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Elektro- und Solarfluggeräte

2021 (A)


Thematisch sind die Informationen dieses Jahres wie folgt geordnet:

Anschläge und Abwehrmaßnahmen

Zwischenfälle

Neue Einsatzbereiche

Technologische Entwicklungen

Transport- und Lieferdrohnen

Personentragende Fluggeräte

 


Anschläge und Abwehrmaßnahmen

Auch in diesem Jahr sind diverse Drohnenangriffe in verschiedenen Kampfgebieten zu verzeichnen, wobei auffällt, daß es sich dabei fast ausschließlich um den Nahen Osten handelt.


Im April wirft eine Drohne Sprengstoff auf das irakische Hauptquartier der US-geführten Koalition im militärischen Teil des internationalen Flughafens in Erbil im kurdisch geführten Nordirak ab, auf dem sich neben US-Truppen auch Soldaten der Bundeswehr befinden. Dabei wird ein Gebäude beschädigt. Nur einen Monat später trifft eine mit Sprengstoff beladene Drohne den Luftwaffenstützpunkt Ain Al-Asad, auf dem ebenfalls US-Truppen stationiert sind.

Im Juni  zielen drei mit Sprengstoff beladene Drohnen auf den Flughafen von Bagdad, auf dem auch US-Soldaten stationiert sind. Eine davon wird von der irakischen Armee abgefangen. Im gleichen Monat werden bei einem Drohnenangriff auf eine Verbindungsstraße zwischen Erbil und Pirmam mehrere Fahrzeuge beschädigt und drei Menschen verletzt. Außerdem soll dabei ein israelischer Mossad-Agent namens Elak Ron getötet worden sein. Dem Kurdistan Regional Security Council zufolge habe die Hisbollah-Miliz die Drohne gesteuert.

Abgeschossene Drohne in Bagdad

Abgeschossene
Drohne in Bagdad

Anfang Juli wird ein mit Sprengstoff beladener Kamikaze-Quadrokopter von der US-C-RAM-Basis Union 3 aus dem Himmel geschossen, als er sich der US-Botschaft in der befestigten Grünen Zone in Bagdad nähert. Der Presse zufolge ist dies der 47. Angriff auf amerikanische Streitkräfte im Irak in diesem Jahr, sechs davon mit Drohnen (s.o.). Da die Vereinigten Staaten über diese  Drohnenangriffe besorgt sind, bieten sie bis zu 3 Mio. $ für entsprechende Informationen an.

Für den Angriff werden die vom Iran unterstützten Gruppierungen verantwortlich gemacht, die die irakischen Volksmobilisierungseinheiten (PMU) bilden, weshalb die USA deren Stellungen angreifen.

Der Flughafen von Erbil wird im September erneut mit bewaffneten Drohnen angegriffen. Im Zuge der Berichterstattung wird bekannt, daß in den vergangenen Monaten dort mehrere solcher Angriffe gab, zu denen sich aber niemand bekannte.


Wesentlich signifikanter ist eine Meldung vom März 2021, derzufolge Ende des vergangenen Jahres in Libyen erstmals Schwärme aus autonomen Kamikazedrohnen eingesetzt worden sind. In dem aktuell veröffentlichten Expertenbericht für den UN-Sicherheitsausschuß wird vermutet, daß es Kamikazedrohnen vom Modell Kargu-2 des türkischen Herstellers STM waren, die ohne menschliche Steuerung Menschen angegriffen haben. Ob es dabei Verletzte oder Tote gab, ist nicht bekannt.

Die 7 kg schweren, 60 cm langen und 60 cm breiten Quadrokopter haben eine Reichweite von 5 km, eine Flugdauer von 30 Minuten und fliegen mit etwa 75 km/h. Sie können mit unterschiedlicher Munition ausgestattet werden, die dann beim Aufprall auf das Ziel detoniert. Darüber hinaus werden sie von einem KI-System gesteuert, das selbständig Ziele identifizieren, verfolgen und töten kann. Diese bestanden im vorliegenden Fall aus den sich zurückziehenden Truppen der libyschen Nationalarmee von Khalifa Haftar, die zuvor Tripoli belagert hatten und nun von Kargu- und anderen Kamikaze-Drohnen gejagt werden.


Mitte April schießen die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) in der Nähe des Dorfes Bineh westlich der Stadt Tell Rifaat, südlich des besetzten Afrin im Norden Aleppos, eine türkische Drohne vom Typ SERÇE-1 ab, die von dem türkischen Rüstungskonzern ASELSAN für das türkische Militär entwickelt worden war und eine Flugdauer von 30 Minuten mit einer Nutzlast von 1 kg und einer Reichweite von 3 – 5 km hat. Die mit einem optischen System ausgestattete Drohne war dabei, Stellungen der YPG in der Nähe von Tell Rifaat auszukundschaften.

Einen Tag nach diesem Vorfall wird eine zweite Drohne abgeschossen, während sie Flugblätter mit einer Warnung an die Bevölkerung abwirft.

Angriffsdrohne der PKK

Angriffsdrohne der PKK


Im Mai veröffentlichte die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) das Video von einem Drohnenangriff auf einen Posten des türkischen Militärs in der Provinz Dohuk in der Region Irakisch-Kurdistan.

Der Angriff, der Ende April stattfand, wurde mit einer kommerziell gekauften Hexacopter-Drohne durchgeführt, die drei HEAT (High-Explosive Anti-Tank)-Sprengköpfe aus RPG-7-Geschossen auf den türkischen Posten in der Nähe der Stadt Kani Masi abwirft.

Während des Angriffs sollen türkische Soldaten die Drohne der PKK mit Maschinengewehren beschossen haben. Es gelang ihnen jedoch nicht, einen Treffer zu erzielen. Andererseits haben auch die Sprengköpfe keine signifikanten Ziele getroffen.


Anfang Juni sind es wiederum palästinensische Kämpfer, die das Feuer auf einen israelischen Drohnenschwarm über Gaza eröffnen und einige der Fluggeräte abzuschießen. Die vom israelischen Militär gestarteten kleinen Quadrokopter-Drohnen, die für Aufklärungs-, Nachrichten- und Kampfeinsätze eingesetzt werden, hatten sowohl Militärposten als auch zivile Häuser und Gebäude überflogen.

