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TEIL C
Auch im Jahr 2020 gibt es viele neue Designs und Umsetzungen,
die erwähnenswert sind.
Den Anfang macht das italienische Unternehmen Sealence s.r.l. (später: Sealance S.p.A), das im Februar ein Video veröffentlicht, welches den Prototyp seines elektrischen DeepSpeed-Hydrojets in einem Testtank zeigt. Der Motor war nach jahrelanger Entwicklungsarbeit unter der Leitung des Unternehmers William Gobbo und eines Teams um den Strömungsdynamik-Experten Prof. Ernesto Benini von der Universität Padua erstmals auf der Genoa Boat Show im November des Vorjahres vorgestellt worden. Gobbo hatte die Idee zu dem Konzept schon 2007 und im Mai 2017 seine Firma gegründet.

Im Gegensatz zu den allgemein bekannten Versionen der auch Pumpjetantrieb, Wasserjetantrieb oder Pumpenstrahlantrieb genannten Motoren ähnelt der Hydrojet von DeepSpeed einem Felgenmotor. Anstatt eines Propellers mit Schaufeln, die an einer zentralen Nabe befestigt sind, sind die Schaufeln bei Felgenmotoren, die auch als Rim-Driven Thruster oder Rim-Drive-Pods bekannt sind, am Rand des Gehäuses angebracht, wobei das Wasser durch die offene Mitte fließt bzw. angesaugt wird.
Der Elektromotor ist als dünner Ring ausgeführt, mit dem Stator im Duct/Tunnel und dem Rotor als ringförmige Felge, an der innen die Propellerblätter sitzen. Eine zentrale Welle, ein Getriebe oder dynamische Dichtungen gibt es nicht.
Brennstoffbetriebene Hydrojet-Motoren für Boote existieren, seit sie in den 1950er Jahren von Bill Hamilton entwickelt wurden. Dessen Firma HamiltonJet beschäftigt sich inzwischen aber auch mit elektrischen Hybridantriebslösungen und nimmt ihren ersten Parallel-Hybrid-JetMotor 2019 in Betrieb, der auf einem privaten Schiff in Italien installiert wird, gefolgt von diversen weiteren Umsetzungen, die auf der Firmenhomepage verfolgt werden können.
Auch andere arbeiten an der Elektrifizierung von Hydrojet-Motoren: Das seit 1971 bestehende australische Unternehmen Doen Waterjets stellt erstmals 2019 eine Elektro-/Diesel-Hybridversion unter der Bezeichnung DJ152-HYBRID vor - und die Shotover Jet (Ngāi Tahu Tourism), die mit dem Canyon River Ride Hochgeschwindigkeits-Jetboot-Erlebnisse durch die Schluchten des Shotover River in Queenstown bietet, erhält von der neuseeländischen Regierung einen Zuschuß, um einen Düsenmotor auf einem ihrer T3-Boote von Benzin auf Elektroantrieb umzustellen. Eigentümer von Shotover Jet sind die Ngāi Tahu, das Volk der Māori dieses Landes.
Dieses, ebenfalls 2019 gestartete Projekt wird aufgrund der COVID-19-Panik für einen Zeitraum von 18 Monaten auf Eis gelegt und erst im September 2021 wieder aufgenommen. Die ersten Wassertests auf dem See Whakatipu Wai-māori und dem Fluß Kimiākau erfolgen im Mai 2022, und später wird ein Vertrag mit der Firma Naut (bis 2021: McKay) über die Durchführung einer Machbarkeitsstudie zum Bau einer ganzen Flotte von elektrischen Jet-Booten unterzeichnet.
Zum Hintergrund: McKay hatte 1936 in Northland, Neuseeland, als kleines Elektrounternehmen begonnen und war 2003 mit seinem ersten Superyacht-Projekt in den USA in den Bereich der Schiffselektrik eingestiegen. Später entwickelte die Firma ein maßgeschneidertes elektrisches Außenbordsystem für einen Privatkunden. Zudem stellte es 2021 die erste Elektrofähre Neuseelands fertig, die Ika Rere, die in der Übersicht der Elektro- und Hybridfähren aufgeführt ist.

Zurück zur Sealance: Das DeepSpeed-Antriebssystem wird 2018 von der Abteilung Horizon 2020 der EU mit dem Exzellenzsiegel sowie mit dem Gianneschi-Innovationspreis von NAVIGO, dem größten Netzwerk von Nautikunternehmen in Italien, ausgezeichnet. Die Entwickler erhalten daraufhin von verschiedenen italienischen und europäischen Wissenschafts-, Technologie- und Start-Up-Fonds eine Anfangsinvestition von 1,2 Mio. € und eine Crowdfunding-Kampagne bringt weitere 450.000 € ein. Damit können die ersten Prototypen entwickelt und konstruiert werden.
Im Gegensatz zu allen anderen Versionen ist der DeepSpeed-Motor ein Hydrojet, der nicht im Bootsrumpf untergebracht ist, sondern als Außenborder mit zwei offenen Enden unter dem Boot sitzt. Der Vorteil besteht darin, daß der Einlaßstrom des Wassers dynamisch wird: Wenn das Wasser beginnt, durch die offene Düse zu fließen, wird eine dynamische Strömung erzeugt, und je schneller das Boot fährt, desto größer ist die Strömung, und das mit steigender Effizienz. Der Wirkungsgrad eines Propellers nimmt bei höheren Bootsgeschwindigkeiten ab, während der Wirkungsgrad eines Hydrojets zunimmt. Die Deepspeed-Motoren haben außerdem einen langen Tunnel, der die Felge umgibt und dem Motor das Aussehen einer Turbine für ein Düsenflugzeug verleiht.
Ende April 2020 gibt Sealance bekannt, daß sie mit der Firma Scanner Marine zusammenarbeiten wird, um den elektrischen Hydrojet auf deren Envy 710 RIB einzusetzen.
Im Juni folgt ein weiteres Video, das den Motor bei einer Probefahrt Anfang März auf See mit einem Testrumpf aus der DeepLab-Anlage des Unternehmens zeigt. Bei dem getesteten Motor handelt es sich um das bereits 2018 entwickelte Modell DeepSpeed 120e, das mit halber Leistung läuft und das 340 kg schwere Boot trotzdem in etwa vier Sekunden auf zwanzig Knoten bringt. Das Potential des Motors wird allerdings als viel höher bewertet.

