dem 300 MW Thanet Offshore Wind project, das Ende 2009 in Betrieb gehen soll. Man rechnet mit Gesamtkosten bis zu 1,23 Mrd. $. Vattenfall, schon im Besitz der 90 MW Kentish Flats Offshore-Windfarm vor der Küste im Südosten Englands, plant seine britischen Windenergie-Kapazitäten auf 6 GW aufzustocken. Anfang 2008 hatte der Konzern schon die englischen Windkraftfirmen AMEC Wind Energy und Eclipse Energy übernommen.

Nachdem sich Shell schon aus dem London Array Projekt zurückgezogen hat, meldet die Presse im Dezember 2008, daß auch der Plan der 270 MW Cirrus Array Offshore-Windfarm fallen gelassen wird, an dem Shell gemeinsam mit dem britischen Unternehmen Scottish Power und der dänischen Firma Dong Energy zusammengearbeitet hatte. Nach einer fünfjährigen Vorbeitungszeit und einigen Millionen Pfund an Kosten für das damals ,Shell Flat Offshore Wind Farm’ genannte Projekt sei es nicht gelungen, die Finanzierung des 800 Mio. Englische Pfund teuren projekts zu sichern, das in der Irischen See vor der Nordwestküste Englands errichtet werden sollte. Außerdem bestehen Einsprüche des Verteidigungsministeriums wo befürchtet wird, daß es zu Interferenzen bei Radarbildern kommen könnte.

Im Dezember 2008 stellt die Betreiberfirma Yorkshire Windpower (ein joint venture von E.on und EPRL) bei der Verwaltung von Calderdale den Antrag, die Ovenden Moor Windfarm bei Hollin Hill, nahe dem Warley Moor Wasserreservoir, zu ‚repowern’ – sprich die bisherigen Anlagen, die seit 1993 in Betrieb sind, komplett durch neue zu erstetzen. Statt den vorhanden 23 Turbinen mit ihrer Leistung von 9,2 MW sollen zukünftig 10 moderne Anlagen bis zu 23 MW erzeugen.

Die international zunehmende Nachfrage und andere Veränderungen der Wirtschaftslandschaft machen auch den englischen Windenergie-Unternehmen einige Schwierigkeiten. Ende 2008 stecken der British Wind Energy Association (BWEA) zufolge 262 verschiedene Projekte mit einer Gesamtkapazität von 7 GW fest.

Centrica, Inhaber der British Gas und starker Player im Energiebereich, hat Probleme damit, sein 250 MW Projekt vor Skegness an der Küste von Lincolnshire zu verwirklichen, da die Preise der Turbinenhersteller und anderer Zulieferer dermaßen angezogen haben, daß sie das Projekt an die Grenze der Wirtschaftlichkeit getrieben haben. Statt von 2 Mrd. wird nun von 3 Mrd. Engliche Pfund gesprochen.

Grafischer Entwurf einer Windanlagenbemalung von Alec Finlay

Alec Finlay Entwurf

Was in Deutschland schon längst Usus ist, erreicht Ende 2008 auch England. Man denkt darüber nach, auf den ehemaligen Kohleabbau-Minen Windparks zu errichten. Im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen der UK Coal und der britischen Energiefirma Peel Group sollen an mehr als einem Dutzend Standorten 54 Turbinen bis zu 133 MW Windstrom erzeugen. Die Peel Group, die mit 28 % an UK Coal beteiligt ist, hat bereits Erfahrungen mit Onshore-Windparks und betreibt in Lancashire auch die Scout Moor Windfarm mit 26 Stück 2,5 MW Turbinen. Neben anderen Bereichen des Energiesektors beschäftigt sich das Unternehmen auch mit dem Nutzen der Wellenenergie.

Novera Energy, Inhaber der seit 2006 in Betrieb befindlichen 15 MW Mynydd Clogau Windfarm in Wales, und der sich im Bau befindlichen 30 MW Lisset Airfield Windfarm, stellt Ende 2008 den Antrag für zwei weitere Farmen in Northumberland. In der Wingates Windfarm im Distrikt Alnwick, 6 k südlich von Longframlington, sollen 6 Turbinen zwischen 12 MW und 15 MW erzeugen, während die Todd Hill Windfarm, 6 km nordwestlich von Morpeth, mit 4 Turbinen bestückt werden soll, die 8 MW bis 10 MW liefern.

Damit, daß auch die ästhetischen Aspekte der Windparks von Northumberland und in der Nordsee nicht zu kurz kommen, wird im Dezember 2008 der Künstler Alec Finlay beauftragt, gemeinsam mit Ingenieuren des New and Renewable Energy Centre (NaREC) Veränderungen an den Designs der Windkraftwerke durchzuführen. Neben der Bemalung einiger Anlagen schreibt der Künstler auch kurze Gedichte über Rotorblätter und stellt um die Masten herum kleine Skulpturen aus.

Hawaii


Die Firma Windfarms aus San Francisco sowie eine Tochterfirma des Konzerns United Technologies werden 1981 damit beauftragt, für 350 Mio. $ insgesamt 20 Anlagen mit je 4 MW zu errichten, ausgerüstet mit Kunststoffrotoren mit Durchmessern von 80 m. Das Projekt soll wesentlich zur Stromversorgung der Insel beitragen. Später installiert Westinghouse am Kahuhu Point auf der Insel Oahu 15 Rotoren mit je 600 kW Leistung.

Um 1986 wird an der Nordspitze derselben Insel eine von der Firma Boeing entwickelte Anlage installiert, bei der sich an einem 200 m hohen Turm zwei 97,5 m lange Rotorblätter drehen. Als Nennleistung werden 3,2 MW angegeben. Zum damaligen Zeitpunkt ist dies die größte Anlage der Welt, ihre Entwicklungszeit betrug 15 Jahre.

Im Oktober 2008 gibt die Gouverneurin von Hawaii Linda Lingle das Ergebnis einer mehrmonatigen Beratung mit dem U.S. Department of Energy bekannt, derzufolge im rahmen der Hawaii Clean Energy Initiative versucht werden soll, bis 2030 rund 70 % des Energiebedarfs der Insel aus Erneuerbaren Ressourcen zu decken. Wie viel davon aus der Windenergie stammen soll wird noch nicht beziffert.

Holland


Bereits 1974 wird ein Entwicklungsprogramm für Windenergie aufgestellt. Immerhin ist Holland eines der Windländer Europas mit einer entsprechend langen Tradition. Die erste 80 kW Anlage auf der Insel Texel besitzt noch Metallflügel, welche Interferenzen (Schattenbilder) mit den Frequenzen der Fernsehsender verursachen. Die Anlage wird daraufhin nur tagsüber betrieben.

Das Niederländische Wissenschaftsministerium erarbeitet in einer Studie, daß zwischen 5.000 und 6.000 große Windenergieanlagen mit 50 m Rotoren etwa 20 % des lokalen Strombedarfs decken würden, wobei die Anlagen zum Teil auf künstlichen Inseln im Meer stehen könnten. Es liegen Vorschläge vor, nach denen je 150 Windturbinen als 450 MW Kraftwerk zusammengeschaltet werden sollen. Entsprechende Planungen werden daraufhin mit umgerechnet rund 7 Mio. $ gefördert.

1983 wird grünes Licht für den ersten Windmühlen-Park bei Sexbierum an der Nordseeküste gegeben. Ein Jahr später beginnt die Installation von mehr als 20 Turbinen mit einer Gesamtkapazität von 10 MW bei einem Kostenaufwand von ca. 62,5 Mio. DM.

1986 bestellt ein Elektrizitätswerk eine 450 kW-Windkraftanlage, bei der sechs Einzelrotoren an einem einzigen Mast befestigt sind. Die grafische Umsetzung eines derartigen ‚Windbaums’ liefert Jahre später der holländische Landschaftsarchitekt  Paul van Beek

In Camperduin entstehen zwei Großanlagen, die schon ganze Siedlungen versorgen können. Holland arbeitet auch an Windpumpen für Entwicklungsländer, die bereits in beachtlichen Stückzahlen für den Export hergestellt werden.

Seit 1994 drehen sich in Lely vier, und seit 1996 in Dronten sogar 19 Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils 500 kW im Offshore-Betrieb. Bis 2000 sollen insgesamt 2.000 MW Windstrom erwirtschaftet werden, und bis 2030 soll ein 100 MW Offshore-Windpark entstehen.

Im Jahr 1984 gründet eine Studiengruppe der niederländischen Universität Utrecht das Beratungsunternehmen Ecofys. Es bietet Dienstleistungen in den Bereichen der Energieeffizienz, der Erneuerbaren Energien und der Klimapolitik. 1997 eröffnet die erste deutsche Niederlassung in Köln, und im Jahr 2000 wird die Firma Econcern gebildet – als Anbieter nachhaltiger Energielösungen und in Form einer Holding über die Unternehmen Ecofys, Ecostream, Evelop und Ecoventures. 2001 folgt die Einweihung eines Büros in Nürnberg und 2003 die Eröffnung der dritten deutschen Niederlassung im Energieforum Berlin. 2007 zählt die Econcern-Gruppe zu den 500 am schnellsten wachsenden Unternehmen in Europa.

Neoga Darrieus-Dachrotor

Neoga

Ecofys ist auch Mitinitiator der ‚Plattform UrbanTurbines’, in der neben niederländischen Herstellern auch Importeure, Beratungsgesellschaften und Forschungseinrichtungen vertreten sind. Außerdem entwickelt das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Delft Konzepte für urbane Windturbinen, die in sogenannten ‚built up areas’ installiert werden können. Das bislang am weitesten fortgeschrittene Konzept trägt den Namen ,Neoga’, leistet  3 kW und wird durch das Schwesterunternehmen Evelop weiterentwickelt.

Mit der Errichtung des Prototyps einer neuen Windkraftanlage, der getriebelosen ,LW 72 Zephyros’, meldet sich im Dezember 2004 der einzige verbliebene niederländische Windturbinenhersteller Lagerwey the Windmaster wieder zurück auf dem internationalen Windenergie-Markt. Die ,LW 72’ basiert auf den Erfahrungen mit dem Modell ,LW 52’, von dem weltweit nahezu 200 Stück im Einsatz sind. Bereits jetzt sollen 250 der neuen Anlagen in Planung sein, bei denen Lagerwey einige interessante Innovationen vorweist.