Gemäß den Meldungen soll Israel bei den jüngsten Angriffen auf die Hamas und den Islamischen Dschihad erstmals KI-gesteuerte Drohnenschwärme eingesetzt haben. Mit diesen wurden von einer neuen Seek-and-Destroy (S&D)-Einheit Stellungen auch innerhalb von Gebäuden identifiziert, die dann mit Bodenraketen, Mörsern und Kampfdrohnen angegriffen wurden.

Umgekehrt schießt die israelische Armee im August zwei Drohnen der Hisbollah und der Hamas ab. Die erste wird in der nördlichen Region abgeschossen, im östlichen Teil der Blauen Linie, die die von Israel gehaltenen Gebiete vom libanesischen Territorium trennt, während die zweite Drohne in der südlichen Region, in der Nähe des Gazastreifens, vom Himmel geholt wird.

Dem veröffentlichten Foto zufolge handelt es sich bei einer der Drohnen um eine handelsübliche DJI Matrice 600 PRO, wie sie schon 2018 vom israelischen Militär eingesetzt worden war, um palästinensische Demonstranten im Gazastreifen mit Tränengasgranaten zu beschießen (s.d.).


Als Ende Juli vor der Küste des Oman ein Angriff auf den Öltanker M/T Mercer Street erfolgt, bei dem zwei Mitglieder der Crew getötet werden, darunter der rumänische Kapitän, geht die US-Regierung davon aus, daß dieser Angriff durch den Iran mittels mehrerer unbemannter, „explodierender Drohnen“ durchgeführt wurde. Belegte dafür werden allerdings nicht vorgelegt.


Mitte August ist eine Skylark 2 Drohne des israelischen Militärs, die auf syrischem Gebiet in der Gegend von Al-Quneitra abstürzt, nachdem sie etwa 10 km in den syrischen Luftraum eingedrungen war. Der Verlust wird mit einer technischen Fehlfunktion erklärt.

Die mit einem elektro-optischen Überwachungssystem ausgestatteten taktischen Aufklärungsdrohnen werden von Silver Arrow, einer Tochtergesellschaft von Elbit Systems, hergestellt, haben eine Reichweite von etwa 50 km (andere Quellen: 100 km) und eine Ausdauer von etwa 6 Stunden. Neben einem CCD-Sensor für die Tageslichtfotografie und einem Infrarotsensor für die Nachtfotografie sowie den Sensoren, um den Flug autonom durchführen, sind die Drohnen mit einem Lasermarkierer ausgestattet, der zur Zielmarkierung von lasergesteuerten Waffen verwendet werden kann.

Abgeschossene israelische Drohne

Abgeschossene
israelische Drohne


Eine bislang noch nie gesehene israelische Drohne wird wiederum Ende September von der Hisbollah über dem Maryamen-Tal in der Nähe der Stadt Yater im Südlibanon abgeschossen. Auf den veröffentlichten Fotos ist erkennbar, daß die Drohne aus handelsüblichen Teilen zusammengesetzt ist und kurze, steuerbare Festflügel besitzt. Sie wird von fünf Elektromotoren angetrieben, von denen vier nach unten gerichtet sind, während ein größerer als Hauptantrieb nach hinten gerichtet ist.

Die Hauptnutzlasten der Drohne sind eine spiegellose Digitalkamera vom Typ Sony Alpha, die auf einem stabilisierten Kardanrahmen unter dem Hauptkörper angebracht ist, sowie eine kleine vorwärts gerichtete Kamera. Das Fluggerät war offenbar speziell für eine bestimmte Mission konzipiert, und die schnelle Reaktion der Hisbollah scheint zu bestätigen, daß es über ein sensibles Gebiet flog.


Im Oktober erfolgt ein Drohnen-Angriff auf die illegale US-Militärbasis in Al-Tanf in Syrien, in unmittelbarer Grenznähe zu Jordanien und dem Irak, welche die strategische Straße von Bagdad nach Damaskus blockiert. Das Ziel soll ein Außenposten gewesen sein, und neben den fünf Selbstmorddrohnen werden auch Raketen eingesetzt, was einige schwere Sachschäden verursacht. Vorläufige Auswertungen der US-Regierung ergeben, daß vom Iran unterstützte irakische Gruppen den koordinierten Luftangriff durchgeführt haben.

Mitte Dezember näheren sich zwei kleine Drohnen der Basis, von denen eine von einem Typhoon-Kampfjet der Royal Air Force (RAF) abgeschossen wird, während die andere Drohne umkehrt und das Gebiet verläßt.


Die Residenz der irakischen Ministerpräsidenten Mustafa al-Kadhemi in der Grünen Zone von Bagdad wird im November von einer mit einer Sprengladung versehenen Drohne angegriffen. Bei dem Vorfall werden sechs Personenschützer verletzt, auf den veröffentlichten Fotos sind eine herausgerissene Holztür, Trümmer und eine beschädigte Außentreppe zu sehen. Die weiteren Umstände des Angriffs bleiben unklar.


Ebenfalls im November erscheint in den USA ein Bericht des FBI, des Department of Homeland Security und des National Counterterrorism Center, demzufolge im vergangenen Jahr erstmals eine Drohne für einen Angriff auf das US-Energieversorgungsnetz eingesetzt wurde. Die Angreifer scheinen versucht zu haben, aus der Ferne ein Umspannwerk in Pennsylvania außer Betrieb zu setzen und damit möglicherweise eine Kettenreaktion auszulösen. Die modifizierte Verbraucherdrohne sei aber abgestürzt, ohne Schaden anzurichten.

Dem Bericht zufolge war die Drohne mit einem Schleppseil ausgestattet, an dem ein Stück Kupferdraht befestigt war. Wäre dieser mit einer Hochspannungsanlage in Berührung gekommen, hätte er einen Kurzschluß, Ausfälle und möglicherweise Brände verursachen können. Damit ähnelt das Gerät konzeptionell den von der US-Luftwaffe eingesetzten ‚Blackout-Bomben‘, die statt Sprengstoff massenweise leitende Fäden enthalten, die über elektrische Anlagen verstreut werden und diese ausschalten.