Im September 2020 beginnt zudem eine Zusammenarbeit mit dem eDriveLAB, das 2017 von Prof. Davide Lusignani als Spin-off der Universität Parma gegründet worden war. Das erste gemeinsame Projekt ist ein Range Extender, der helfen soll, den Markt für DeepSpeed-Hydrojets über rein elektrische Freizeitboote hinaus auf Hybridanwendungen in größeren Schiffen auszuweiten. Das eDriveLAB wird schließlich in die Sealance integriert, und das nächste Projekt ist eine 90 x 80 x 60 cm große Hochleistungsbatterie namens SafeLi mit Immersionskühlung, einer maximalen Ausgangsleistung von 250 kW und einer Energiespeicherkapazität von 83 kWh für Elektroboote.
Auf der Bootsmesse Genua im Oktober werden die DeepSpeed-Motoren an den Ständen von zwei verschiedenen Herstellern präsentiert: Bei der o.e. Scanner Marine wird der Deepspeed mit einem Heckantrieb ausgestellt, während am Stand des italienischen Familienunternehmens Amer Luxusyachten zwei an einen Prototyp-Rumpf geschraubte Hydrojets demonstrieren, wo Zwillingsmotoren auf einem größeren Boot angebracht werden.
Im Dezember führt Sealance eine weitere Crowdfunding-Kampagne auf CrowdFundMe durch, die umgerechnet rund 2,9 Mio. € einbringt. Die Erlöse werden dazu verwendet, die Entwicklung der elektrischen Hydrojet-Motoren abzuschließen und bis Anfang 2022 die Produktion und den Verkauf zu starten. Darüber hinaus will sich die Firma mit dem italienischen Hersteller Energica zusammentun, dessen Elektromotorräder zu den schnellsten und leistungstärksten der Welt gehören. Gemeinsam will man an der Entwicklung eines elektrischen Antriebsstrangs für Schiffsanwendungen arbeiten.

Sealence erklärt im Januar 2021, daß das längerfristige Ziel darin besteht, ein komplettes Hybrid-Elektro-Antriebspaket anzubieten, das ein modulares System aus erweiterbaren Lithium-Ionen-Batterien, Sonnenkollektoren, einem Diesel-Range-Extender und einer Reihe verschiedener DeepSpeed-Düsen umfaßt, die alle über eine einzige Smartbox gesteuert werden. Dies ermöglicht den Antrieb einer breiten Palette unterschiedlicher Boote von 9 - 24 m Länge.
Im Februar gibt die Firma bekannt, daß ihr Entwicklungsteam an einem 500 kW starken elektrischen Hydrojet-Motor namens DS780 für Luxusyachten und große kommerzielle Boote arbeitet, dessen Spitzenleistung der eines 780 PS Verbrenner-Motors entspricht. Daneben befindet sich auch ein kleinerer DS420 mit einer Leistung von 220 kW und einem Äquivalent von 420 PS in der Entwicklung. Beide Modelle sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Die Weiterentwicklung des Modells 120e wird hingegen vorerst pausiert.
Wie im Dezember bekannt wird, läßt die Volaviamare-Gruppe, die Touristenfähren im Golf von Neapel betreibt, das 160 Passagiere fassende Schiff Calypso mit zwei DeepSpeed-Elektrodüsen nachrüsten, von denen jede eine Spitzenleistung von 300 kW und eine Dauerleistung von 200 kW hat (400 PS bzw. 275 PS). Auch darüber wurde bereits in der Übersicht der Elektro- und Hybridfähren berichtet.

Auf der CES 2022 in Las Vegas im Januar stellt das Unternehmen ein neues Hybridsystem vor, das seinen Hydrojet mit einem dieselbetriebenen Innenbordmotor von FPT Industrial kombiniert; im April wird eine Wandelanleihe in Höhe von 30 Mio. € aufgelegt; im Mai können Journalisten und Interessenten auf der Electric Boat Show in Mailand auf dem Bootslabor Sealab#2 die Effizienz und Geräuschlosigkeit des Hydrojet-Antriebs testen, der 43 Knoten erreicht; und im November wird der erste DeepSpeed-Antriebsstrang an einen Kunden in Neuseeland ausgeliefert.
Im Juli 2023 werden Pläne zum Bau einer Gigafactory für die 550 kg schweren, Sealence-SafeLi genannten Lithium-Kobalt-Bootsbatterien bekannt, eine Machbarkeitsstudie ist bereits abgeschlossen. Die weiteren Entwicklungen samt den vielen Auszeichnungen, die Sealence im Laufe der Zeit erhält, sind auf der Firmenhomepage gut dokumentiert.
Im März 2020 führt die in Florø,
Norwegen, beheimatete Firma Evoy den gemeinsam
mit der Reederei Hurtigruten und
dem Bootshersteller Frydenbø Marine entwickelten „weltweit
stärksten elektrischen Außenborder“ auf dem Markt ein.
Das Ziel des Unternehmens ist die Produktion einer Reihe von elektrischen
Innen- und Außenbordmotoren im Bereich von 75 - 670 kW (100 - 900 PS)
für Arbeitsboote in der Aquakulturindustrie und andere Anwendungen.

Das von Leif A. Stavøstrand und seinem Vater Gunnar im Jahr 2018 gegründete Unternehmen hatte bereits im September des Gründungsjahres eine Finanzierungszusage von Innovasjon Norges Miljøteknologi Tilskudd erhalten, um mit bis zu 1,1 Mio. NOK den Prototyp eines elektrischen Antriebssystems für Hochgeschwindigkeitsboote zu finanzieren. Als Motor wird ein Produkt von Engiro in Deutschland ausgewählt, das nur 135 kg wiegt und eine Spitzenleistung von 590 PS aufweist.
Im Januar 2019 gelingt die Beschaffung von Investitionen in Höhe von 3,75 Mio. NOK aus privaten Quellen, hinzu kommen 1,2 Mio. NOK (andere Quellen: 1,8 Mio. NOK) von Innovation Norway. Im Februar wird eine Partnerschaft mit der Helgeland Plast, Teil der AKVA Gruppe, eingegangen, um das erste Antriebssystem in einem ihrer Arbeitsboote vom Typ Polarcirkel 860 zu testen. Läßt sich eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 60 Knoten erreichen, wird es das schnellste in Serie produzierte Elektroboot der Welt sein.
Bei einer Reisegeschwindigkeit von etwa 25 Knoten und mit einer 100 kWh Batterie erwartet Evoy eine Reichweite von etwa einer Stunde, ohne jedoch Angaben zu dem installierten Akku zu machen. Im Sommer wird das Demo-Boot auf den Namen Evoy1 getauft und im November stellt es mit 55 Knoten einen inoffiziellen Weltrekord auf.