So werden der Generator und der komplette Rotor erstmals schon am Boden zusamengebaut und anschließend mit Hilfe eines gemeinsam mit der Firma Mammoet neu entwickelten und patentiereten Schwenkkrans, der vorübergehend auf das Maschinenhaus aufgesetzt wird, emporgehoben und montiert. Auch der neue 4000 V Permanentmagnetgenerator wird speziell vom Zephyros-Partner ABB entwickelt, aufgrund seiner geschlossenen Bausweise eignet er sich optimal für Offshore-Standorte.

Ein an der Technischen Universität im holländischen Delft entwickeltes Verfahren soll in Zukunft dafür sorgen, daß Windräder nicht nur vorhandenes Süßwasser fördern, sondern auch Meerwasser in Trinkwasser verwandeln. Das 2008 veröffentlichte Verfahren existiert in zwei Varianten: Entweder treibt der erzeugte Windstrom Hochdruckpumpen an, welche das Wasser mit etwa 60 bar durch eine Membran pressen (Umkehrosmose), wodurch Süßwasser entsteht, oder die Pumpe wird direkt von den Windrädern angetrieben. Statt Elektrizität wird in der zweiten Variante Wasser gespeichert, was ebenfalls der Überbrückung windstiller Zeiten dient, aber wesentlich kostengünstiger ist.

Das Verfahren eignet sich vor allem für die vielen kleinen Dörfer in den isolierten und trockenen Küstengegenden Afrikas, Westasiens und Südamerikas. Die Windmühlen sollen täglich zwischen 5 m3 und 10 m3 Trinkwasser produzieren, was für ein Dorf mit 500 Einwohnern ausreichen würde.

Indien


Die ersten Forschungsarbeiten beginnen hier schon Ender der 1960er Jahre. Das Ziel ist eine einfache und billige Windpumpe. In Zusammenarbeit mit Dänemark wird später ein ‚12 PU 500’-Modell entwickelt, von dem 1980 schon mehrere Tausend Stück im Einsatz sind.

1996 werden in der nordindischen Thar-Wüste in Rajasthan fünf Aufwindkraftwerke (s.d.) geplant, die insgesamt 1.000 MW leisten sollen. Die Kosten werden auf 750 Mio. DM pro Anlage geschätzt, als Lebensdauer werden 60 Jahre angegeben.

Ende 1997 hat Indien bereits 950 MW Windstrom und steht damit hinter Deutschland, den USA und Dänemark weltweit an vierter Stelle. Der Zuwachs im Jahr 1997 alleine beträgt 120 MW. In den Folgejahren geht es rasant weiter.

Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit zwischen der UNO, der Schweiz, Schweden und der TamilNadu Spinning Mills Association (TASMA) auf indischer Seite, entsteht in Tamil Nadu, im südlichen Landesteil, ab 2003 ein ganz spezielle Form von Windpark, denn TASMA ist eine Kooperative aus 250 kleinen Firmen der Textilindustrie, deren Mitglieder je eine oder mehrere Windturbinen betreiben. Gemeinsam bilden sie einen Windpark mit über 700 Turbinen und einer Gesamtleistung von 468 MW – weitere sind im Bau oder in Planung.

Die indische Firma Suzlon Energy Ltd. stellt 2005 mehr Turbinen auf als alle anderen Hersteller, außer Vestas. Die Installationen erfolgen vor allem lokal in Indien, wo 2006 schon 7.000 MW installiert sind, aber auch in den USA – innerhalb von Projekten, die teilweise vom Agrarmaschinenhersteller John Deere finanziert werden.

Im September und November 2006 brechen an Sulzon-Windkraftwerken in den USA mehrere Rotorblätter ab – was das Unternehmen letztlich mindestens 30 Mio. $ kostet, die für Reparaturen, Ersatzleistungen und Verbesserungen aufgewendet werden müssen. Insbesondere sind 1.251 Blätter der ,S 88’ Turbine betroffen, von denen bereits 930 installiert sind. Alle müssen verstärkt werden.

Mehrere Jahre mit steuerlichen Anreizen tragen dazu bei, daß sich Indien Ende 2007 zu einem der am schnellsten wachsenden Märkte für Windenergie entwickelt. Unter anderem haben Unternehmen die Möglichkeit, 80 % der Installationskosten einer Windenergieanlage schon im ersten Jahr als Verlust abzuschreiben. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits über 7.100 MW an Windenergie installiert, jährlich kommen zwischen 1.500 MW und 1.800 MW hinzu.

Aufgrund seiner viele tausend Kilometer langen Küste eignet sich das Land ganz besonders gut für die Windenergie; das Potential wird auf 45 GW geschätzt – was etwa einem Drittel des gesamten derzeitigen Energieverbrauchs entspricht.

Der indische Hersteller Suzlon expandiert weiter nachdem es ihm gelingt, im Bieterwettstreit um Repower im Mai 2007 den französischen Atomenergiekonzern Avreva auszubooten. Für 33,6 % an Repower zahlt Suzlon 450 Mio. €. Später wird dieser Prozentsatz u.a. durch den Kauf der Areva-Anteile auf 66 % erhöht.

Im Dezember 2007 wird bekannt gegeben, daß die Fertigungskapazitäten bis März 2008 von derzeit 2.700 MW auf 4.700 MW erhöht werden sollen. Bis 2009 ist dann eine Erweiterung um weitere 1.000 MW geplant.

Suzlon S64 - im Bau in den USA

Suzlon S64
(in den USA)

Ende 2007 besitzt Suzlon einen Weltmarktanteil von 7,7 %, ist das viertgrößte Unternehmen auf diesem Sektor weltweit, und Suzlon-Chef Tulsi Tanti wird auf ein Vermögen von 10 Mrd. $ geschätzt, womit er zu den sogenannten ‚superreichen Indern’ gehört.

Noch Mitte der 1990er war Tanti ein kleiner – aber sehr intelligenter – Textilunternehmer aus Surat in der Provinz Gujarat, an Indiens Südwestküste, der sich 1994 zwei Windräder vom dänischen Hersteller Vestas kaufte um die Stromkosten der familieneigene Textilfabrik zu sparen ...und weil die Netze ständig zusammenbrachen. Ein Jahr später gründet er gemeinsam mit dreien seiner Brüder und 600.000 $ Startkapital in Pune die Suzlon Energy.

Tanti beginnt zunächst mit dem Vertrieb von Windrädern der kleinen, von Studenten der TU Berlin gegründeten Firma Südwind. Die Firma baut zwar brillante Turbinen, kommt wirtschaftlich jedoch nie richtig auf die Beine. Ende der neunziger Jahre geht Südwind in die Insolvenz und Tantis übernimmt Teile der Entwicklungsabteilung. Mit altem Südwind-Personal richtet der Unternehmer in Rostock ein Forschungs- und Entwicklungslabor ein, in dem weiterentwickelt und gleichzeitig der indische Nachwuchs ausgebildet wird, der dann in der Heimat die Turbinen baut. Auf ähnliche Weise kommt Tanti auch an einen niederländischen Rotorflügel-Hersteller.

Als im indischen Bundesstaat Maharashtra 1999 ein Gesetz erlassen wird, demzufolge Firmen die Kosten für Windräder von ihrer Umsatzsteuer abziehen dürfen, ist der Durchbruch geschafft und Suzlons Umsatz vervierfacht sich bis 2002 auf 131 Mio. $.

Anfang 2008 entbrennt ein heftiger Streit zwischen dem Management des Windkraftkonzerns Repower und dem Großaktionär Suzlon. Der indische Besitzer, der 86,5 % der Stimmrechte an dem Hamburger Konkurrenten kontrolliert, will die Repower-Technologie in Indien selbst herstellen, um sie dann international zu vertreiben. Dabei geht es vor allem um das Modell ‚Repower 5M’ – eine der leistungsfähigsten Windkraftanlagen der Welt.

Im Februar 2008 schließt Suzlon mit dem indischen, staatlichen Öl- und Gas-Monopolist Oil and Natural Gas Corporation (ONGC) einen Vertrag für zwei Windparks von je 50 MW ab – als Auftakt für ein Engagement, das langfristig Windparks mit einer Gesamtkapazität 15 GW umfassen soll.

Die indische Regierung plant zu diesem Zeitpunkt, bis 2012 Windräder mit einer Leistung von 8.400 MW aufzustellen. Um die Markteinführung zu unterstützen wird der Preis des Windstroms subventioniert, außerdem sind Sonderwirtschaftszonen für die Hersteller von Umwelttechnologie geplant, die ausländische Unternehmen anziehen sollen.

Bis 2020 sollen 20 % des indischen Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen stammen. Als besonders großer Hemmschuh erweist sich jedoch der schlechte Zustand des Stromnetzes: Es sind Investitionen in Milliardenhöhe nötig, um die elektrische Energie der Windmühlen auch bis zum Verbraucher bringen zu können.

Im Juni 2008 leistet Suzlons Dhule Windfarm in Maharashtra bereits 640 MW, im Endausbau wird sie 1,1 GW leisten und damit zum weltweit größten Windpark werden. Das Unternehmen hat sich derweil auf einen Weltmarktanteil von 10,5 % verbessert. Es ist in 20 Ländern aktiv, besitzt Herstellungswerke in Indien, China und den USA (in Minnesota), und beschäftigt 13.000 Mitarbeiter.

Suzlon S88 Windenergieanlage

Suzlon S88

Ein weiteres 51 MW Windkraftprojekt der Oil and Natural Gas Corporation (ONGC) wird im September 2008 in Betrieb genommen. Im Distrikt Kutch, Gujarat, erzeugen 34 Stück Suzlon ,S82’ Windturbinen jeweils 1,5 MW für die Bevölkerungszentren von Anklesvar, Ahmedabad, Mehasana und Vadodara.

Auch die europäische und die lateinamerikanische Filiale von Suzlon schließen zu diesem Zeitpunkt gute Verträge ab. Mit dem portugiesischen Unternehmen Martifer wird beispielsqweise die Lieferung von 29 Stück ,S 88’ Turbinen (2,1 MW) vereinbart, deren Gesamtkapazität von 60,9 MW bei einem Projekt in Rumänien zum Einsatz kommen soll. Weitere 9 Stück ‚S 88’ Windturbinen sollen in den Baião und Vila Franca de Xira Windfarmen in Portugal insgesamt 18,9 MW erzeugen.