Im Jemen werden von den USA hingegen die größeren, brennstoffbetriebenen ScanEagle Drohnen der Firma Boeing eingesetzt, von denen alleine zwischen Juni und November 2021 sechs Exemplare durch die Luftabwehr der Houthis über Ma'rib abgeschossen werden.


Im Dezember werden ein Soldat der Donezker Volksrepublik (DVR) getötet und ein weiterer verwundet, als sie versuchen, einen von ukrainischen Soldaten mit einem Octocopter in der Nähe einer öffentlichen Bushaltestelle im Dorf der Mine Trudowskaja im Westen von Donezk abgeworfenen Sprengsatz zu beseitigten. Der nicht gezündete Sprengsatz wird von Anwohnern entdeckt, explodiert jedoch während der von den Soldaten der DVR-Volksmiliz durchgeführten Aufräumarbeiten.


Daß auch nicht politisch motivierte Kräfte auf explosive Drohnen zurückgreifen, berichtet Mexikos Verteidigungsminister Luis Sandoval im April 2021. Demnach würden die Drogenkartelle in Mexiko zunehmend häufiger Polizisten mit Sprengstoff-Drohnen angreifen. Unter anderem das mächtige Kartell Jalisco Nueva Generación habe die Drohnen bereits in mehreren Bundesstaaten eingesetzt.

Der jüngste Angriff erfolgte in diesem Monat Aguililla im westlichen Bundesstaat Michoacán, als die Polizei Straßen räumte, die von Bandenmitgliedern blockiert wurden. Dabei wurden zwei Polizisten am Arm und am Bein verletzt. Größeren Schaden haben die Drohnen bislang nicht angerichtet, da sie keine sehr großen Mengen Sprengstoff transportieren können.


Das zweite Thema dieser Übersicht ist der Drohneneinsatz zur Überwachung, zu dem es auch in diesem Jahr einige interessante Meldungen gibt.


So berichtet die Presse im Januar 2021, daß in Frankreich die Datenschutzbehörde CNIL nach mehrmonatigen Ermittlungen seit dem Mai vorigen Jahres zu dem Ergebnis gekommen sei, daß der Einsatz von Drohnen bei der Kontrolle der Lockdown-Bestimmungen im Vorjahr einen Rechtsverstoß des Innenministeriums dargestellt habe. Daß die von der Polizei eingesetzten Drohnen Bildmaterial produzierten, auf dem Personen leicht identifiziert werden konnten, bildet einen Verstoß gegen die Datenschutzvorgaben.

Außerdem kritisierte die Behörde, die Bevölkerung sei über die Nutzung der Drohnen zu keinem Zeitpunkt ordnungsgemäß aufgeklärt worden. Die Datenschützer sprechen gegenüber dem Innenministerium aber nur eine ‘Ermahnung’ aus. Und dies, obwohl der Einsatz von mit Kameras bestückten Drohnen durch die Polizei vom höchsten Verwaltungsgericht Frankreichs bereits vor einiger Zeit verboten wurde, da es dafür keine Rechtsgrundlage gebe.


Im Juli ist aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Andrej Hunko (Linke) zu erfahren, daßd as Bundeskriminalamt (BKA) für ein Projekt zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (im Neusprech: bandenmäßig strukturierte Tätergruppierungen) in Nordrhein-Westfalen eine Drohne beschafft habe, die über einen EU-Fonds für Innere Sicherheit finanziert wurde. Aus ermittlungstaktischen Gründen wird aber nicht gesagt, wann und zu welchem Anlaß das Gerät eingesetzt werde.

Ziel des Projekts mit dem Titel ‚Union‘, das 0,5 Mio. € kostet, sei es, den organisierten Leistungsbetrug durch Banden aus anderen EU-Staaten zu bekämpfen, die eigene Landsleute aus Südosteuropa – vor allem Bulgarien und Rumänien – nach Deutschland holen, um unberechtigt Sozialleistungen zu erhalten, wobei das Geld größtenteils von den Hintermännern einbehalten wird. Das Projekt hat nach Angaben der Bundesregierung bereits im Dezember 2019 begonnen und endet zum im Oktober dieses Jahres. Die Drohne verbleibt anschließend beim LKA in Nordrhein-Westfalen.


Auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion in Wiesbaden teilt das Innenministerium im September mit, daß die Polizei in Hessen im Jahr 2020 in 829 Fällen Drohnen eingesetzt habe, wobei die Fluggeräte über 500 Mal zur Gefahrenabwehr eingesetzt worden seien. Weitere Einsatzbereiche waren demnach die Strafverfolgung sowie die Tatort- und Unfalldokumentation.

Seit dem Jahr 2019 kommen bei der hessischen Polizei insgesamt 56 Drohnen verschiedener Hersteller mit einem Abfluggewicht zwischen ein und neun Kilogramm zum Einsatz, wobei alle hessischen Polizeipräsidien, das Bereitschaftspolizeipräsidium, das Polizeipräsidium für Technik sowie das Landeskriminalamt und die Polizeiakademie über dienstliche Drohnen verfügen. Die Anschaffungskosten der Drohnen inklusive Zubehör belaufen sich für die Jahre 2019 und 2020 auf rund 100.000 € pro Jahr.


Im Dezember wird bekannt, daß das amerikanische Unternehmen ShotSpotter, dessen Schußwaffen-Erkennungstechnologie bereits in über 120 Städten in den USA, Südafrika und der Karibik im Einsatz ist, mit der Firma Airobotics, einem israelischen Hersteller von autonomen unbemannten Luftfahrzeugen und Luftdatensystemen, eine exklusive Vereinbarung über den Verkauf und Einsatz der Technologie in Israel geschlossen hat, wobei diese erstmals mit Drohnen kombiniert wird. Über die Airobotics habe ich ausführlicher in der Übersicht 2016 berichtet (s.d.).