Das nun präsentierte schlüsselfertige 150 PS Außenbord-System mit Batterien soll schon im ersten Quartal 2021 auf den Markt kommen. Es trägt den Namen Pro und kann auf allen kleineren Expeditions-Tenderbooten von Hurtigruten installiert werden, ist allerdings speziell für das Zodiac Milpro MARK 5 entwickelt worden, das der Standard für alle Erkundungsfahrten in der Polarregion ist und für das eine Leistung von 115 PS ausreichend ist.
Im August 2020 erhält Evoy EU-Fördermittel in Höhe von 4,4 Mio. €, mit denen die nächste Generation der elektrischen Bootsantriebe entwickelt werden soll. Im September besucht der Kronprinz von Norwegen, Haakon Magnus, im Rahmen einer Küstenreise auch Florø, wo er mit dem Elektroboot Evoy1 eine Runde bei einer Geschwindigkeit von bis zu 45 Knoten dreht. Und bereits im November ist die erste Charge der elektrischen 300 kW (400 PS) Innenbordmotoren, die den Namen Hurricane tragen, durch Vorbestellungen ausverkauft.
Im Februar 2022 führt die Firma einen neuen 90 kW (120 PS) Motor namens Breeze mit einer Spitzenleistung von bis zu 185 PS ein, der für Innen- und Außenbordmotorboote geeignet ist. Der Innenborder wiegt nur 90 kg, während der Außenborder 190 kg wiegt. Im September wird auf dem Cannes Yachting Festival der Prototyp eines Storm genannten, 225 kW starken Außenbordsystems gezeigt. Auf dem Markt ist bislang nur der Breeze, während der Gale mit 150 kW (200 PS) im Jahr 2023 in den Verkauf gehen soll, gefolgt von dem Hurricane im Jahr 2024. Alle Modelle werden als Innen- und Außenborder angeboten.

Mit dem Storm 300+ wird im Februar 2023 die kommerzielle Version des Außenborder-Prototyps vorgestellt, der nun mit einer Dauerleistung von über 300 kW (> 400 PS) aufwartet und in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Unternehmen Eker Design gestaltet wurde. Der Storm 300+ soll von dem finnischen Bootshersteller Axopar für ein neues, 7,6 m langes Boot genutzt werden, ebenso wird der französische Amphibienspezialist Iguana sein vielseitiges amphibisches Tragflächenboot mit dem Motor antreiben (s.u. 2017).
Evoy bietet mehrere verschiedene Batterieoptionen für den Storm 300+ an: Die Basisbatterie mit 126 kWh für eine geschätzte Reichweite von 68 km, basierend auf einer Reisegeschwindigkeit von 25 Knoten (46 km/h), was durch Verdoppelung oder Verdreifachung der Batteriekapazität entsprechend erweitert werden kann. Auf Wunsch können auch ein Gas-, Diesel-, Wasserstoff- oder Alkohol-Range-Extender-System hinzugefügt werden. Die Preise beginnen bei 74.900 € für den Motor allein, für das Batteriepaket kommen je nach Kapazität weitere 79.800 - 239.400 € hinzu.
Die deutsche Firma Performance Marine Yachting stellt im März auf der Austrian Boat Show den elektrischen Hochgeschwindigkeits-Daycruiser e801 vor, der mit einem Storm 300+ Innenbord-Elektromotor von Evoy ausgestattet ist. Und im Mai meldet Hurtigruten Expeditions, daß man die ersten elektrischen Tenderboote in dieser Saison auf Expeditionskreuzfahrten mit der MS Otto Sverdrup entlang der norwegischen Küste einsetzen wird. Die Beiboote können bis zu 20 Gäste sowie wissenschaftliche und andere Ausrüstung für Anlandungen und Tagesausflüge befördern.
Im Juli 2024 geben Evoy und Vita Pläne zur Zusammenlegung ihrer jeweiligen Geschäftsbereiche bekannt, um ihre führenden Positionen im Bereich der Hochleistungsantriebe zu konsolidieren. Vita ist ein Experte für elektrische Schiffsantriebe, dessen in Zusammenarbeit mit Maserati entstandenes vollelektrisches Tagesboot TRIDENTE bereits in der Jahresübersicht 2013 vorgestellt worden ist.
Die o.e. und 2014 gegründete Axopar bringt im September eine neue, rein elektrisch betriebene Untermarke namens AX/E auf den Markt, die zwei Serienbootsmodelle anbietet, welche mit den Elektromotoren von Evoy ausgestattet sind: das Modell AX/E 22 mit einem Breeze-Motorsystem mit 120+ PS, und das AX/E 25 mit einem Storm-Motorsystem mit 300+ PS. Die weiteren Entwicklungen und Erfolge sind auf der Evoy-Homepage dokumentiert.