Im November 2008 unterzeichnet die Wörrstadter juwi-Gruppe einen Rahmenvertrag mit einem Volumen von über 100 Mio. € mit Kenersys Europe, der europäischen Windenergie-Tochter der indischen Kalyani-Gruppe. In den folgenden drei Jahren soll Kenersys ab seinem neuen Werk in der mecklenburgischen Hafenstadt Wismar bis zu 35 WEA der (indischen? deutschen?) Modellreihe ,K 100’ (2,5 MW, 100 m Rotordurchmesser) an juwi liefern, einen der führenden Projektentwickler von Wind-, Solar- und Bioenergie-Anlagen.

Die Kenersys (Kalyani Energy Systems) Europe GmbH, ein weltweit operierender Anbieter von Windkraftanlagen, ist eine Tochter der indischen Kalyani-Gruppe des indischen Unternehmers Baba Kalyani. Dieser international agierende Industriekonzern mit Hauptsitz in Pune gehört zu den größten Schmiedeteillieferanten in der Automobilzulieferindustrie (Jahresumsatz: 2,5 Mrd $). Die Fertigungsstätten für Windkraftanlagen entstehen 2008/2009 in Wismar und Indien.

Der Neuzubau 2008 in Indien beträgt rund 1.800 MW.

Iran


Im Mai 2006 werden Pläne bekannt, denen zufolge das Land die bislang 20 Windturbinen des Dizbad-Windparkes nahe Neishabur im Laufe des Jahres um weitere 23 Einheiten erweitern will. Dadurch soll eine Gesamtleistung von 28,4 MW erreicht werden, die zur Versorgung von 78.000 Haushalten dienen wird.

Mitte 2010 informiert mich Herr Samad H. Razavi vom Fraunhofer IWES in Kassel, daß es inzwischen im Iran einen weiteren, noch größeren Windpark namens Manjil gibt - leider jedoch ohne Details über dessen Größe usw. mitzuteilen.

Israel


Im Gegensatz zu den vielen Aktivitäten im Bereich der Sonnenenergie spielt die Windkraft in Israel keine besonders große Rolle.

Dr. Moshe D. Hirsch, Berater des Ministeriums für Energie und Infrastruktur, leitet zwischen 1980 und 1990 ein Programm zur Erforschung der Windkraft, in dessen Rahmen diverse (importierte) Einzelanlagen errichtet und getestet werden.

WindMaster in Yodfat

WindMaster (Yodfat)

1981 wird mit einer 45 KW ,WindMatic’ aus Dänemark begonnen, die bei Iskar Industries in Maalot, im nördlichen Galilea, aufgestellt wird. 1985 folgt in Tel Katif auf dem Golan eine 55 KW Anlage von Vestas, die als der erste private Stromanbieter Israels gilt und ihren Strom an die Mei Golan Water liefert, und 1986 eine belgische ,WindMaster’ mit 250 KW, die bei der Israel electrical Co. in Yodfat aufgestellt wird, sowie eine 200 KW Anlage von Vestas für das Kibutz Maale Gilboa.

1987 geht es mit einer 225 KW Vestas-Turbine in Beit Yatir weiter, der sich 1988 eine 250 KW-Turbine des ebenfalls dänischen Herstellers Dencon anschließt, die auf dem Berg Kabir (= groß) bei Elon More errichtet wird.

Eine Sonderstellung nimmt dabei eine 200 KW selbst gebaute Forschungsanlage des israelischen Unternehmens Sivan Technologies ein, die 1988 bei Kfar Hachoresh im südlichen Galilea aufgestellt wird. Die Plastik-Rotorblätter sind von einem luftgefüllten Torus umgeben, was zu einem sehr leichten Rotorkranz führt, was zu Kostenreduktionen auch beim Turm führen soll.

Nach einem internationalen Workshop des UN Development Programme im Juni 1988, bei dem auch Dr. Hirsch seine Ergebnisse (Windkraftpotential: 24 GW) und seine zukünftigen Pläne vorlegt, bis 2020 beachtliche 1 GW in Windstrom erzeugen zu wollen, scheint es jedoch nicht mehr weiterzugehen.

Die Firma Mei Golan Wind Energy errichtet in Tel Assania 1992 die erste und für lange Zeit einzige kommerzielle Windfarm in Israel. Die zehn Windmühlen (Höhe 39 m, Rotordurchmesser 36 m) auf der Benei-Rasan Kuppe leisten zusammen etwa 6 MW und gehen im Sommer 1993 in Betrieb. Zu den Abnehmern des per Erdkabel gelieferten Stromes gehören der Kibbutz Naot Mordechai, der Mineralwasserhersteller Mei Eden und die Golan Heights Winery. Der Rest des erzeugten Stroms von rund 20% wird in das Stromnetz eingespeist.

Golan-Windfarm

Golan-Windfarm

Mitte 1993 legt das Israel Institute of Technology (Technion) dem israelischen Handels- und Industrieministerium ernstzunehmende Pläne vor, um mittels des Sneh Aero-Electric Power (SNAP) Windenergiesystems die 80 km/h starken Winde in einer Höhe von 1.000 m über der Negev-Wüste zur Stromerzeugung zu nutzen. Die US-Regierung und die US-Industrie sollen 5 Mio. $ für die Entwicklung und 20 – 25 Mio. $ für eine Pilotanlage beisteuern, die etwa 3 Jahre nach Baubeginn ihren ersten Strom produzieren könnte. Zwar wird im Rahmen des Berichtes ,Energy Management and Sustainable Energy Development’ des (neuerdings umbenannten) Ministeriums für nationale Infrastruktur im August 2002 noch einmal über diesen Vorschlag eines Abwindkraftwerks (s.d.) gesprochen, doch dann wird das Ganze anscheinend wieder zu den Akten gelegt.

Im März 1998 meldet die Presse, daß die MENABANK (Bank for Economic Cooperation and Development in the Middle East and North Africa) ein gemeisames Israelisch-Jordanisches Windpark-Projekt unterstützen wird, das Strom für beide Ländern liefern soll. Die Projektkosten des Wadi Araba/Arava Wind Power Project betragen 85 Mio. $, aber auch hier gehen einige Jahre ins Land, bevor es einen Schritt weitergeht.

In dem zuvor erwähnten Bericht von 2002 wird das nutzbare Windkraftpotential Israels auf 600 MW geschätzt. Insbesondere die Nordregion des Landes sei gut geeignet. Das Ministerium betont, daß man in den vorangegangenen 18 Jahren verschiedene Aktivitäten entfaltet habe um die Entwicklung der Windkraftnutzung zu fördern. Vielversprechende Standorte seien eruiert worden, und Forschungen wurden ebenso unterstützt wie Windpark-Entwickler. Außerdem sind mit staatlicher Hilfe fünf Testanlagen errichtet worden. Nun plane die Israel Electric Corporation den Bau mehrerer Windfarmen in Galilea und in der Negev-Wüste.

Erst 2006 scheint es mit der Windkraft etwas weiter zu gehen, denn die Mei Golan Wind Energy beginnt mit dem US-Energieunternehmen AES Verhandlungen über die Errichtung eines riesigen Windparks auf den nordöstlichen Golan-Höhen. Auf einer Fläche von mehr als 140 km2 sollen rund 150 Turbinen insgesamt 380 MW Strom erzeugen. Die Kostenschätzung für das Projekt beträgt 600 Mio. $.

Im gleichen Jahr wird in Israel die Firma Leviathan Energy gegründet, die mit großen Zielen antritt, denn man will „die Fundamente des Marktes für Erneuerbare Energie auf globaler Ebene verändern“, wie es in der Stelbstdarstellung des Unternehmens heißt. „Durch eine Anwendung, die auf der Nutzung der Physik fluider Strömungen beruht, will man Wind-, Wasser- und Wellenkraftwerke bauen. Bei der ,Wind Lotus’ Schwachwind-Turbine von Leviathan Energy handelt es sich jedoch um nichts anderes als einen weiterentwickelten Savonius-Rotor – hier im Leistungsbereich von 3,5 kW oder 5 kW –, der sich leicht auf Flachdächern aufstellen läßt. Das erste Modell wird im Februar 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Wind Lotus Senkrechtachser

Wind Lotus

2007 wird in Ramat Hasharon die Firma Coriolis Wind Ltd. gegründet, deren Unternehmensziel es ist, innovative Windenergiesysteme zur Stromerzeugung zu entwickeln, die auch schwache und/oder turbulente Luftströmungen nutzen können. Dabei möchte man sich auf Kleinanlagen wie auch auf große Windparks konzentrieren. Bei den patentierten Strukturen handelt es sich um ‚Wände’ aus einer Vielzahl einzelner Darrieus-Rotoren, die auf- und nebeneinander montiert sind. Dadurch sind paßgenaue und modular aufbaubare Anlagen möglich, die sicher, leise und vibrationsarm sind. Durch den Einsatz massenhaft hergestellter Windblätter aus Plastik sollen sich sehr günstige Anlagenpreise ergeben.

Im November 2008 werden der ,Coriolis Wind Screen’ – als Modell einer 1,5 MW Anlage – öffentlich präsentiert. Nach erfolgreichen Tests mit einem Prototyp sollen 2009 die ersten Feldversuche folgen.

Nicht herausfinden konnte ich bislang das Gründungsdatum des israelischen Unternehmens IQWind in Bazra, das sich auf die Entwicklung eines optimierten Getriebesystems für Windturbinen spezialisiert hat, das deren Effizienz merklich steigern soll.

Ende 2007 kommt wieder einmal das Abwindkraftwerk von Technion in die Presse. Diesmal wird es als ein System beschrieben, das leicht die 15- bis 20-fache Menge des gegenwärtigen globalen Strombedarfs erzeugen könnte.

Gegen die Kritik von Vogelschützern (das Land liegt auf der Route vieler Zugvögel) plant eine Gruppe von Geschäftsleuten Anfang 2008 die Errichtung einer 50 MW Windfarm in der Arava/Araba Wüste. Das 100 Mio. $ Projekt soll von Afcon Industries in Petah Tikva finanziert werden. Eine weitere Farm im Norden des Landes soll sogar auf 100 MW ausgelegt werden. Parallel dazu plant das Infrastruktur-Ministerium, bis 2012 über 300 MW Windstrom zu verfügen, womit 5 % des landesweiten Strombedarfs gedeckt werden können. Die Unternehmer klagen jedoch über die vielen Verordnungen und die zeitraubende Bürokratie.