Im Zuge der Kooperation wird Airobotics eine integrierte Lösung zur Erkennung, Lokalisierung und Alarmierung der Polizei bei Schießereien anbieten und gleichzeitig Live-Videoaufnahmen und Standbilder des Tatorts aus Drohnen in israelischen Stadtgebieten liefern. Schüsse im Freien werden durch das ShotSpotter-Netzwerk akustischer Sensoren geortet und die genauen Koordinaten in Echtzeit an die Airobotics-Drohnen übermittelt, die sofort zum Tatort fliegen und den Einsatzkräften vor Ort visuelle Informationen liefern.

Jede Drohne ist in einer eigenen, überdachten Andockstation stationiert, in der ihre Batterien aufgeladen werden, wenn sie nicht fliegt. Alternativ zieht ein Roboterarm die vorhandene Batterie des Fluggeräts heraus und ersetzt sie durch eine voll aufgeladene, so daß die Drohne sofort wieder einsatzbereit ist. Es ist geplant, den Dienst in städtischen Gebieten in ganz Israel einzusetzen.


Als nächstes folgen die aktuellen Entwicklungen bei den Abwehrmaßnahmen gegen Drohnen.


Anfang März 2021 gibt die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) bekannt, daß im Laufe dieses Jahres fünf US-Flughäfen testweise Systeme installieren werden, die nicht autorisierte Flugdrohnen erkennen und, sofern notwendig, unschädlich machen sollen. Die Flughäfen stellen variantenreiche Testumgebungen dar, der größte ist der Seattle-Tacoma International Airport (SEA) in Seattle.

Die Flughäfen sollen bis 2023 mindestens zehn verschiedene Abwehrverfahren ausprobieren, darunter elektromagnetische Wellen, Laser, das Einfangen von Drohnen mit Netzen und ‚rohe Gewalt‘, was vermutlich das Abschießen mittels Schußwaffen bedeutet.


Das erst 2018 von Max Mednik u.a. gegründete US-Unternehmen Epirus Inc. aus Hawthorne im Los Angeles County, das bereits in seiner ersten Finanzierungsrunde Ende 2019 mit knapp 18 Mio. $ ausgestattet wird – und in den beiden Folgejahren weiteres Kapital bis zu einem Gesamtumfang von über 570 Mio. $ erhält, entwickelt und baut Mikrowellensysteme, Drohnen, sowie Elektronik und Software für den industriellen Einsatz.

Die Epirus stellt im Februar 2021 mit dem Modell Leonidas den funktionierenden Prototypen eines Verteidigungssystems gegen Drohnenschwärme vor, das Hochleistungsmikrowellen (HPM) nutzt, um die Drohnen-Elektronik auszuschalten. Dabei feuert das Multi-Target-Gegenelektroniksystem, das in einem kleinen faltbaren Anhänger untergebracht ist, Tausende Male pro Sekunde lenkbare EMP-Strahlen ab. Anderen Quellen zufolge beträgt die Feuerrate mehreren Schuß pro Sekunde.

Leonidas-Prototyp

Leonidas-Prototyp

Mit seinen präzisen digitalen Strahlformungsfähigkeiten kann Leonidas ein Ziel unter vielen auswählen und durch gerichtete Präzisionsschläge (Beamforming) ausschalten – oder im Breitstrahlmodus durch die Erzeugung von weitreichenden ‚Kraftfeldern‘ ein ganzes Gebiet auf einmal räumen. Das System ist damit das erste seiner Art, das softwaredefinierte HPM einsetzt, um elektronische Ziele zu deaktivieren. Die festkörperbasierte HPM-Erzeugung erlaubt zudem, das System innerhalb weniger Minuten ein- und auszuschalten, im Unterschied zu herkömmlichen HPM-Systemen mit Vakuumröhren, bei denen es Stunden dauern kann, bis eine ausreichende Leistung erreicht ist.

In dem Video der Demonstration vor Vertretern des Verteidigungsministeriums und der Geheimdienste, bei der 66 von 66 Drohnen erfolgreich abgeschossen werden, ist zu sehen, wie ein Anzahl DJI Phantoms genau zeitgleich vom Himmel fallen, als ihre Elektronik überlastet wird. Der Presse zufolge hat Epirus nun einen Liefervertrag mit Northrop Grumman abgeschlossen, und für das US-Verteidigungsministerium wird eine Version vorbereitet, bei der ein Stryker 8x8-Radpanzer von General Dynamics mit einem Leonidas-HPM ausgestattet wird.

Das Unternehmen arbeitet zudem an einer kleineren mobilen Version für Nutzer, die zu Fuß unterwegs sind. Der leichte und kompakte Leonidas Pod wird mehrere Montageoptionen bieten, u.a. als Nutzlast einer Multikopters, um direkt in das Bedrohungsgebiet gebracht zu werden. Leonidas und Leonidas Pod können auch zusammen eingesetzt werden, um ein mehrschichtiges Verteidigungssystem mit höherer Leistung und Reichweite zu schaffen.

Im April 2022 gibt die Firma die Einführung des Leonidas-HPM-Systems der nächsten Generation bekannt. Es ist das dritte System, das das Unternehmen zusammen mit General Dynamics in weniger als zwei Jahren entwickelt, getestet und in Betrieb genommen hat. Neben Hardware- und Software-Upgrades beträgt die Leistung mehr als doppelt so viel wie bei der letzten Systemgeneration. Es sollte noch darauf hingewiesen werden, daß der Hintergrund der oben gezeigten Promo-Grafik ein Foto aus Mossul im Irak im Jahr 2016 ist – als es die Epirus noch gar nicht gab.


Anfang April 2021 demonstrieren drei Unternehmen auf dem Yuma Proving Ground der US-Army in Arizona ihre neuesten Technologien zur Drohnenabwehr. Die drei teilnehmenden Unternehmen – Aurora Flight Sciences, ELTA North America und XTEND – waren im Rahmen einer im Januar veröffentlichten Ausschreibung aus Mehr als 30 Firmen ausgewählt worden. Die vorgestellten Systeme werden dabei im Hinblick auf ihre Wirksamkeit bei der Abwehr von leichten UAS der Gruppe 1 bewertet. Diese Art von Drohnen sind klein und schnell, schwer auszuschalten und können verschiedene Nutzlasten tragen, einschließlich Sprengstoffen.