Im diesem Kontext: Auch das 2021 in Shanghai gegründete chinesische Unternehmen ExploMar entwickelt hochleistungsfähige Elektro-Außenborder, die ersten kommerziellen Auslieferungen des WAVE 300 genannten Produkts, das eine Leistung von 220 kW (300 PS) hat, erfolgen allerdings erst 2024.
Das komplett 218 kg schwere System besteht aus einem Axialflux-PMSM-Motor mit Dual-Propeller, das mit dem Strom einer 5S Energy Station eine Reichweite von bis zu 200 km haben soll.
Auf der Homepage der Firma werden 2025 diverse Konfigurationen angeboten, die von einem 108 PS starken WAVE 70+ mit 60 kWh Batterie bis zu dem 1.200 PS WAVE 300 QUAD reichen, das aus zwölf 90 kWh Batterien besteht und insgesamt 7.352 kg wiegt.
Im Mai 2020 erscheint in den Fachblogs
der Entwurf einer elektrischen Yacht, die von den ,Zahlen der Natur’
inspiriert ist.
Die 16,7 m lange Icona Fibonacci des Turiner Unternehmens Icona Design und seiner Partner, den Schiffsarchitekten von Hydrotec, dem auf elektrische Schiffsantriebe spezialisierten Start-Up Terra Modena Mechatronic, der ASG Power und dem Studio RPR, ist ein asymmetrischer Katamaran, der von zwei 200 kW (270 PS) Elektromotoren angetrieben wird, die wiederum von zwei 340 kWh Lithium-Ionen-Batterien gespeist werden. Das Dach ist als bewegliche Verkleidung mit Solarpaneelen bedeckt, um die Batterien nachzuladen.
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Die Reichweite der Zweirumpf-Luxusyacht bei einer Reisegeschwindigkeit von 10 Knoten (18,5 km/h) soll etwa 240 km oder etwa zwölf Stunden betragen. Eine Vergrößerung der Reichweite könnte mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle möglich sein, was allerdings etwas Platz unter Deck benötigt. Es ist aber nicht klar, inwieweit diese Technologie ernsthaft in Erwägung gezogen wird.
Die wichtigste Anspielung auf die Fibonacci-Folge bei der Yacht, mit der Icona Design sein zehnjähriges Bestehen feiert, ist ein Paar halbrunder Treppen, die sich um die Seiten winden und Zugang zum fliegenden Oberdeck und zum Steuerstand bieten. Im Inneren wird das Layout individuell gestaltet und kann bis zu drei Kabinen und ein Badezimmer beherbergen, neben Bereichen für Geselligkeit, Sonnenbaden und Privatsphäre. Bislang ist nicht bekannt, ob dieses Projekt tatsächlich bis zur Prototypenreife entwickelt werden soll.
Das in Singapur ansässige Unternehmen Azura Marine läßt
im Mai 2020 in Bali, Indonesien, eine Elektrojacht
zu Wasser, die „Non-Stop-Ozeanreisen nur mit Sonnenlicht“ bewältigen
kann.
Nach Angaben der Firma kann die 10 Tonnen schwere, 13,3 m lange und 6 m breite, solarbetriebene Katamaran-Yacht der Serie Aquanima 40 dank der 56 m2 großen 10 kW Solaranlage und des 60 kWh LiFePO4- oder Blei-Säure-Batteriepakets, das gleichzeitig als Ballasttank dient, um die Bootsstabilität zu erhöhen, an einem einzigen Tag ununterbrochen mehr als 185 km weit fahren.

Mit einer Antriebsleistung von 2 x 10 kW erreicht das Boot eine Höchstgeschwindigkeit von über 8,5 Knoten (16 km/h) und ist in der Lage, kontinuierlich mit einer Reisegeschwindigkeit von über 4,5 Knoten (8,3 km) zu fahren, was weniger als 2 kW pro Stunde erfordert, während das Solardach des Bootes gleichzeitig 8 - 10 kW erzeugt, solange die Sonne scheint. Somit kann die Yacht nach vier Stunden auf dem Wasser mit einer vollen Batterie zu ihrem Liegeplatz zurückkehren. Optional wird das Boot auch mit einem 2 x 20 kW Antrieb bzw. einem 100 kWh Akku angeboten.
Die Solar Eclipse genannte Yacht bietet allen Komfort, den man von einem modernen Schiff erwarten kann. Eine Besonderheit ist jedoch, daß sie das gesamte benötigte Frisch- und Trinkwasser - oft ein limitierender Faktor - selbst produziert, wozu sie mit einem 56 m2 großen Regenwassersammel- und -filtersystem und einem Wassermacher (vermutlich einem Kondenser) ausgestattet ist. Zudem werden täglich bis zu 60 Liter Kondenswasser aus der Klimaanlage gesammelt, um die Frischwassertanks mit einem Volumen von 550 Litern nachzufüllen. Darüber hinaus ist eine neue energiesparende Wasserentsalzungsanlage an Bord.
Als Beiboot gibt es einen Zodiac Cadet 310 Alu für sechs Personen, der einen 5 kW Elektro-Außenbordmotor besitzt, unter der Achterdeckcouch integriert ist und in Sekundenschnelle zu Wasser gelassen bzw. wieder an Bord gehoben werden kann. Der Außenbordmotor wird von der PV-Anlage aufgeladen, die auch alle Haushaltssysteme versorgt, einschließlich Induktionsherd, Kühlschrank, Warmwasser, Klimaanlage, Frischwasserproduktion sowie Füllen der fünf Tauchflaschen an Bord.

Den ursprünglichen Konzeptnachweis für die solarbetriebenen Yachten und Arbeitsboote des 2012 von Julien Mélot und Xueqian Zhou, der zuvor Forschungsleiter an der Harbin Engineering University in Nordchina war, gegründeten Unternehmens ist die im Jahr 2016 durchgeführte Modifikation eines Jukung, eines traditionellen indonesischen Fischerkanus mit Ausleger: Azura brachte Solarpaneele als Dach über den Auslegern an, und eine sechsköpfige Crew machte mit dem Boot Surya Namskar eine 2.000 km lange Reise durch den indonesischen Archipel, ohne technische Probleme und ohne einen einzigen Tropfen Kraftstoff zu verbrauchen.
Seitdem bietet das Unternehmen eine Reihe von Solarbooten wie Wassertaxis, Fähren, Tauchboote und Touristenboote an, neben Elektro-Außenbordmotoren vom Typ Manta und einem solarbetriebenen Meeresplastiksammler namens PlakMan, der von der Stiftung Solar Impulse mit dem Status ,Efficient Solution’ ausgezeichnet wurde, später aber nicht mehr aufzufinden ist.
Die aus Aluminium gebauten Aquanima-Solarjachten sind das beste Beispiel für den Erfolg des Unternehmens. Die Aquanima 40, die als Grundlage der Solar Eclipse dient, bietet Platz für bis zu zwölf Gäste tagsüber oder acht Gäste über Nacht, verfügt über vier bis fünf Kabinen und einen umwandelbaren Salon mit Doppelkoje. Als Basisversion kostet sie ab Werft etwa 495.000 € und kann von den Kunden mit einer Reihe von Optionen angepaßt werden. Bereits in der Entwicklung ist das Modell Aquanima 45, das ein unterteiltes Solardeck haben soll und mit seinen fünf Kabinen Platz für zehn Passagiere bietet. Dieses soll für 607.000 € auf den Markt kommen.
Im August 2020 gibt Azura Marine den Abschluß einer 407 km langen Umrundung von Bali mit der Solar Eclipse bekannt, die ausschließlich mit der Kraft der Sonne durchgeführt wurde. Dabei produzierte das Solardach durchschnittlich 45 kWh pro Tag, mit denen eine Fahrtgeschwindigkeit von 4,7 Knoten und eine Höchstgeschwindigkeit von über 9 Knoten erreicht werden.
Der Anfang dieses Jahres von Mathias May und Holger Henn gegründete deutsche Hersteller Alva Yachts GmbH aus Bad Pyrmont in Niedersachsen, der aus dem seit 2013 bestehenden Unternehmen PICA Yachts hervorgegangen ist, stellt im Mai 2020 gleich drei elektrische Katamarane vor. Die umweltfreundlichen Boote nutzen Hochleistungsbatterien, Solarpaneele und ein modernes Wassermanagement. Die zukünftige Produktpalette umfaßt die Ocean Eco 60, die Ocean Eco 90 und die Ocean Sail 82 Alva, die alle von einem Designteam unter der Leitung von Henn entworfen worden sind.