Im April 2008 wird immerhin schon die Absichtserklärung für ein joint venture zwischen Mei Golan Wind Energy und dem US-Energiekonzern AES unterzeichnet, der sich nun bei der israelischen Elektrizitätsverwaltung um eine Genehmigung für die erste Ausbaustufe bemüht (200 MW, Kosten: 330 Mio. $). Der Park, der im Endausbau 150 Windturbinen umfassen soll (s.o.), wird zwischen Majdal Shams und Alonei Habashan auf privatem Grund errichtet, der zur Hälfte jüdischen Siedlern und zur Hälfte den eigentlichen Drusischen Einwohnern gehört.

Auch die Arava Power Company (APC) will in der Arava/Araba Region Strom aus erneuerbaren Quellen produzieren und an die Bewohner des Gebiets verkaufen. Das Unternehmen wird im Rahmen einer regionalen Initiative gegründet deren Ziel es ist, Arava zum Silicon Valley der Erneuerbaren Energie in Israel zu machen. Gemeinsam mit dem Arava Institute of Environmental Studies, im Kibbutz Ketura im Süden des Landes, plant APC den Aufbau des ‚möglicherweise ersten Erneuerbare-Energie-Park der Welt’ (?). Under dem Namen Center for Renewable Energy and Energy Conservation soll der Park lokale und ausländische Talente anlocken, die sich an der Entwicklung neuer Energie-Technologien, darunter auch der Windenergie, beteiligen sollen. Außerdem soll das Zentrum als Keimzelle für das Enstehen grüner Gemeinden in der Region wirken, die Solarkollektoren und kleine Windkraftwerke einsetzen. Benannt werden soll es nach dem 2002 bei einem Autounfall getöteten Solarenergie-Pionier Bryan Medwed.

Die 2004 gegründete israelische Firma TechnoSpin (mit Sitz in New York), die ihre Geschäftstätigkeit 2007 aufnimmt, bekommt von der US-Kapitalbeteiligungsgesellschaft 21 Ventures im April 2008 eine Finanzpritze von 8 Mio. $. TechnoSpin wird sich mit der Entwicklung kleiner Windrotoren im Leistungsbereich zwischen 400 W und 2 kW bei Rotordurchmessern von 1,16 m bis 3 m befassen, deren erstes Modell im Mai auf dem Dach des Unternehmens aufgestellt werden soll, sowie mit der Entwicklung von Getrieben für große Windkraftanlagen.

TSW2000

TSW2000

Tatsächlich startet im Mai 2008 die Herstellung der Erstserie der ,PowerSpin TSW 2000’ Windrotoren, im Juli wird der Abschluß der Entwicklung der neuen ,ComSpin S’ Windturbine und im August den der Modelle ,ComSpin C’ und ,ComSpin L’ bekanntgegeben, die für den Telekommunikationsindustrie maßgeschneidert wurden. Im Januar 2009 wird eine ,TSW2000’ auf dem Dach der südafrikanischen University of the Witwatersrand in Johannesburg installiert, im März folgt ein weiteres Modell als erste Windturbine eines kleinen Windfarm-Projekts, sowie die erste schlüsselfertige Umsetzung für Sendetürme.

Ebenfalls im Mai 2008 stellen Vertreter der Startup-Firma ALT E ihren Plan vor, auf eines der Hochhäuser von Tel Aviv eine Windenergieanlage zu setzen, die einen Teil des Strombedarfes des Gebäudes decken soll. Aus dem Konzept sollen sich später ‚urbane Windfarmen’ entwickeln.

Im August 2008 erhält Mei Golan die Genehmigung für die Errichtung der geplanten 400 MW Windfarm auf den Golan-Höhen. Zu diesem Zeitpunkt sind in Israel rund 350 MW an Windkraftkapazitäten installiert.

Die US-Firma Hillpoint Energy aus Cedarhurst, New York, unterhält in Israel eine Entwicklungsabteilung. Im September 2008 verlautet aus dieser, daß das Team eine neue 1 MW Windenergieanlage vorstellen wird sobald die Patentanträge eingereicht worden sind, was in wenigen Wochen erfolgen soll. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine in großer Höhe fliegende LTA-Windturbine (lighter-than-air) – eine Technologie, die ich in einem späteren Kapitel noch näher beschreiben werde. 

Ende 2008 legt die israelische Stromaufsichtsbehörde einen Entwurf der zukünftigen Bestimmungen zur Erteilung von Lizenzen zum Bau und Betrieb von Windkraftwerken vor. Auch das für Energiepolitik zuständige Infrastrukturministerium kündigt ein Programm zur Förderung der Windenergie an. Als Förderinstrument sind attraktive, staatlich für 15 Jahre festgelegte Tarife vorgesehen, zu denen die staatseigene Elektrizitätsgesellschaft IEC den Strom der Windpark-Betreiber abnehmen muß.

Über ein 70 Mio. $ Projekt im südlichen Galilea verhandelt die Afcon Industries-Tochter Afcon E.B. Wind Energy Ltd. mit der Israel Electric Corporation (IEC), wie im Januar 2009 bekannt wird. Standort der 40 MW – 50 MW Windfarm ist Ramat Sirin und der Bergzug des Gilboa, eine Region, für die schon seit 2003 eine Genehmigung des National Planning and Building Board zur Errichtung von Windenergieanlagen vorliegt. Aufgrund der hohen Kosten gelang es der IEC jedoch nicht, das Projekt in Eigenregie zu verwirklichen. Ein wichtiger Gegner des Projekts ist das israelische Verteidigungsministerium.

Die (o.g.) Startup-Firma ALT E tritt im April 2009 mit einem neuen Namen an: SOVNA. Das Unternehmen in Tel Aviv bemüht sich weiterhin darum, kleine Senkrechtachser auf Hochhäuser zu installieren. Es handelt sich um einfache H-Darrieus-Modelle mit fünf geraden Blättern.

Italien


1982 beginnt die Errichtung einer Windenergie-Farm in San Giovanni Suergiu auf Sardinien. von der Firma FIAT und den staatlichen Elektrizitätswerken werden zehn 50 kW Anlagen aufgestellt, die auf dänischen Erfahrungen beruhen.

Es folgten Planungen für ein 4 MW Windrad, sowie für die Errichtung kombinierter Wind- und Solarkraftwerke auf den Äolischen Inseln, nördlich von Sizilien. Dort steht 1983 allerdings erst ein einziger, kleiner 15 kW Konverter.

In Italien wird die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ab 1993 staatlich gefördert. Im Jahr 1999 löst das Modell der ‚Grünen Zertifikate’ das alte Fördersystem ab (s.u.), und ab 2002 sind die Energieversorger verpflichtet, über ihre bestehenden Kraftwerkskapazitäten hinaus einen Anteil von 2 % Ihrer Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Bis 2007 steigert sich dieser Anteil auf 3,05%.

Im Jahr 1994 gründen die Brüder Josef und Ernst Gostner die Firma Ener.CO S.r.l. (ab 2002: Fri-El Green Power S.p.A.), die seitdem zu den Vorreitern der Erneuerbaren Energie in Italien gehört. Seit 2002 steigern sie die Menge des von ihren 19 Windfarmen gelieferten Stromes auf 418,3 MW. Größter Windpark ist die S. Agata Windfarm in Apulien, deren 4 Einzelfarmen insgesamt 72 MW erzeugen. Partnerschaften werden 2001 mit der EDF Energies Nouvelles und 2008 mit der RWE Innogy Italia eingegangen. Innerhalb weniger Jahre will das Unternehmen seine Gesamtkapazität auf über 1.000 MW Windstrom erhöhen.

Montemignaio Windfarm

Montemignaio Windfarm

Ab 2002 sehr aktiv ist die Firma wind energy in Bozen/Bolzano. Innerhalb weniger Jahre werden 79 Kommanditgesellschaften als Oberflächenrechtsinhaber für die Errichtung von Wind- und Solarenergieanlagen gegründet. Flächen für die Errichtung von Windkraftanlagen für insgesamt 4.000 MW werden in den Regionen Toscana, Umbrien, Marche, Lazio, Abbruzzen, Molise, Kampanien, Basilikata, Apulien, Kalabrien, und an den Küsten Siziliens und Sardiniens erworben. Steuererleichterungen gibt es für Investitionen in benachteiligten Regionen: Kalabrien 50%, Kampanien, Basilikata, Apulien, Sizilien und Sardinien 35%, sowie Abruzzen und Molise 20%. Die Genehmigungsverfahren sind allerdings komplex und werden je nach Region sehr unterschiedlich gehandhabt. Hinzu kommen steigende Hürden bei der Netzzugangsregelung.

Im Juni 2002 sind in Italien 700 MW Windkraftleistung installiert, vor allem Maschinen von 250 bis 600 kW, hauptsächlich von Vestas. Ende 2003 liegt die Windkraftleistung in Italien bereits bei rund 900 MW.

Ein interessantes Kuriosum aus der Windkraftgeschichte stellen die ‚Monopterus’-Anlagen des italienischen Herstellers Riva Calzoni dar. In Castelnuovo della Daunia befindet sich ein Park mit zehn der Einflügler mit einer Leistung von je 300 kW.

Im September 2005 stellt Enercon für den Windparkbetreiber Fortore Energia S.p.A. in San Chirico im Val Fortore, 830 m über der Meereshöhe gelegen, elf ,E-70/2’ auf. Es sind die ersten Anlagen der 2 MW-Klasse, die in Höhen über 800 m in Betrieb gehen. 2006 kommen weitere zehn in Rochetta und neun in Spina dazu. 

Während sich Sardinien, lange Zeit die Windregion Italiens mit der höchsten installierten Windkraftkapazität, 2005 eine Selbstbeschränkung von 550 MW auferlegt, zieht Sizilien 2006 mit 137 MW, sowie die wirtschaftlich schwachen Regionen im Süden, wie Apulien mit 126 MW und Basilikata mit 68 MW, an der Insel vorbei.