Die Demonstration, die sich auf ‚Abfangjäger mit geringen Kollateralwirkungen‘  Low Collateral Effects Interceptors, LCEI) konzentriert, wie sie etwa in städtischen Gebieten erstrebt wird, ist die erste in einer Reihe von halbjährlichen Demonstrationen, die in Zusammenarbeit mit der Luftwaffe durch das Joint Counter-sUAS Office (JCO) und das Army Rapid Capabilities and Critical Technologies Office (RCCTO) ausgerichtet werden sollen.

Die Firma Aurora stellt das autonome Modular Intercept Drone Avionics Set (MIDAS) vor, einen mit KI ausgestatteten Multirotor, der mit optischen Sensoren und einer kundenspezifischen Nutzlast versehen ist und mehrere Drohnen pro Flug mit geringer Kollateralwirkung bekämpfen kann.

Das Team von ELTA führt sein Drone-Kill-Drone (DKD)-System vor, das nach eigenen Angaben vom Start bis zum Abfangen zu 100 % autonom ist. Es enthält ein Netz aus schnittfesten Drähten, die sich während des Fluges durch Federkraft lösen und die Rotoren der gegnerischen Drohne umwickeln, um eine sehr hohe Abschußrate zu erzielen.

Die XTEND wiederum präsentiert eine C-SUAS-Plattform namens Skylord Griffon, die es Bedienern ohne Flugerfahrung ermöglicht, Bedrohungen aus der Luft abzufangen. Das tragbare, leichte und kostengünstige System kann nahtlos mit den meisten Erkennungs- oder C2-Systemen verbunden werden und nutzt Augmented Reality.


Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit teilt das bayerische Justizministerium im April 2021 mit, daß das im Oktober des Vorjahres vorgestellte, ca. 75.000 € teure Drohnenabwehrsystem an acht Gefängnissen in Bayern bislang noch nicht einmal zum Einsatz gekommen sei. Bei der damaligen Präsentation war Bayern das erste deutsche Bundesland, das Drohnen über Gefängnissen systematisch abschießen wollte.

Es zeigt sich allerdings, daß Drohnenüberflüge noch lange nicht an der Tagesordnung sind. Letztmals habe Mitte November 2020 eine Drohne die JVA Straubing überflogen, jedoch in sehr großer Höhe und damit außerhalb der Reichweite des Dropster genannten Netz-Abschußsystems der Schweizer Firma Droptec. Danach sei es „zu keinen relevanten Drohnensichtungen“ mehr gekommen.

Einem Pressebericht vom September zufolge soll der Einsatz solcher Abwehrsysteme dennoch weiter ausgebaut werden. So wird an der JVA Amberg bereits ein Drohnendetektionssystem eingesetzt, das die Fluggeräte schon aufspüren kann, bevor diese abheben. Die Kosten dafür belaufen sich auf ungefähr 600.000 €.


Im Juni veröffentlicht die DARPA das Ergebnis eines Versuchs mit einem neu entwickelten Counter-Unmanned Air System (C-UAS), das das Eindringen von Drohnen in bewohnte Gebiete verhindern soll, in denen Gegenmaßnahmen möglichst ohne den Einsatz von Sprengstoff auskommen müssen, um zivile Opfer zu vermeiden. Das entsprechende Programm der DARPA namens Mobile Force Protection (MFP) zur Entwicklung dieses kostengünstigen, wiederverwendbaren Drohnenabfangsystems war bereits 2017 gestartet worden.

Die Gegenmaßnahmen, die sich auf kostengünstige, wiederverwendbare Drohnen konzentrieren, die feindliche Drohnen abfangen können, nutzt einen nicht-explosiven Ansatz, bei dem stattdessen starke, fadenförmige Luftschlangen abgefeuert werden, die sich in den Propellern und Steuerflächen der Zieldrohne verheddern. Die Abfang-Technologie selbst geht auf den Zweiten Weltkrieg zurück, als das britische Miscellaneous Weapons Department mit Drähten experimentierte, die von Ballons oder Raketen gezogen wurden, um feindliche Flugzeuge abzuwehren.

Der nun gezeigte Technologiedemonstrator nutzt ein X-Band-Radar, um potentielle Ziele automatisch zu erkennen und dann mit Hilfe eines autonomen Entscheidungsalgorithmus aus fahrenden Fahrzeugen ‚Abfangjäger-Drohnen‘ mit starren und rotierenden Flügeln zu entsenden, die dann ohne menschliches Eingreifen gelenkt werden. Sobald die Technologie ausgereift ist, wird die DARPA dabei helfen, das System in eine praktische Form für die verschiedenen Militärdienste zu bringen.

In den Kommentaren wird das Video mit dem Start einer zylinderförmigen Drehflügel-Drohne, welche ihre ‚Munition‘ auf eine gegnerische Drohne abfeuert, mit einer Konfetti-Kanone verglichen.

Gefangene Drohne am Flughafen Hamburg

Gefangene Drohne
am Flughafen Hamburg


Im September wird am Flughafen Hamburg ein ähnliches System zur Abwehr von illegal fliegenden Drohnen erprobt. Bei dem ersten Feldversuch fängt die Abwehrdrohne eine andere Drohne mit einem Netz und bringt sie an einen sicheren Ort am Boden. Von den gut ein Dutzend Abfangversuchen über dem nördlichen Ende des Flughafengebiets klappen etwa die Hälfte.

Das bereits Ende 2019 gestartete Projekt Falke (Fähigkeit des Abfangens von in gesperrte Lufträume eindringender Kleinfluggeräten durch zivile Einsatzmittel) wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit 2,1 Mio. € gefördert und soll nach Abschluß der Entwicklung an allen deutschen Flughäfen einsetzbar sein.