Die Ocean Eco 60 und Ocean Eco 90 verfügen über ein Kajütendach, das bis zum erhöhten Bug reicht, um den verfügbaren Platz für die vollständig in die Struktur des Dachs integrierten Solarpaneele zu maximieren, die je nach Katamaran 20 kW oder 40 kW erzeugen und eine 300 kWh Lithiumbatterie ergänzen. Damit kann das 18 m lange Boot bei 7 Knoten 200 km zurücklegen oder bei 4 - 5 Knoten eine potentiell unbegrenzte Reichweite haben. Zudem können die Schiffe einen Kite zur Nutzung der Windkraft aufnehmen.
Die 24 m lange Ocean Sail 82 Alva, die als die autonomste Yacht ihrer Größe bezeichnet wird, verfügt über ein hochmodernes Rigg, einen Hybridantrieb und eine leistungsstarke Batteriebank, doch weitere Details gibt es dazu noch nicht. Zwei Exemplare der Ocean Eco 60 sind bereits im Bau, ein 27 m langes Schiff ist in Planung.
Darüber hinaus hat die Werft auch die Märkte für Hausboote und schwimmende Villen im Visier, die durch Einbeziehung fortschrittlicher Solartechnik in der Lage sein werden, in sonnenreichen Ecken der Welt völlig netzunabhängig zu arbeiten. Ein erster Auftrag sei bereits von den Malediven eingegangen.
Im Februar 2022 folgt mit dem Ocean Eco 60 Coupé eine neue, sportlichere Version der bisherigen Elektroyachten, die eine flachere Silhouette und innovative neue Funktionen bietet und Ende des Jahres in Produktion gehen soll.

Der 18,4 m lange und 10,2 m breite vollelektrische Katamaran wird von zwei 250 kW Motoren angetrieben, die von einem 150 - 280 kWh Batteriepaket gespeist werden, das von 80 m2 Solarmodulen mit einer Spitzenleistung von 18 kW aufgeladen wird. Die Dieselgeneratoren an Bord erzeugen 2 x 100 kW Gleichstrom, aber die Kunden können sich stattdessen auch für Methanol-Brennstoffzellen entscheiden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 20 Knoten.
Im März 2023 wird die Ocean Eco 78 vorgestellt, eine 23,7 m lange Mehrrumpfyacht, die von zwei 217 kW Elektromotoren angetrieben wird und eine Batteriekapazität von 280 - 490 kWh besitzt. Das große Dach mit den integrierten Solarzellen ermöglicht eine Leistung von 26 kW. Das Boot erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 15 Knoten. Über die im April 2023 veröffentlichte Ocean Eco 90 H2 hatte ich bereits in der Jahresübersicht 2019 berichtet, da diese Version primär mit Wasserstoff-Brennstoffzellen angetrieben wird.
Im Mai 2025 wird die Alva Yachts GmbH von der 2018 durch Grant Hudson gegründeten australischen Firma Sunpower Yachts International Pty Ltd. übernommen, die auf ihrer Homepage eine breite Palette von solarbetriebenen Katamaranen, Schiffen und Segelyachten zeigt, darunter auch die Alva-Modelle. In den meisten Fällen handelt es sich allerdings um graphische Konzepte, die bislang noch nicht umgesetzt worden sind.
Immerhin wird im Oktober gemeldet, daß die erste Sunpower-ALVA Solar-E 60 Yacht (früher: Ocean Eco 60) offiziell aus der Produktionshalle in Antalya, Türkei, ausgeliefert worden sei.
Im Jahr 2020 werden auch die Gustave Trouvé Awards, in der Szene bekannt als ,The Gussies’, ins Leben gerufen, als ein internationaler Wettbewerb, der sich exklusiv Elektrobooten widmet. Die Auswahl erfolgt durch eine Kombination aus Expertengremium (75 %) und öffentlicher Online-Abstimmung (25 %). Initiator und Organisator ist Jeff Butler, Herausgeber von plugboats.com, einer Nachrichtenplattform für Elektroboote, der viele der hier veröffentlichten Informationen zu verdanken sind.

Benannt ist der Preis nach dem französischen Erfinder Gustave Trouvé, der 1881 u.a. den weltweit ersten Außenbord-Elektromotor präsentierte, wie schon zu Beginn dieser Chronologie berichtet wurde.
Die erste Abstimmungsrunde läuft zwischen Mai und Juli dieses Jahres. Die prämierten Kategorien umfassen: Serien- und Entwicklungsboote bis 8 m, über 8 m, Passagierboote, Arbeitsboote, Elektro-Segelboote, DIY-/Custom-Boote und umgerüstete Boote. Die Auszeichnung ist eine ideelle Ehrung für Innovation und Nachhaltigkeit.
Zu den Gewinnern der ersten Preise gehören z.B. das vollelektrische Passagierboot Maid of the Mist, das an den Niagarafällen in Betrieb ist und bereits in der Übersicht 2013 erwähnt wurde; der o.e. solarbetriebene Katamaran Aquanima 40 von Azura Marine aus Singapur; sowie das erste elektrische Passagierboot Indiens, die NavAlt Aditya, die in der Arbeitsboot-Kategorie prämiert wird und ebenfalls in der Jahresübersicht der Elektro- und Hybridfähren erwähnt wurde.
In den Nominierungen für die jährlichen Gussies, die für vertiefende Recherchen sehr zu empfehlen sind, werden noch viele Dutzend weitere Elektroboote aufgeführt, die über die vorliegende Übersicht hinausgehen.
Alejandro Agag, der 2012 das Konzept für die inzwischen etablierte elektrische Rennserie Formel E entwickelt hatte und später auch die Offroad-Serie Extreme E initiierte, die erstmals im Januar 2021 im Senegal stattfinden soll, gründet im September 2020 gemeinsam mit Rodi Basso, ehemaliger Motorsportdirektor bei McLaren, die erste Rennserie für schnelle Elektroboote, die den Namen E1 erhält. Um sie auszutragen, haben die Initiatoren bereits eine Exklusivlizenz der Union Internationale Motonautique (UIM), des Weltdachverbands des motorisierten Wassersports, erhalten. Der Wettbewerb bildet den Schwerpunkt der diesjährigen Übersicht.