Bis Ende 2006 sind bereits Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 2.123 MW installiert, davon kamen alleine 2006 rund 417 MW neu dazu. Damit liegt Italien nach Deutschland, Spanien und Dänemark an vierter Stelle. Bis zum Jahr 2012 sollen 4.000 MW geleistet werden.

Zu den großen italienischen Betreibern von Windparks gehören Fortore Energia, Daunia Wind und Edison, der als zweitgrößter Energieversorger des Landes fast 400 Enercon-Windenergieanlagen von Typ ,E-40’ mit 500 kW bzw. 600 kW am Netz hat. 2006 werden weitere 13 Anlagen dieses Typs für Edison installiert, während Daunia Wind bei Troia am Monte Calvello 18 Stück ,E-70’-Windturbinen errichtet.

2007 sollen in Italien rund 850 MW Windstrom neu dazukommen, 2008 weitere 1.100 MW. Bis 2012 sollen nach Schätzungen von ANEV und ENEA schon an die 6.000 MW bereitstehen. Unterstützt wird dies durch die 1999 eingeführten ‚Certificati Verdi’ (Grüne Zertifikate, GZ). Und während es bis 2006 nur acht Jahre waren, werden an die Erzeuger von Strom aus erneuerbaren Energien ab 2007 GZ für die ersten 12 Jahre einer Anlage vergeben.
                      
Im Jahr 2007 prüft Gamesa die Pläne für den ersten Offshore-Windpark des Mittelmeeres, der vor der Küste Apuliens 300 MW erzeugen soll, doch schon im Juli 2007 meldet die Presse, daß der erste Windpark statt dessen rund 3 km vor der Küste Siziliens auf Höhe der Städte Licata und Gela entstehen soll. Die Realisierung übernehmen der italienische Stromversorger Enel gemeinsam mit der Moncada Energy Group. Es sollen 115 Windräder mit Leistungen zwischen 3 und 5 MW aufgestellt werden, womit der Windpark zwischen 345 und 575 MW Leistung liefern wird. Hierfür werden die Firmen bis zu 500 Mio. € investieren.

Im Oktober 2007 unterzeichnet die deutsche Firma Nordex AG einen 104 Mio. € Vertrag über die Lieferung von bis zu 44 Turbinen der Baureihe ,N90/2500 kW’ mit der ERG Power & Gas (Mitglied der ERG Gruppe). Der Windpark Fossa del Lupo wird in der süditalienischen Provinz Catanzaro auf einer Höhe von 800 m errichtet und wird 110 MW leisten, was dem Stromverbrauch von mehr als 80.000 Haushalten entspricht. Die Errichtung der Anlagen soll ab Oktober 2008 erfolgen, die Inbetriebnahme ist für 2009 geplant.

Auch der Projektentwickler WKN Windkraft Nord AG verkauft gemeinsam mit seiner Niederlassung WKN Italia und dem Joint-Venture Aero-Sol s.r.l. ein Windenergieprojekt auf Sizilien. Der 58 MW Windpark Rocca Rossa besteht aus 29 Anlagen mit jeweils 2 MW Leistung und 90 m Rotordurchmesser auf 95 m Nabenhöhe. Er befindet sich im Zentrum Siziliens und liegt etwa 60 km südöstlich von Palermo. Käufer des Projektes ist die M&A Rinnovabili s.r.l., eine Tochter der süditalienischen Moncada Energy Group. Die Inbetriebnahme des Windparks ist für Ende 2009 geplant.

Ebenfalls im Oktober 2007 erhält auch Vestas mehrere Aufträge aus Italien: 5 Stk. ,V90’ mit 3 MW, 20 Stk. ,V90’ mit 2 MW sowie 26 Stk. ,V90’ mit 1,8 MW; davon sind 62 MW der Region Apulia und 40 MW der Region Molise zugewisen.

2008 steigt Italien (durch den stagnierenden Ausbau der Windkraft in Dänemark) mit deutlich über 3.000 MW Windkraftleistung zur Nummer 3 in Europa auf. Diese Entwicklung wird dadurch begünstigt, daß in Italien mit Abstand die beste Vergütung für Windstrom bezahlt wird. Während die meisten europäischen Top-Windländer Windstrom mit 8 bis 9 €Cent/kWh vergüten, können italienische Windstromerzeuger über 12,5 €Cent/kWh berechnen.

Im Februar 2009 verkauft die PowerWind GmbH ihre 50. Windenergieanlage des Typs ‚PowerWind 56’ mit einer Leistung von 900 kW nach Italien. Insgesamt hat das Unternehmen damit bereits mehr als 60 Anlagen dieses Typs an Projekte in Deutschland, Italien, Polen, Rumänien und Bulgarien veräußert. Die letzten Abschlüsse verteilen sich auf zwei Unternehmen: Die Pitta Energia S.p.A. und die Sistemi Energetici S.p.A. haben jeweils vier Windenergieanlagen erworben, die an verschiedenen Standorten in Apulien errichtet werden.

Japan


1980
läuft das seinerzeit weltgrößte segelbetriebene Transportschiff mit 26.000 Bruttoregistertonnen vom Stapel. Das computergesteuerte Segel der ,Shin Aitoku Maru’ hat eine Fläche von 320 m2, soll den 3.300 PS Dieselmotor entlasten und eine Brennstoffersparnis von 50 % erwirtschaften. Das Schiff ist 162 m lang, 25 m breit und kostet 12,5 Mio. $.

Segelfrachter Shin Aitoku Maru

Shin Aitoku Maru

Mitsubishi Power Systems (MPS) beginnt ebenfalls schon in den 1980er Jahren mit der Entwicklung von Windkraftanlagen. Nach der Jahrtausendwende drehen sich weltweit bereits über 1.400 Kraftwerke dieses – wohl einzigen – japanischen Herstellers. Ihre Gesamtleistung beträgt allerdings nur 587 MW, das es sich zumeist um kleine Anlagen im Leistungsbereich zwischen 200 kW und 600 kW.

Eine Demonstrationsanlage der Tohoku Electric Power Co. in Tappi-saki am nördlichsten Ende der Tsugaru Halbinsel, gilt ab April 1992 als die erste Windfarm Japans. Die 5 Windräder des Tappi Wind Park mit 275 kW Leistung pro Stück produzieren gemeinsam 1.375 kW. Im September 1995 kommen weitere 5 Anlagen mit je 300 kW Leistung hinzu, welche die Kapazität des Parks auf 2.875 kW anheben. 1996 wird außerdem eine vom japanischen NEDO (New Energy and Industrial Technology Development Organization) entwickelte 500 kW Anlage aufgestellt.

1997 betreibt die Okinawa Electric Power den zweitgrößten Windpark Japans, bestehend aus fünf Anlagen mit insgesamt 1,7 MW. Man plant inzwischen auch andere Inselnetze auf Wind-Diesel-Systeme umzurüsten.

Im März 2000 meldet die Presse, daß die Enercon GmbH fünf 1,5 MW Windenergieanlagen vom Typ ,E-66’ nach Japan verschifft, die in einem Windpark des Energieversorgers Electric Power Development aufgestellt werden. Zu diesem Zeitpunkt realisiert Enercon insgesamt sieben Windparkprojekte in Japan.

Durch Spenden der Bevölkerung wird im September 2001 in der Stadt Hamatonbetsu, Hokkaido, die Hamakaze-chan (Bürger-Windturbine) Windkraftanlage errichtet. Initiator des Projekts ist die Bürgerinitiative Hokkaido Green Fund, die dazu aufruft, 5 % der monatlichen Stromrechnung als zusätzliche Spende für den Erhalt der Umwelt abzuführen. Im Rahmen der Initiative werden in der Stadt Ishikari sogar drei Bürger-Windturbine aufgestellt.

Die Cape Erimo Wind Power Station am Ende der Hidaka Bergkette wird mit ihren zwei jeweils 35 m hohen Windgeneratoren als touristisch attraktives Ziel betrachtet und vermarktet. Die Gegend gilt als eine der windreichsten Japans. Eine wesentliche größere Farm mit 57 Turbinen steht zu diesem Zeipunkt am nördlichten Punkt der Insel Hokkaido. Die Anlagen der Cape Soya Wind Farm sind 40 m hoch und liefern zusammen 57 MW, was rund 60 % des Strombedarfs der naheliegenden Stadt Wakkanai entspricht.

Otonrui-Windfarm

Otonrui-Windfarm

Im Windpark der Stadt Horonobe gehen 2003 insgesamt 28 Windkraftwerke vom Modell ,LW 52’ des niederländischen Windturbinenherstellers Lagerwey in Betrieb, von dem weltweit nahezu 200 Stück laufen (s.u.). Die z.T. 99 m hohen Anlagen der Otonrui Wind Power Station erstrecken sich über eine Länge von 3 km.

Ungefähr in diese Zeit fällt auch die Errichtung der ersten in Japan gebauten Offshore-Windturbine vor der Stadt Setana an der Japanischen See. Aufgrund ihres vogelähnlichen Aussehens bekommt der Standort den Spitznamen Kazamidori (Wetterhahn).

Die Hibikinada Wind Farm, deren von der Regierung geförderter Bau im Oktober 2002 angefangen hat, beginnt im März 2003 den von ihr erzeugten 15 MW Strom ins Netz zu speisen. Die Farm besteht aus 10 Stück 1,5 MW Windturbinen von GE Wind Energy.

Standort der Farm ist die Bucht der Hibikinad-Küste, etwa 15 km norwestlich der Stadt Kokura, auf von der Stadt Kitakyushu geleastem Land. Besitzer der Windfarm ist die NS Wind Power Hibiki Ltd., eine gemeinsame Tochter der Nippon Steel Corporation (welche auch die Türme der Windkraftwerke hestellt), des 1999 gegründeten Windprojektentwicklers Japan Wind Development Co., Ltd. (JWD) in Tokio, und der Torishima Pumps and Mitsui & Co. Die Betreiberfirma Kyushu Electric Power Co. versorgt rund 10.000 Haushalte mit dem gewonnenen Windstrom.