Die bis zu 120 km/h schnelle Falke-Drohne ist mit zwei Netzen ausgestattet und kann Flugobjekte mit Radar und Sensortechnik erkennen und mit einer Kamera erfassen. Per Funkpeiler kann sie zudem den ungefähren Ort des Operators der illegal eingedrungenen Drohne ermitteln. Wird dann der Befehl zum Abfangen gegeben, schießt ein Netz aus dem Fluggerät, das die illegale Drohne umhüllt. Das gefangene, bis zu 8 kg schwere Objekt hängt danach intakt an einem dünnen Seil an der Abfangdrohne, um als Beweismittel dienen zu können.

An dem Projekt sind neben der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, der Bundespolizei, der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH, der Deutsche Lufthansa AG sowie dem Anti-Terrorismus-Koordinator im Justiz- und Sicherheitsministerium der Niederlande auch die Firmen Frequentis Comsoft GmbH, Hensoldt Avionics GmbH und Hensoldt Sensors GmbH beteiligt.


Der US-Rüstungskonzern BAE Systems präsentiert im Oktober auf den Yuma Proving Grounds sein angepaßtes Advanced Precision Kill Weapon System (APKWS), das Drohnen mit Standardraketen zerstört. Um UAS der Klasse 2 zu bekämpfen, d.h. Drohnen, die 9,5 – 25 kg wiegen und in einer Höhe von weniger als 1.000 m mit weniger als 500 km/h fliegen, verwandelt BAE Systems Standardraketen in intelligente C-UAS-Waffen (Counter-Unmanned Aerial Systems).

Der Ansatz, der nach Angaben des Unternehmens viel weniger kostet als herkömmliche Drohnenabwehrmaßnahmen, wird mit einer 70-mm-Testrakete vorgeführt, die mit einen Ziellaser und einem Annäherungszünder ausgestattet ist, der sowohl bei einem Streifschuß als auch in unmittelbarer Nähe der Drohne detoniert, ohne daß die Drohne tatsächlich getroffen werden muß.


Im November berichten die Fachblogs über ein System mit dem Namen Fedai, das während der SAHA Expo, einer großen türkischen Verteidigungsveranstaltung in Istanbul, vorgestellt wird. Das von der Firma Transvaro (Transvaro Elektron Aletleri Sanayi ve Ticaret AS) in Istanbul entwickelt, um alle Arten von unbemannten Luftfahrzeugen zu bekämpfen und zu zerstören, wobei es selbst mit dronenähnlicher Munition arbeitet. Der erste erfolgreich Testflug des Systems hatte im Vormonat stattgefunden.

Das Drohnen-Killer-System, das noch nicht unter realen Kampfbedingungen erprobt wurde, besteht aus fünf Fahrzeugen: einem für die Steuereinheit, einem weiteren für das Radar, die Wärmekamera und den Störsender sowie drei Fahrzeugen für mehrere Abschußgeräte. Die drohnenartige Munition, die dem Typ Coyote von Raytheon aus dem Jahr 2015 ähnelt, besteht vollständig aus Kohlefaser und ist jeweils mit einer Tageskamera, einem Wärmebildgerät und einem Laser-Entfernungsmesser ausgestattet.


Neuigkeiten gibt es auch im Bereich der Laserwaffen, denn mit ihrer praktisch unbegrenzten Munition, die etwa einen Dollar pro Schuß kostet, und der Fähigkeit, entfernte Ziele mit Lichtgeschwindigkeit zu treffen, sind diese Waffen eine sehr attraktive Option für Kriegsplaner.

HELMA-P

HELMA-P


Im Juni 2021 berichten die Blogs über das französische Unternehmen Cilas aus Orléans, Teil der Ariane-Gruppe, das eine effektive Laserkanone entwickelt habe, die kleine Drohnen im Flug abschießen kann. Demnach konnte das HELMA-P genannte Multi-kW-Lasersystem seine Präzision bereits vor einigen Monaten unter Beweis stellen, als es bis zu 50 km/h schnelle Drohnen ins Visier nahm.

Das Zielen wird dabei mit einem Radarsystem unterstützt, doch auch zwei Kameras – eine für einen Überblick über den Luftraum, eine für den Fokus auf die Drohne – sollen genügen, um Ziele in bis zu 3 km Entfernung anpeilen zu können. Neutralisiert werden könne der Flugkörper dann ab einer Entfernung von 1 km. HELMA-P kann auf Fahrzeugen, Robotern und Schiffen eingesetzt werden.


Im gleichen Monat meldet das israelische Verteidigungsministerium den erfolgreichen ersten Test eines auf einem Flugzeug installierten Laser-Abfangsystems für unbemannte Luftfahrzeuge (UAV). Das Projekt umfaßt einen von Ebit Systems entwickelten luftgestützten Laser sowie einen von Rafael Advanced Weapons Systems entwickelten bodengestützten Laser – und die Tests werden in Zusammenarbeit mit der israelischen Luftwaffe und der Behörde für Waffenentwicklung und technologische Infrastruktur des Verteidigungsministeriums (MAFAT) durchgeführt.

Demnach sei es dem vollständig automatisierten System gelungen, mehrere Zieldrohnen in unterschiedlichen Flughöhen und Entfernungen von über einem Kilometer abzuschießen. Dabei werden erstmals elektrische Laser anstelle der bei früheren Tests verwendeten chemischen Laser eingesetzt.

Das System soll innerhalb eines Jahrzehnts in der Lage sein, Ziele mit einer Reichweite von Hunderten von Kilometern abzufangen, mit einer Reichweite von zehn Kilometern sogar schon früher. Die Fertigstellung eines Prototyps wird in drei oder vier Jahren erfolgen, der dann an der Grenze zum Gazastreifen eingesetzt werden soll.

Raytheon-Laser Grafik

Raytheon-Laser
(Grafik)


Im September vergibt das britische Verteidigungsministerium drei Vierjahresverträge im Wert von 72,5 Mio. £ an Konsortien unter der Leitung von Thales und Raytheon UK, um Laser- und Hochfrequenz-Demonstrationswaffen zu entwickeln, die auf Schiffen der Royal Navy und Fahrzeugen der britischen Armee eingesetzt werden können.