Bei den Rennen, die auf Seen, Flüssen und auf dem Meer auf der ganzen Welt ausgetragen werden sollen, werden jeweils bis zu zwölf gemischtgeschlechtliche Teams an den Start gehen, die an zehn Veranstaltungen pro Rennsaison teilnehmen. Gefahren wird mit RaceBird genannten, einsitzigen Booten, die von dem im April 2020 durch Agag und die Designerin Sophie Horne gegründeten britischen Start-Up Seabird Technologies Ltd. und dem ebenfalls britischen Ingenieurbüro Victory Marine entwickelt und gebaut werden. Auch mit dabei ist der italienische Schiffsarchitekt Brunello Acompara.
Der Rumpf der RaceBirds wird aus Kohlenstoff-Verbundwerkstoff gefertigt, so daß das ganze Boot nur etwa 380 kg wiegt. Und da der 150 kW (205 PS) Außenbordmotor von Mercury Racing das Boot auf einem U-förmigen Tragflächenprofil etwa 40 cm über die Wasseroberfläche hebt, kann es bis zu 60 Knoten (111 km/h) schnell werden. Die Antriebsenergie stammt aus einer 35 kWh Batterie von Kreisel Electric, die Technologien der Tauchkühlung nutzt und während eines Rennens zweimal aufgeladen werden muß.
Jedes Team soll über zwei Boote verfügen. Eines wird in Europa stationiert, das andere auf dem Schiff St. Helena, einem ehemaligen Schiff der britischen Post, mit dem der Rennzirkus zu entlegenen Austragungsorten reisen wird. Die Rennen sollen in einem K.-o.-System ausgetragen werden. Während der Tests vor dem Rennen und der Qualifikation können die Teams die Akkus der Boote unbegrenzt laden. Für die Rennen selbst soll aber nur eine begrenzte Strommenge zur Verfügung stehen, so daß es in dem Wettbewerb nicht nur um Geschwindigkeit und fahrerisches Können, sondern auch um das Energiemanagement geht. Ein solches Konzept wird schon in der Formel E eingesetzt.

Das Design des RaceBird wird im Juni 2021 als digitaler Entwurf gezeigt, die ersten Prototypen sollen in den kommenden Monaten gebaut werden. Nun wird das Rennboot als 800 kg schwer (andere Quellen: 1.300 kg), 7 m lang und inklusive der Tragflügel 3 m breit beschrieben. Die Kabine ist aus Sicherheitsgründen vollständig geschlossen, und das Boot verfügt über seitliche Flügel, die sich nach unten falten lassen, um die jetzt kürzeren, vorderen Tragflächen zu bilden, sowie ein verlängertes Flügelheck am Außenbordmotor für die hintere Tragfläche.
Außerdem wird jetzt eine Höchstgeschwindigkeit von 60 Knoten (93 km/h) angegeben (andere Quellen: 50 Knoten). Neu ist auch, daß an allen Stationen des E1-Kalenders Ladestationen errichtet werden sollen. Diese Infrastruktur wird gemeinsam mit dem staatlich-saudischen Public Investment Fund (PIF) finanziert, einem Anteilseigner der Serie. Als Schirmherr der E1 agiert die UIM. Ein Prototyp wird im September gezeigt und die Produktion ist für 2022 geplant. Zudem soll auch eine Version für den kommerziellen Verkauf entwickelt werden.
Nachdem der Prototyp RaceBird im April 2022 im Fluß Po in der Nähe von San Nazzaro in Norditalien zum ersten Mal erfolgreich abhebt, um mit mehrwöchigen Tests zu beginnen, hat das Boot auf dem Salone Nautico Venezia 2022 im Mai seinen ersten öffentlichen Auftritt, gesteuert von der Schauspielerin und Umweltaktivistin Cara Delevingne.
Im Juni wird dann bekanntgegeben, daß die UIM E1 World Championship - als elektrifizierte Version der F1H20-Motorboot-Rennserie - Anfang 2023 starten wird. Die Rede ist jetzt von mindestens zehn Rennen mit acht gemischten Teams. Im September 2022 unterzeichnet das E1-Team eine Absichtserklärung mit Purpose Pole Position, den Organisatoren der World Port Days in Rotterdam, um Elektrobootrennen zu einem wiederkehrenden Ereignis bei der jährlich stattfindenden Veranstaltung zu machen.

Tatsache ist, daß die Vorarbeiten im Januar 2023 aber noch immer nicht beendet sind. Zu diesem Zeitpunkt plant die E1 aufgrund des Ziels, ihren ökologischen Fußabdruck zu begrenzen, in diesem Jahr nur im Nahen Osten und in Europa anzutreten, bevor sie in ihrer zweiten Saison nach Nordamerika und Asien expandiert.
Eine weitere Methode zur Reduzierung von Frachtemissionen ist die Einrichtung von Drehkreuzen rund um den Globus, wo die RaceBirds und ihre jeweilige Ausrüstung gelagert werden können. Es laufen bereits Gespräche über Drehkreuze in Venedig, Florida und Asien.
Bisher gibt es drei offizielle E1-Teams: das Team Venedig, das Team Mexiko, das dem Formel-1-Piloten Sergio Perez gehört, und das Team Spanien (später: Team Rafa) der Tennislegende Rafael Nadal. Im Mai 2023 kommt als viertes das Team von Didier Drogba, ehemaliger Fußballspieler des FC Chelsea und der Elfenbeinküste, und seiner Partnerin Gabrielle LeMaire hinzu.
Dem schließen sich im Juli der Super-Bowl-Spieler Tom Brady an, im August der Musik-Pionier Steve Aoki, im Oktober das Team Blue Rising des Kricket-Stars Virat Kohli und des Sport-Tech-Unternehmers Adi K Mishra, und im Dezember das Team Miami (o. Team Miami powered by Magnus) des Salsa-Sängers Marc Anthony.