Marktführer der japanischen Windkraftindustrie ist zu diesem Zeipunkt die ursprünglich 1920 gegründete Firma Ebara Corp., Tokio, eines der führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Umwelttechnik, das im März 2003 ein joint venture mit der im Jahr 2000 gegründeten Pfleiderer Wind Energy GmbH (PWE) in Neumarkt eingeht, einer Tochtergesellschaft der Pfleiderer AG. Dabei geht es um die gemeinsame Vermarktung der Windturbinen ,PWE 600’ und ,PWE 1.500’ in Japan und den benachbarten Ländern Asiens. Die neue Joint-Venture-Gesellschaft Ebara-Pfleiderer Wind Power Corp. mit Sitz in Tokio beginnt im gleichen Jahr damit, die ersten Pfleiderer-Windenergieanlagen in Japan zu installieren.

Hibikinada-Windfarm

Hibikinada-Windfarm

Die Produktion der bisher aus Europa importierten Windturbinen soll künftig sukzessive vor Ort erfolgen – nach Plänen der Pfleiderer Wind Energy und mit höchsten Qualitätskriterien, die den Anforderungen des Germanischen Lloyd entsprechen. Wesentlichen Einfluß auf die Entscheidung der Ebara-Führung für eine langfristige Kooperation mit PWE hat dabei die Tatsache, daß für deren Anlagen aufgrund einer lückenlosen technischen Dokumentation (Spezifikationen, Montageanleitungen, Qualitätskontrolle usw.) eine 100-%ige Lizenzierung möglich ist.

Ebara’s Windsparte, mit rund 25 % Marktanteil Branchenführer in Japan, beliefert als Hauptkunde die Eco-Power Corp., die mit rund 20 % Marktanteil Japans größter Windparkbetreiber sind.

Zur Förderung erneuerbarer Energien führt die Regierung in Tokio im April 2003 den Renewables Portfolio Standard (RPS) ein. Dadurch soll ein wachsender Anteil am Energiebedarf des Landes künftig u.a. durch Windenergie gedeckt werden. In Anbetracht der enormen Windpotentiale auf dem Meer will Japan in absehbarer Zeit auch Offshore-Windenergieanlagen installieren.

Im Mai 2005 legt die Regierung einen Plan vor, dem zufolge durch den Ausbau der Windenergie bis 2011 eine Leistung von 3.000 MW erreichen soll. Derzeit werden in Japen 1.070 MW erwirtschaftet und der Staat fördert die Windenergie jährlich mit 10 Mrd. Yen (~ 85 Mio. $).

Im Fiskaljahr 2005, das im März 2006 endet, sind in Japan genau 1.050 Windturbinen installiert, von denen 262 von inländischen Herstellern wie Mitsubishi Heavy Industries, Fuji Heavy Industries und Ebara, und 788 von ausländischen und stammten. Mit den meisten Anlagen – über 100 Stück – ist Eco Power, ein Tochterunternehmen der Ebara Corp., vertreten. Von Vestas aus Dänemark stammen 23 % der in Japan installierten Anlagen, von GE Energy, einer Abteilung des US-Konzerns General Electric 21 %, und 12 % kommen von der deutschen Enercon GmbH.

Die gesamte Erzeugungskapazität für Windstrom erreicht in Japan Ende 2005 allerdings gerade einmal 1.049 MW.

Die größte japanische Windfarm mit 57 MW Kapazität wird 2005 in Hokkaido in Betrieb genommen – von Japans größtem Windstromanbieter, der in Tokio beheimateten Eurus Energy Holdings Corp., die zu 60 % der Firma Tokyo Electric, Asiens größtem Energieproduzenten, und zu 40 % der Handelfirma Tomen Corp. gehört. Eurus betreibt in Japan bereits 10 Windfarmen mit einem Gesamtoutput von 240 MW, außerdem engagiert man sich in Windprojekten in Deutschland und in den USA. Das Unternehmen erwägt im August 2006 die Möglichkeit, im Norden des Landes eine eigene Produktion von Windenergie-Anlagen aufzuziehen.

Zur Steigerung der Versorgungssicherheit verlangt die Tohoku Electric Power Co. im März 2006 von neuen Windkraft-Besitzern die Installation von Batteriespeichern.

Im Februar 2007 schließt die Repower Systems AG einen Vertrag zur Lieferung von 10 Windenergieanlagen des Typs ‚MM82’ in die japanische Präfektur Hyogo auf der Insel Honshu ab, mit denen ein eigener Windpark errichtet werden soll. Die ‚MM82’ Anlagen sind 80 m hoch und haben einen Rotordurchmesser von 82 m. Die Maschinenhäuser werden in Deutschland gefertigt, während die Türme von Repowers japanischem Vertriebspartner Meidensha Corporation (Meiden) in Korea gefertigt und ebenfalls auf dem Seeweg nach Japan transportiert werden.

Projektentwickler ist das Unternehmen Kanden Energy Development, Endkunde die Kajima Corp., eines der weltweit größten Bauunternehmen mit Sitz in Tokio. Baubeginn ist Ende 2007, die Fertigstellung ist für das erste Halbjahr 2008 geplant. Gemeinsam mit Meiden sind bereits 43 Anlagen in Japan aufgestellt, die zusammen eine Gesamtleistung von 65,5 MW besitzen.

Einer Zählung im März 2007 zufolge gibt es Landesweit bereits 249 Windfarmen unterschiedlicher Größe, die meisten davon auf Hokkaido. Bislang werden jährlich nicht viel mehr als 100 MW neu installiert, und Hersteller wie Bonus, REpower oder DeWind haben entsprechende Joint-ventures abgeschlossen, da sie Japan als einen der wichtigsten zukünftigen Märkte Asiens betrachten. Motor der Entwicklung soll die Verpflichtung der Energieversorger spielen, ihren Anteil des Stroms aus regenerativen Energiequellen bis 2010 von derzeit 0,3 Prozent auf 1,3 Prozent zu erhöhen.

Tatsächlich ist Wind im Energieportfolio Japans bislang kaum von Bedeutung, wie aus einer Analyse der Bundesagentur für Außenwirtschaft im Mai 2007 hervorgeht: Sowohl die Nutzung als auch die eigene Herstellung von Windkraftanlagen sind unterentwickelt. Noch immer dominieren ausländische Lieferanten den Windenergiebereich Nippons. Gemäß einer Studie der Tokyo Electric Power und der Universität Tokio könnte Japan allerdings mehr als 10 % seines Energieverbrauchs durch Windkraft decken.

Die New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) will daher bis 2020 will eine Windkraftkapazität von 10.000 MW und bis 2030 von 20.000 MW erreichen. Dabei soll insbesondere der Anteil der Offshore-Anlagen schnell ausgebaut werden. Als Alternative wird der Bau von großen Windkraftanlagen im Meer vorgeschlagen. Gedacht wird dabei an riesige, schwimmende Plattformen mit bis zu 12.000 installierten Turbinen, die jeweils 2.400 kW produzieren. Solche Anlagen könnten auch in Nähe der großen Verbrauchszentren entstehen und würden das Problem langer Transportwege mindern. Die Möglichkeiten ihrer Umsetzung werden von der Universität Tokio ind der Tokyo Electric Power Co. untersucht.

Aufgrund der meteorologischen Bedingungen befinden sich die meisten der bereits existierenden Winderzeugungsanlagen im nördlichen Teil der Hauptinsel Honshu, auf Hokkaido oder auf den ganz im Süden gelegenen Inseln Okinawa und Kyushu – alles weit entfernt von den Hauptverbrauchsgebieten.

Das Problem, daß die Windkraft-Stromerzeugung recht unbeständig ist, wollen die Firmen Japan Wind Development und der Batterie-Hersteller NGK Insulators lösen: Von 2008 an soll eine Versuchsanlage zur Stromerzeugung und -speicherung in Rokkasho, Präfektur Aomori, in Betrieb gehen.

2007 ist nur Mitsubishi Heavy ein ernsthafter Mitspieler auf dem Windturbinen-Markt und bietet Aggregate bis 3 MW an. Dabei konzentriert man sich bislang hauptsächlich auf den US-Markt. Mit einer neuen und leistungsfähigeren Turbine von 5 MW will das Unternehmen ab 2010 auch auf dem europäischen Markt aktiv werden. Gleichzeitig will man die Produktionskapazität von derzeit unter 700 MW auf über 2.000 MW steigern.

Im Oktober 2007 stellt die Mecaro Co. Ltd. auf der japanischen Leitmesse für erneuerbare Energien eine Windkraftanlage ohne konventionelle Rotorblätter vor. Die von Nobuhiro Murakami entwickelte ‚Spiral Magnus’-Windturbine besitzt statt dessen fünf rotierende und mit spiralförmigen Lamellen versehene Röhren. Ich stelle das System auch in dem Kapitel Neue Designs und Rotorformen vor.

Im November 2007 schließt Enercon den Wiederaufbau des Windparks auf der Insel Miyako vor Okinawa ab, in dem im September 2003 durch den Jahrhundert-Taifun Maemi und seine Windgeschwindigkeit von über 250 km/h fünf Windturbinen völlig zerstört worden waren (auch in den Jahren 2004 und 2007 werden in Japan diverse Windenergieanlagen durch Stürme beschädigt). Im Einsatz sind nun ,E-44’ Turbinen des deutschen Herstellers, die ihren Strom von insgesamt 4 MW an den regionalen Versorger Okinawa Electrical Power Company (OEPC) liefern.

Die bereits 1998 unter dem Namen Mecaro Akita gegründete Firma für Produktionsmaschinen residiert in Katagami-city, Akita, einer windreichen Küstenregion. Im Laufe einer vierjährigen Zusammenarbeit mit der Regierung, der Industrie und universitären Forschungsinstituten gelingt es, den Magnus-Effekt, der uns auch beim Flettner-Rotor begegnet (s.d.), bei einer ‚Windmühle’ umzusetzen.

Die Drehung des Rotorkopfes erfolgt hierbei durch die Querkräfte, die von den im Wind rotierenden Zylindern abgegeben werden. Sie sollen etwa dem Vierfachen dessen entsprechen, was vergleichbare konventionale Rotorblätter zu leisten imstande sind. Außerdem kann ein ‚Spiral Magnus’ bei jeder Windstärke betrieben werden. Weitere Vorteile seien eine reduzierte Geräuschentwicklung und eine robuste, für Schäden unanfällige Struktur.

Hilfreich sind Versuche mit einem 10 m durchmessenden Prototyp, die Anfang 2007 im großen Windkanal der NASA (Ames Research Center) durchgeführt werden. Das System wird bis zu Windgeschwindigkeiten von 25 m/s optimiert – die Stabilität sogar bis 50 m/s nachgewiesen.