Bislang bildeten Laser und andere gerichtete Energiewaffen (Directed Energy Weapons, DEW) oft sperrige und unzuverlässige Experimentierkästen, doch mit der Entwicklung immer leistungsfähigerer Festkörperlaser, die auf mit Seltenen Erden dotierten Glasfaserkabeln basieren, gewinnen diese Waffen nicht nur an Feuerkraft, sondern schrumpfen auch so weit, daß sie auf immer kleineren Plattformen montiert werden können.

Bei den neuen Aufträgen des Verteidigungsministeriums, die Teil des britischen Novel Weapons Programme (NWP) sind, geht es darum, ein Trio von Waffen zu produzieren, die auf Schiffen, gepanzerten Fahrzeugen und Lastwagen installiert werden können, ohne daß größere Änderungen am Fahrzeug erforderlich sind. Das erste Ziel ist die Montage eines Lasers auf einer Fregatte des Typs 23 der Royal Navy, wo er seine Fähigkeit zur Erkennung, Verfolgung, Bekämpfung und Neutralisierung unbemannter Luftfahrzeuge (UAV) demonstrieren soll.

Ein zweiter Demonstrationslaser wird auf einem gepanzerten Armeefahrzeug vom Typ Wolfhound angebracht, um Drohnen und andere Bedrohungen aus der Luft abzuwehren, und ein MAN-SV-Lkw der Armee soll zeigen, wie ein Hochfrequenzsystem Luft-, Land- und Seeziele aufspüren, verfolgen und neutralisieren kann. Die Feldtests sollen von 2023 bis 2025 durchgeführt werden.


Die US Army wiederum stellt im August ihren ersten kampffähigen Laserwaffen-Prototyp in Dienst. Der in nur 24 Monaten entwickelte Festkörperlaser DE M-SHORAD (Directed Energy Maneuver-Short Range Air Defense) wird auf ein Stryker-Kampffahrzeug montiert und nimmt nun erstmals an einem Gefechtsschießen in Fort Sill, Oklahoma, teil.

Das neue Lasersystem ist Teil der Multi-Domain-Operationen des Heeres zur Modernisierung der Raketen- und Luftverteidigung und ist ein Produkt des US Army Rapid Capabilities and Critical Technologies Office (RCCTO), des Air and Missile Defense Cross Functional Team, des Fires Center of Excellence und des US Army Test and Evaluation Command.

Während des Gefechtsschießen spielt das Stryker-Team Szenarien mit realistischen Bedrohungen durch, um das System zu bewerten und Möglichkeiten zur Verbesserung künftiger Versionen zu finden. Als Resultat empfehlen die Soldaten, den Standard-Controller durch handelsübliche Gaming-Controller zu ersetzen. Darüber hinaus verwenden sie ein Handheld-Display, das 3D-Modelle des Stryker zeigte um die Online-Schulungshandbücher und interaktiven Module zu ergänzen.

In der nächsten Phase des Programms wird das RCCTO im Jahr 2022 vier mit Lasern ausgerüstete Stryker ausliefern.


Im Oktober folgt die Meldung, daß General Atomics (GA) und Boeing einen Auftrag des RCCTO für den Prototyp ihrer bisher leistungsstärksten Laserwaffe mit verteilter Verstärkung erhalten haben: einen bahnbrechenden 300 kW Festkörperlaser, der feindliche Raketen und Flugzeuge aus der Luft schießen soll.

Die beiden Unternehmen hatten bereits im vergangenen Oktober gemeinsam eine skalierbare Hochenergielaserwaffe der 100- bis 250-kW-Klasse gebaut, um den militärischen Beschaffungsbehörden zu zeigen, daß das Distributed-Gain-Lasersystem von GA die Lösung für die Kühlungsprobleme ist, die den Hochenergielaserwaffen in der Regel starke Einschränkungen auferlegen.

Sogenannte Slab-Laser, die Licht in einen Laserkristall in Form einer dünnen Platte als Verstärkungsmedium schießen, neigen zur Überhitzung und benötigen schwere, sperrige Kühlsysteme, während Faserlaser kaum Probleme haben, kühl zu bleiben, da sie das Licht auf eine Reihe von Fasern verteilen, die zur Wärmeableitung Abstände voneinander haben. Am Ende müssen die Strahlen jedoch kombiniert werden, wobei die Strahlkombinationssysteme in der Regel teuer, komplex, schwer und unhandlich sind.

Das GA-System mit verteilter Verstärkung besteht hingegen aus einer Reihe von Platten, die in Reihe geschaltet sind und jeweils klein genug sind, um ihre eigene Wärme abzugeben. Das Licht wird in die erste Platte geschossen, die es vergrößert und in die zweite Platte schießt, und so weiter. Das Resultat: Keine Hitzeprobleme, keine Notwendigkeit, Strahlen zu kombinieren, und man kann das System verpacken, wie man will. Daher war die Unternehmen auch bereit, den ersten skalierbaren Prototyp zu bauen, ohne dafür einen militärischen Auftrag zu erhalten.

Es ist noch nicht bekannt, ob dieses System in Flugzeuge eingebaut werden kann, aber auf den gezeigten Grafiken sieht es so aus, als wäre es für den mobilen Einsatz auf der Rückseite von Lastwagen bestimmt.



Zwischenfälle

Um eine Textnachricht zu übermitteln, die es den Rettungskräften des Queensland Emergency Service in Australien ermöglicht, sie zu finden und zu retten, befestigt eine Anfang Januar gestrandete Gruppe von Menschen ein Handy an einer kleinen Drohne und schickt das Gespann in die Luft. Sie gehen davon aus, daß das Handy versuchen wird, die eintippte Nachricht so lange zu senden, bis es Empfang hat.

Bevor sie festsaßen, waren die vier Erwachsenen und ein sechs Monate altes Baby aus Far North Queensland auf der zerklüfteten Kirrama Range Road unterwegs, um die Blencoe Falls zu besuchen. Sie wollten auf einem anderen Weg zurückfahren, aber ungewöhnlich starke Regenfälle, die von einem tropischen Wirbelsturm herrührten, überfluteten die Bäche in der Gegend. Als sie versuchten, einen Bach zu überqueren, blieb ihr Motor stehen, und sie saßen in der Wildnis ohne Handyempfang fest.