Die Pläne verzögern sich jedoch weiter, und der Saisonstart des Elektroboot-Grand-Prix wird auf 2024 verschoben. Der aktuelle Rennkalender beginnt nun Anfang Februar in Dschidda, Saudi-Arabien, und findet sein Finale im November in Hongkong. Dazwischen gibt es zusätzliche Events in Venedig (Mai), Puerto Banús und Genf (Juni), Monaco (Juli) und Rotterdam (September). Hongkong wird auch in den Folgejahren 2025 und 2026 das Finale der E1-Weltmeisterschaft ausrichten.
Im Januar 2024 schließt sich der E1 noch das Team Brazil (o. Team Brazil by Claure Group) an, das der Technologieunternehmer Marcelo Claure gegründet hat.
Im Februar, als endlich die Boote am ersten Wettkampftag des zweitägigen E1 Jeddah GP (Grand Prix) über das Rote Meer rasen, absolviert das Team Miami, gesteuert von der Amerikanerin Anna Glennon und dem Schweden Erik Stark, die Rennstrecke in 6:23,33 Minuten. Der zweite Tag endet mit dem Sieg des Teams Brady mit Emma Kimiläinen aus Finnland und Sam Coleman aus Großbritannien am Steuer, die damit das am ersten Tag führende Team Miami auf den zweiten Platz verweisen. Den dritten Platz belegt schließlich das Team Rafa.
Im Mai kommt das Team Westbrook Racing des Schauspielers und Filmproduzenten Will Smith hinzu. In Venedig in diesem Monat gewinnt das Team Brady, gefolgt vom Team Brazil an zweiter und dem Newcomer Westbrook Racing an dritter Stelle.
Im Juni in Puerto Banús steht das Team Miami an der Spitze. Möglicherweise aufgrund des kabbeligen Wassers gibt es diesmal erste Ausfälle: Das zweimalige Siegerteam Brady muß wegen eines Stromausfalls ausscheiden, die Nase des Teams Blue Rising löst sich vom Rumpf, das Boot vom Team Brazil erleidet ebenfalls einen Schaden an der vorderen Knautschzone, und das Team Westbrook Racing bleibt in der Mitte des Rennens kurzzeitig stehen, bevor es schließlich die Ziellinie auf dem zweiten Platz überquert.

Außerdem gibt E1 im Juni bekannt, daß der Comer See im Norden Italiens neu in den Rennkalender dieses Jahres aufgenommen wird. Das dortige Rennen, an dem neun Teams teilnehmen, soll Ende August stattfinden und das Rennen ersetzen, das eigentlich im September in Rotterdam geplant war. Zudem wird das separate GP in Genf gestrichen.
Im Juli in Monaco sichern sich die Spanierin Cris Lazarraga und der Franzose Tom Chiappe des Teams Rafa die Pole-Position, gefolgt vom Team Aoki sowie dem Team Drogba mit Oban Duncan und Micah Wilkinson am Steuer. Sieger wird letztlich das Team Brady, den zweiten Platz sichert sich das Team Drogba, den dritten das Team Rafa.
Nach dem Rennen auf dem Comer See, das das Team Westbrook Racing mit den Racing-Piloten Sara Price und Lucas Ordóñez gewinnt, vor dem Team Rafa auf dem zweiten Platz und dem Team Brazil auf Rang drei, gibt die E1-Serie im Oktober den ersten Austragungsort der zweiten Saison im Februar 2025 bekannt: den Corinthia Yacht Club auf der Perleninsel von Doha in Katar. Allerdings sollen die RaceBirds schon im Monat davor wieder in Dschidda ihre Runden drehen.
Zudem wird im Juli eine ,Pilot Academy’ eröffnet, die nach neuen Talenten sucht, welche in der nächsten Rennserie antreten werden. Die E1-Akademie bietet ein umfassendes Programm zur Talentsuche für männliche und weibliche Piloten an, bei dem die Rekruten ein strukturiertes Trainingsprogramm und strenge Tests absolvieren, die von renommierten Powerboatern überwacht werden.

Wie Anfang des Jahres angekündigt, sollte die abschließende E1-Meisterschaft der ersten Saison im November in Hongkong stattfinden. Auch dieser Austragungsort wird gestrichen. Stattdessen wird im Oktober das E1-Team von Tom Brady nach den Rennen in fünf Städten und drei Siegen zum Champion der ersten rein elektrischen Rennboot-Serie der Welt gekrönt. Außerdem wird bekanntgegeben, daß das Finale der zweiten Saison von Miami ausgerichtet werden soll. Der E1 Miami GP findet auf Virginia Key statt, direkt neben dem berühmten Miami Marine Stadium.
Ansonsten ähnelt der neue Rennkalender zeitlich und örtlich dem vorherigen, wobei das Rennen in Dschidda im Januar diesmal von dem Team Aoki und seinen Piloten Dani Clos und Mashael Alobaidan gewonnen wird, während im Februar in Katar das Team Rafa seinen allerersten Sieg erringt. Im März wird gemeldet, daß eine weitere Meisterschaft im Juni auf dem Lago Maggiore in Norditalien stattfinden wird. Neu dabei ist in diesem Jahr das Team AlUla des Basketballspielers LeBron James, das mit den Piloten Catie Munnings und Rusty Wyatt antritt. Der Name des Teams bezieht sich auf eine Oase im nordwestlichen Saudi-Arabien.
Zudem werden Lagos in Nigeria und Dubrovnik in Kroatien als künftige Austragungsorte genannt. An letztgenanntem Ort gewinnt im Juni wieder das Team Aoki, auf dem Lago Maggiore dann das Team Brady. Auch diesmal gibt es einen Unfall, als die Boote der Teams Drogba und AlUla zusammenstoßen, ohne daß aber die Piloten verletzt werden. Für die Racebirds gilt dies jedoch nicht, und das Rennen kann nicht neu gestartet werden. Anfang Juli 2025 gibt die E1-Serie ihr britisches Debüt auf der Themse in London (E1 London Showrun).