Nach dem Produktionsstart im April 2007 und der Umbenennung in Mecaro Co. Ltd. im Juli 2007 wird das System erstmals öffentlich angeboten. Im September 2007 wird ein 12 kW Modell mit einem 11,5 m durchmessenden Rotor und 12,5 m Nabenhöhe in der Ortschaft Ogata, Präfektur Akita, errichtet.

Spiral Magnus

Spiral Magnus

Einen Schritt zurück geht es im Juni 2007 mit Inkrafttreten der neuen Bauordnung des Landes, derzufolge Windenergieanlagen oberhalb von 60 m Höhe als Gebäude betrachtet werden – was zu einer kosten- und zeitaufwendigen Genehmigungsprozedur führt. Das Gesetz paralysiert den Markt ein ganzes Jahr lang, bis im Juli 2008 das erste Projekt entsprechend der neuen Regelung genehmigt wird.

Im Norden von Tokio gibt es einen Windpark, der bereits 35.000 Haushalte versorgt, was für Japan natürlich keine bedeutsame Menge darstellt. Die Nunobiki Plateau Wind Farm liegt nur wenige Stunden Fahrzeit von der Hauptstadt entfernt und blickt malerisch auf einen Bergsee herab.

Diese Windfarm gilt als derzeit größte Japans – und ihre 33 Stück Enercon ,E-70’ Turbinen erreichen eine Gesamtleistung von knapp 69 MW.

Anfang 2008 bildet sie allerdings nicht mehr als den Aufhänger für eine zunehmende Zahl von Artikel, die sich mit dem Möglichkeiten von Offshore-Anlagen beschäftigen. Es ist eigentlich unverständlich, daß sich Japan nicht schon längst intensiv mit diesem lukrativen Zukunftsmarkt beschäftigt. Immerhin existiert schon seit 2003 eine erste kleine Offshore-Farm mit zwei 600 kW Turbinen rund 1 km vor der Stadt Hokkaido, die etwa 1.000 Haushalte versorgt. Probleme gibt es dort allerdings mit der Wartung, da der Wellengang machmal so hoch ist, daß man die Anlagen per Boot nicht mehr erreichen kann.

Es sieht im Moment so aus, als würde die japanische Industrie erst um 2012 den Schritt in Richtung Offshore-Anlagen gehen. Fuji Heavy Industries will allerdings schon ab 2008 eine Windkraft-Turbine mit 2 MW Leistung anbieten, die auch unter extremen meteorologischen und geographischen Bedingungen robust und effizient einsetzbar ist. Das Unternehmen hofft, dadurch das Marktpotenzial in den taifungeplagten Regionen nutzen zu können.

Weitere größere Windfarmen in Japan sind die Aoyama plateau Wind Farm mit 32 Stück 700 kW Turbinen, sowie die Seto Wind Farm mit 11 Stück ,MWT-1000’ Windkraftwerken von Mitsubishi mit einer Leistung von jeweils 1 MW.

Seto-Windpark

Seto-Windpark

Die japanische Windleistung beträgt Ende 2007 genau 1.538 MW (1.309 MW in 2006). Das Land besitzt 50 Inseln mit eigenen Netzen, die je nach Größe Leistungen zwischen 100 kW und 60 MW bereitzustellen haben. Nur 16 dieser Inseln machen begrenzten Gebrauch von der Windenergie.

Als einzige Hersteller treten die folgenden vier Unternehmen auf: Mitsubishi Heavy Industry (MHI, größte Anlage: 2,4 MW), Fuji Heavy Industry (2 MW), Japan Steel Works (JSW) (2 MW), und Komai Tekko (300 kW). 21 Stück von Mitsubishis 2,4 MW Turbinen stehen beispielsweise in Japans drittgrößten Windpark, der Nagashima Wind Hill Windfarm.

Mitte 2008 meldet die japanische Presse, daß unter der Leitung der NEDO ab dem kommenden Jahr eine dreijährige Studie in Bezug auf Offshore-Kraftwerke durchgeführt werden soll. Ende 2008 liegt die Windkapazität Japans bei 1.880 MW.

Jordanien


Neben ihren diversen Sonnenenergie-Experimenten untersucht die jordanische Royal Scientific Society (RSS) auch das lokale Windaufkommen auf seine mögliche Ausnutzung. 1982 startete ein 200.000 $-Projekt zur Wasserversorgung entlegener Kommunen mit windbetriebenen Pumpanlagen.

Eine lokale Kooperation zwischen der RSS, einem irakischen Erfinder und unserem syrischen Ingenieurbüro zur Optimierung eines neuartigen Rotorblattes (Schlitzblattrotor) Mitte der 1980er wird von der deutschen GTZ nicht unterstützt, obwohl das Blatt sowohl ein syrisches wie auch ein Europa-Patent vorweisen kann. Statt dessen wird der Export einer MAN-Windturbine nach Jordanien bevorzugt (!) – und eine phantastische Möglichkeit zur Unterstützung einer regionalen Initiative vergeben.  

1987 wird in Jurf El-Darawish ein Hybrid-Energie-System installiert, um das abgelegene Dorf im Süden Jordaniens mit Stom zu versorgen. Neben zwei Windenergieanlagen mit jeweils 20 kW wird auch eine 10 kW PV-Anlage, ein Batteriespeicher mit 330 kW/h sowie ein Reserve-Dieselgenerator mit 65 kW installiert.

1988 erstellen verschiedene staatliche Stellen Jordaniens mit Unterstützung des RISO National Laboratory in Dänemark einen Windatlas für das Land. Diesem zufolge besteht im Norden und im Süden ein Windleistungspotential von jeweils 25 MW... was mir äußerst gering erscheint, da ich die starken Winde selbst gut kenne. Ebenfalls mit dänischer Kooperation errichtet man im selben Jahr im Norden des Landes als Pilotprojekt eine 320 kW Windfarm in Al-Ibrahimyya, die aus vier stall-geregelten Windturbinen von jeweils 80 kW besteht.

Eine Windfarm mit 1.235 kW Leistung wird 1996 mit Hilfe der deutschen Regierung (ELDORADO–Programm) in Hofa, ebenfalls im Norden des Landes, errichtet. Hier stehen fünf pitch-geregelte Windenergieanlagen von jeweils 225 kW.

In einer Studie von 1997 werden in Jordanien 11 Standorte für Windparks ausgewiesen – insbesondere in Verbindung mit der Meerwasserentsalzung, für die der Windstrom eingesetzt werden soll. Dazu gehören Ras Muneef, Mafraq und die Hafenstadt Aqaba.

Außerdem sind in Jordanien mehr als 20 lokal gefertigte mechanische Windpumpen im Einsatz.

Sehr aktuell ist eine im April 2009 veröffentlichte Ausschreibung des Energieministeriums über drei Windfarmen, die bis Ende des Jahren an verschiedenen Standorten im Süden des Landes aufgestellt werden sollen: in Al Harir, Maan und Wadi Araba. Die Anlagen sollen zusammen zwischen 300 MW und 400 MW leisten. Das Land plant, bis 2015 sogar 600 MW Windstrom zu erwirtschaften.

In Planung befinden sich zu diesem Zeitpunkt bereits die erste jordanische Windfarm in Kamsheh nahe der antiken Stadt Jerash (Gerasa), die 30 MW – 40 MW produzieren und 2010 ans Netz gehen soll, sowie eine 80 MW – 90 WM Farm in Fujeij nahe Petra, die bis 2011 fertig sein soll.

Kanada


Ab ca. 1920 werden in Kanada Klein-WEA für entlegene Farmen errichtet. Es handelt sich um Dreiblattrotoren mit 4 m Durchmessser und bis zu 3 kW Leistung. Bekannte Marken sind Wincharger und Jacobs.

1975 gibt das Unternehmen Canadian National Aeronautical Est. (NAE) die Ausschreibung für einen Darrieus-Rotor von 1 kW bekannt, die anschließend von der Dominion Aluminium Ltd. gewonnen wird. Die Testanlage hat eine Höhe von 4,5 m. Als nächstes folgt ein 200 kW-Projekt, und im Oktober 1978 wird auf den Kanadischen Isles de la Madeleine im Golf des St. Lorenz-Stromes im Auftrag des Regierungsunternehmens Hydro Quebec mit dem Bau einer Darrieus-Anlage mit 24 m an ihrer breitesten Stelle begonnen, die bis zu 200 kW Strom erzeugen soll. Das ‚Canadian Departement for Energy, Mines and Ressources’ errechnet zu dieser Zeit, daß bis zum Jahr 2000 ein Entwicklungspotential von 6.000 MW möglich sei, bis 2020 sogar von 17.000 MW.

Ab 1984 wird eine noch größere Darrieus-Anlage gebaut. Die zwei gebogenen Rotorblätter der ‚Éole’ haben an der breitesten Stelle einen Durchmesser von 64 m und erreichen eine Gesamthöhe von 96 m, die Anlage soll 4 MW Leitung erbringen. Die NAE hat außerdem Pläne für eine 300 m hohe 20 MW Anlage.

Die ‚Éole’ – Teil des Le Nordais-Windparks – wird 1992 nach einem schweren Sturmschaden abgestellt und wird inzwischen als touristische Attraktion genutzt, die Besucher können sogar den Schaft betreten.

Darrieus-Rotor

Darrieus-Rotor

Erst 2002 wird mit dem Huron-Park der erste WEA-Park in Ontario in Betrieb genommen, obwohl es dort schon immer gute Windverhältnisse gibt.

In Kanada werden 2005 rund 240 MW an neuen Windkapazitäten installiert, für 2006 wird eine knappe Verdreifachung erwartet – und in den Folgejahren soll sogar exponentiell weiter ausgebaut werden. Ende 2006 sind 1.218 MW am Netz, wobei die Canadian Wind Energy Association (CanWEA) schätzt, daß die Errichtung der über 700 MW an Windkraftanlagen im Jahr 2006 gut 1 Mrd. kanadische Dollar (ca. 0,7 Mrd. €) gekostet hat. Die Technik wird fast ausschließlich importiert, insbesondere aus Deutschland.