Da UHF-Funkwellen fast immer auf Sichtweite übertragen werden, mußte das Telefon so hoch gebracht werden, daß das Signal nicht durch Gelände und Vegetation blockiert wird. Als die Drohne wieder herunterkam, bestätigte das Telefon, daß die Nachricht gesendet wurde. Was diesen Fall so ungewöhnlich macht, ist, daß die Drohne von den Menschen selbst, die gerettet werden mußten, als Hilfsmittel eingesetzt wurde und nicht von den Rettern.


Unter den besonderen Zwischenfällen ist in diesem Jahr die Bruchlandung einer Drohne auf einer Nistinsel in Südkalifornien im Mai zu vermelden, was dazu führt, daß etwa 3.000 der verängstigten Trauerseeschwalben rund 2.000 nicht lebensfähige Eier aufgeben. Es handelt sich um den größten Verlust, den die Wissenschaftler, die in dem Reservat arbeiten, je beobachtet haben.

Laut den Presseberichten waren zwei Drohnen illegal über dem Bolsa Chica Ecological Reserve geflogen, einem geschützten Küstenfeuchtgebiet in Huntington Beach, wobei eine davon abstürzte und die Vögeln verscheuchte, die aus Angst vor einem Angriff von Raubtieren aus ihren Nestern am Boden flohen. Die elegante Seeschwalbe, die als nahezu bedrohte Art eingestuft ist, gehört zu den rund 800 Pflanzen- und Tierarten, die das Reservat als kritischen Lebensraum nutzen.

Normalerweise ist die Insel jedes Jahr um diese Zeit mit Seeschwalben bedeckt, die sich auf das Ausbrüten ihrer Eier vorbereiten, doch in diesem Jahr ist sie stattdessen mit Eierschalen übersät. Das California Department of Fish and Wildlife beantragt einen Durchsuchungsbefehl hat, um die Speicherkarte der Drohne zu überprüfen und denjenigen zu finden, der sie Drohne bedient hat. Sollte ein Verdächtiger gefunden werden, wollen die Behörden Strafanzeige wegen der unnötigen Zerstörung von Eiern oder Nestern, der Belästigung von Wildtieren und des Einsatzes einer Drohne in einem geschlossenen Naturschutzgebiet erstatten.

Schmuggel-Hybriddrohne

Schmuggel-Hybriddrohne


Ebenfalls recht besonders ist ein Fall, über den die spanische Nationalpolizei im Juli berichtet. Demnach habe eine Gruppe von vier Männern in Spanien und Frankreich eine Hybriddrohne mit einer Spannweite von 4,5 m und einer Flugdauer von sieben Stunden genutzt, um 150 kg Drogen von Marokko nach Südspanien zu schmuggeln. Die Drohne aus chinesischer Produktion kann mittels ihrer Elektromotoren senkrecht starten und landen, während die große Distanz über das Meer mit einem 2-Zylinder-Benzinmotor überbrückt wird.

Neben der hohen Nutzlast ist dabei die Tatsache von Vorteil, daß die Schätzungen zufolge zwischen 30.000 und 150.000 € teure Drohne nicht während des gesamten Flugs gesteuert werden muß, sondern den Weg über das Mittelmeer mit Hilfe von zuvor installierten Wegmarken selbständig findet. Sie Drohne landet schließlich im spanischen Andalusien, wird entladen, in ihre Einzelteile zerlegt und unauffällig abtransportiert.

Die Ermittler, die eigenen Angaben zufolge noch nie zuvor eine solche große Drohne zum Drogenschmuggel gesehen haben, finden das umstrittene Flugobjekt schließlich in einem Haus in Südspanien. Die Betreiber werden verhaftet und müssen nun mit einer Anklage rechnen. Unklar ist allerdings, ob es sich um die erste Tat der Bande handelte oder ob in der Vergangenheit bereits unbeobachtete Flüge stattfanden.

Den Medienberichten zufolge eignet sich die beschlagnahmte Drohne aber ohnehin nur bedingt für unauffällige Einsätze, denn sie kann zwar einerseits in Höhen von bis zu 2.000 m operieren, wird andererseits aber auch auf den Radarstationen der Küstenwache sichtbar.


Im Dezember erscheinen Berichte, denen zufolge Drohnenflüge über Gefängnissen den Justizministerien in Deutschland zunehmend Sorgen machen. Die Justizminister der Länder hatten sich im Vormonat darauf verständigt, die Bundesregierung zu bitten, sich für eine EU-weite Lösung des Problems einzusetzen.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wurden 2021 zehn und damit doppelt so viele Drohnen gesichtet wie im Jahr davor, während in Niedersachsen bis Mitte November neun An- oder Überflüge gezählt wurden. Im Jahr zuvor waren es hier acht Sichtungen. In Berlin kam es zuletzt vereinzelt vor, daß Drohnen aufs Gelände einer Haftanstalt flogen.

In Hessen habe es zwar nur vereinzelt den Verdacht gegeben, daß eine Drohne ein Gefängnis überflogen hat, dennoch will das Bundesland künftig Drohnen über Gefängnissen besser aufspüren, weshalb ein Pilotprojekt namens ‚Drohnendetektion‘ geplant wird. Auch Baden-Württemberg will seine Gefängnisse besser gegen das Schmuggeln und Ausspähen durch Drohnen wappnen. Hier hat sich die Zahl der Drohnensichtungen über Gefängnissen in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt.


Die Rechercheergebnisse dieses Jahres führen zu der Annahme, daß die Gesamtzahl der Zwischenfälle mit Drohnen signifikant abgenommen hat – oder daß darüber nur weniger berichtet wird. Dies wäre eine Entwicklung, die gegenwärtig auch in vielen anderen Bereichen festzustellen ist.

 

Weiter mit den Elektro- und Solarfluggeräten 2021 ...