Führend sind bislang die Provinzen Alberta (354 MW installierte Kapazität im Oktober 2006), gefolgt von Ontario (320 MW), Québec (212 MW), Saskatchewan (171 MW) und Manitoba (104 MW).

Die ehrgeizigsten Ausbaupläne hat Québec mit seinem Windkraft-Potential von 55.000 MW. Bis 2015 sollen annähernd 4.000 MW an zusätzlichen Anlagen installiert werden, was einer Investition von etwa 7,5 Mrd. Kanadische $ entspricht.

2005 wird in Laval, Québec, die Firma TESNIC Inc. gegründet, die einen Senkrechtachser entwickelt und patentiert, der teilweise auf der bekannten Tesla-Turbine (s.d.) beruht – bzw. auf deren zugrunde liegenden Prinzipien. Über 200 übereinander geschichtete Scheiben mit rund 2 mm breiten Spalten werden von spiralig angeordneten Rotorblättern umgeben, die den Wind auf die Oberflächen der Scheiben leiten. Um diese rotierende Struktur herum befinden sich statische Leitbleche, die den Wind unabhängig von seiner Herkunftsrichtung einfangen und gleichzeitig die vom Rotor verursachten Turbulenzen ausgleichen sollen.

Die Nutzung der Bewegungsenergie der Luftpartikel erfolgt bei diesem System nicht mehr ausschließlich über die sonst überlicherweise genutzten Brems- oder Auftriebskräfte – sondern auch noch über die Adhäsion. Dadurch erreichen die TESNIC-Turbinen einen sehr hohen Wirkungsgrad – laut Hersteller sogar den höchsten jemals im Windenergiebereich erzielten. Außerdem wiegt eine 3,6 kW Anlage weniger als 150 kg.

Nach erfolgreichen Simulationen im Mai 2007 und Windkanalversuchen im September wird der TESNIC-Senkrechtachser im November auf dem World Energy Congress in Rom gezeigt. Ein Jahr später, im November 2008, wird das Sytem als eines der Top 100 Clean Energy Technologies während des Environmental Hall of Fame events in Chicago geehrt.

Angeboten werden sollen Modelle zwischen 750 W (Modell ,T750’, 0,9 x 0,9 m, 50 kg) und 10 kW (Modell ,T10K’, 10 kW, 3,3 m x 3,3m, 350 kg).

Im August 2008 schließt das Unternehmen SkyPower mit den Gemeinden Beardys und Okemasis eine Vereinbarung zur Errichtung einer 100 MW Windfarm in Big Quill nahe Wynyard, Saskatchewan, ab. Die Farm soll mehr als 30.000 Haushalte versorgen, 2010 soll mit ihrem Bau begonnen werden.

Eine ähnlich dimensionierte Vereinbarung wird im Oktober 2008 zwischen der AAER Inc.und der Mont Louis Wind L.P. abgeschlossen. 61 Stück der neuen 1,65 MW Turbinen von AAER sollen im dritten Quartal 2010 geliefert und im Saint-Maxime-du-Mont-Louis-Windpark in Québec aufgestellt werden. Das Projekt hat einen Kostenrahmen von 142 Mio. Kanadischen Dollar (~ 115,5 Mio. US-$).

Im November 2008 meldet EarthFirst Canada Inc., daß man im Rahmen des firmeneigenen Dokie Windenergie-Projekts mit seinen 144 MW in British Columbia nun auch eine Vestas ,V90’ Windtrurbine mit einer Leistung von 3 MW aufgestellt habe. Bis Ende 2008 sollen noch 6 gleichartige Anlagen folgen, die ihren Strom ab Anfang 2009 abgeben werden, 2009 werden dann weitere 41 Turbinen installiert.

Ebenfalls im November 2008 eröffnet Canadian Hydro den bislang größten Windpark Kanadas, das Melancthon EcoPower Centre, das sich seit 2005 im Aufbau befindet. Im Nordwesten von Toronto und in der Nähe von Shelburne, Ontario, gelegen, leistet diese Windfarm 199,5 MW, die im Rahmen eines 20-Jahres-Vertrages an die Ontario Power Authority geliefert werden.

Malancthon-Windfarm

Malancthon-Windfarm

Zeitgleich bietet die Finavera Renewables Inc. an, vier Standorte in der Peace region im Nordosten von British Columbia zu Windparks mit einer Gesamtleistung von 295 MW auszubauen. Finanziele Unterstützung leistet dabei die Firma GE Energy Financial Services, mit bereits ein memorandum of understanding unterzeichnet worden ist. Für die Projektentwicklung in Bullmoose (60 MW), Meikle (bis 118 MW in zwei Phasen), Wildmare (72 MW) und Tumbler Ridge (45 MW) wird ein Kapitalbedarf von 800 Mio. US-$ angesetzt.

Laut der Canadian Wind Energy Association (CanWEA) steht Kanada Ende 2008 auf Rang 12 der internationalen Liste installierter Windenergie-Leistung – mit 2.000 MW. Unter den Provenzen führt Ontario mit 781 MW, gefolgt von Quebec (531 MW), Alberta (524 MW), Saskatchewan (171 MW), Manitoba (103 MW), der Prince Edward Insel (72 MW) und Neu Schottland (61 MW).

Im Dezember 2008 schließt die Finavera Renewables Inc. einen Vertrag mit der Ghost Pine Wind Farm LP ab, bei dem es um den Verkauf einer 75 MW WindFarm im Wert von 4,69 Mio. US-$ geht. Das Projekt war 2007 errichtet worden, parallel zu einer weiteren 75 MW Farm in Lone Pine.

Korea


Über die Situation der Windenergie in Korea ist nicht viel herauszufinden. Interessant ist allerdings ein 2006 in Korea patentiertes System des Erfinders Deok-Ho Shin, bei dem es sich um einen turmförmigen Induktions-Windgenerator handelt, der nach 7-jähriger Entwicklungszeit einige staatliche Preise erringt und ab 2008 auch auf dem Markt angeboten wird.


Earth Love

Kern des ‚Earth Love’ Windenergie-Systems des Shinyeon Energy Research Center of Korea ist ein magnetisch gelagerter und 30 t schwerer Schwungpropeller mit einer Umfangsgeschwindigkeit von 350 km/h, der dafür sorgt, daß ständig neue Luft angesaugt und durch Venturi-Düsen gepreßt wird, wodurch ein Vakuum erzeugt wird, das wiederum neue Luft ansaugt und schlußendlich mehr als 1 MW Strom erzeugt – wenn ich das Ganze halbwegs verstanden habe.

Im September 2008 meldet die Fachpresse, daß die Firma Hyundai Heavy Industries (HHI) in Gunsan, Provinz Nord-Jeolla, für umgerechnet 880 Mio. $ eine Fabrik zur Herstellung von Windenergieanlagen aufziehen will. Ab dem Februar 2010 will man dort pro Jahr Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 400 MW herstellen.

Das Unternehmen hat bereits 242,8 Mio. $ in die Errichtung der ersten koreanischen PV-Zellen Produktionslinie in Eumseong, rund 100 km südlich von Seoul, investiert – weitere 214,3 Mio. $ sollen bis 2010 in eine zweite Linie fließen.

Die Firma Doosan Heavy gibt im Dezember 2008 bekannt, daß man erfolgreich die Entwicklung einer 3 MW Windenergie-Anlage beendet habe, die sich besonders für den Offshore-Bereich eignen soll. Die ,WinDS 3000’ besitzt einem 80 m hohen Turm und drei Rotorblätter, deren Kranz einen Durchmesser von 92 m aufweist. Außerdem hat die Turbine ein Leichtbau-Getriebe, einen Permanentmagnet-Generator und einen internen 20 t Kran für Wartungszwecke. Die ersten Tests sollen noch in diesem Monat beginnen, während eine erste Versuchsanlage im Juli 2009 bei Gimnyeong, in Jeju-do, aufgestellt werden soll – allerdings noch Onshore.

Libanon


Die Entwicklung der Windenergie im Libanon entspricht weitgehend der (traurigen) Situation im gesamten Nahen Osten, wo die Regierungen völlig desinteressiert sind – und die Bevölkerungen weitestgehend uninformiert gehalten werden.

2002 wird endlich damit begonnen, Winddaten zu sammeln. Durchgeführt wird die Erhebung vor dem neu gegründeten internationalen Beratungsunternehmen Global Wind Energy mit Hauptsitz in Paris. Hierfür werden an 7 verschiedenen Stellen des Landes Masten mit Meßsystemen aufgestellt.

4 kW-Darrieus von UGE

UGE 4 kW-Darrieus

Bei meinen Recherchen habe ich ansonsten nur eine vergleichende Analyse zwischen Solar- und Windstrom im Libanon gefunden, die seitens A. El-Ali und N. Moubayed von der Universität Tripoli während einer Energiekonferenz im Oktober 2007 in Barcelona präsentiert wird. Als Grundlage nutzten die Autoren die 2006 gewonnenen Daten aus dem Betrieb eines nachgeführten 50 W Solarpaneels sowie eines 400 W Windladers mit Batteriespeicher.

Die Schlußfolgerung des Berichts lautet: „We noted that the wind machine’s efficiency is 2.2 times (more) than that of a solar panel and its price is 3 times less expensive than that of the solar panels.“

Immerhin gibt es 2008 schon eine libanesische Windfirma namens Wind Energy SAL, die innerhalb des Landes wie auch in den arabischen Nachbarstaaten neue und extrem leise laufende Senkrechtachser anbieten will, angefangen von dem ,UGE 1 kW’ (1 kW, Maße 2,2 m x 1,35 m, Gewicht 130 kg, bei Dachmontage 230 kg) bis zu dem ,UGE 4 kW’ (4 kW, Maße 3,5 m x 2,0 m, Gewicht auf 5,5 m-Turm 190 kg). Außerdem wird ein Standard 3-Blatt-Rotor mit 5 kW Leistung angeboten.

Für den kommerziellen Betrieb hat das Unternehmen auch WEAs mit 750 kW, 1 MW und 2 MW im Angebot, von denen ich jedoch nicht annehme, daß sie im Libanon selbst produziert werden.

Weitere Unternehmen, die im Libanon – vermutlich primär als Importeure – aktiv sind, sind die Firmen Altaka-albadila, eine Abteilung der DPC/Lebenaon SARL, sowie die SETRI SARL – beide mit Hauptsitz in Beirut.

 

Weiter...