Auch bei dem nächsten Rennen Mitte Juli in Monaco kommt es zu einem High-Speed-Crash zwischen dem Team Brazil und dem Team Rafa. Die Piloten bleiben unversehrt, doch die schweren Schäden am RaceBird von Rafa sowie eine rote Flagge führen zum vorzeitigen Abbruch des Qualifikationsrennens für das E1-Rennen am Folgetag. Dieses gewinnt dann zum ersten Mal das Team Blue Rising mit Sara Misir und John Peeters.
Beim Rennen in Lagos im Oktober, das sich verzögert, als ein tropischer Sturm über die Lagune von Lagos zieht, belegt als Premiere das Team Brazil mit Ieva Millere-Hagin und Timmy Hansen zwar den ersten Platz, liegt in der Gesamtwertung aber noch hinter Team Brady und Team Rafa. Ebenfalls im Oktober wird von der E1 das von dem monegassischen Unternehmer Chris Taylor und dem französischen Kiteski-Weltmeister Maxime Nocher neu gegründete Team Monaco begrüßt, das in der kommenden Saison um den Titel des Champions of the Water kämpfen wird.
Als im November in Miami die Endausscheidung der Rennbootserie 2025 ausgetragen wird, steht wieder einmal das Team Brady auf der Siegertreppe, flankiert vom Team Rafa und dem Team Blue Rising. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen E1 und der Ginmarke Bombay Sapphire ist zudem ein E1 RaceBird in Originalgröße am internationalen Flughafen von Miami zu sehen.
Außerdem steigt neu das Team Sierra in die Rennserie ein, dessen Mehrheitseigentümer die Familie Özmen mit ihrer Holdinggesellschaft Sierra Enterprises ist. Geleitet wird das Team Sierra von dem Familienoberhaupt Kerem Özmen sowie dem deutschen Risikokapitalgeber Dominik Madani, der als Miteigentümer einsteigt.
Den ersten Sieg der Saison 2026 in Dschidda kann das Team Aoki für sich verbuchen. Die weitere Entwicklung läßt sich auf der Homepage e1series.com verfolgen.
Im Zusammenhang mit Elektroboot-Rennen soll daran erinnert werden,
daß Solarboot-Meisterschaften schon seit den 1990er Jahren
stattfinden. Berühmt sind z.B. die Frisian Solar Challenge im
Jahr 2006;
der Solar1 Monte Carlo Cup, der erstmals im Juli 2014 stattfindet;
sowie die erste E-Regatta der Welt, die während des Salone Nautica
Venezia im Mai und Juni 2021 abgehalten
wird.
Einzelne Boote wie das Elektro-Hochgeschwindigkeitsrennboot Cigarette AMG Electric Drive Concept von Mercedes-AMG und Cigarette Racing (AMGCR) mit einer prognostizierten Höchstgeschwindigkeit von über 160 km/h; das NOX SV des deutschen Bootsbauers Rivers and Tides, das Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h verspricht; sowie das Rennboot Jaguar V20E, das 2018 eine Rekordgeschwindigkeit von 142,6 km/h erreichte, wurden bereits in der Übersicht des Jahres 2013 vorgestellt. Diese Elektrorennboote stehen bislang außerhalb der E1-Rennserie, doch das kann sich in Zukunft ändern. Oder es wird eine zweite Rennklasse eingeführt, die einen ernsthaften Wettbewerb zum Inhalt hat.

Immerhin arbeiten noch verschiedene andere Teams an der Entwicklung solcher Elektrorennboote. So setzen das kanadische Unternehmen Vision Marine Technologies Inc. aus Quebec (früher: Canadian Electric Boat Co., CEBC) und die Firma Shaun Torrente Racing (STR) aus Florida, ein Hersteller von Hochleistungsprodukten für den Marinesektor, mit dem E-Motion-Elektroantrieb von Vision Marine einen Meilenstein im elektrischen Rennbootsport, als sie Ende August 2023 einen inoffiziellen Rekord von 186,7 km/h erzielen.
Dies erfolgt bei einem ,Point-and-Shoot’-Event, bei dem das Boot eine dreiviertel Meile (1.207 m) hat, um von 40,0 mph (64,4 km/h) auf seine Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen.
Nachdem Vision Marine im November 2020 bei einem Börsengang an der NASDAQ mehr als 27 Mio. $ eingenommen hat, eröffnet die Firma im Mai 2021 die Reservierungsphase für ihren vollelektrischen Außenbordmotor E-Motion 180E, der nicht nur als der „leistungsstärkste elektrische Außenborder der Welt“ bezeichnet wird, sondern auch der schnellste werden soll. Um einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Elektrorennboote zu erzielen, tut sich das Unternehmen mit der in Miami ansässigen Firma Hellkats Powerboats zusammen.
Der Hochspannungsmotor E-Motion 180E entreißt damit der o.e. Firma Evoy den Titel, da er nicht nur 180 PS leistet, sondern den Evoy Pro auch beim Drehmoment übertrifft. Vision Marine schätzt, daß der Motor ein kompatibles Boot bis zu 113 km weit antreiben kann, während es mit 32 km/h fährt, was aber letztlich stark von der Konstruktion des Bootes selbst, dem Gewicht, den Wetterbedingungen und anderen Faktoren abhängt. Das komplette E-Motion 180E-Paket kostet 78.990 $, von denen 26.995 $ auf den Motor und 51.995 $ auf die Batterie, das Ladegerät und die Benutzeroberfläche entfallen.

In Partnerschaft mit Hellkats wird anschließend eine vollelektrische Version des 9,8 m langen Super-Sport-Großraumkatamarans von Hellkats mit dem Namen Fulgura l (o. V32) entwickelt. Der Rumpf ist so konzipiert, daß er Batteriebänke aufnehmen kann, die groß genug sind, um zwei E-Motion-Außenbordmotoren am Heck anzutreiben. Es soll im November zu Wasser gelassen werden und eine Höchstgeschwindigkeit von 161 km/h erreichen.
Späteren Meldungen zufolge werden im August 2022 beim Lake of the Ozarks (LOTO) Shootout, einer Wohltätigkeitsveranstaltung für Motorbootrennen, die auf dem Lake of the Ozarks in Missouri stattfindet, mit dem renommierten Motorbootrennweltmeister Shaun Torrente am Steuer sogar mehr als 174,5 km/h erreicht, was im August 2023 auf derselben Strecke von einer dreiviertel Meile noch überboten wird, als die Fulgura l bis auf eine Geschwindigkeit von 185,6 km/h kommt.
Im Juli 2022 geht Vision Marine zudem eine Kooperation mit der Groupe Bénéteau ein, die die E-Motion-Technologie in verschiedene Modelle ihres Markenportfolios integrieren wird. Die erste Zusammenarbeit ist die Markteinführung des 6,6 m langen vollelektrischen Motorboots Four Winns H2 OB Runabout, das auf der internationalen Bootsmesse IBEX im Oktober in Tampa, Florida, erstmals vorgestellt wird.

Nachdem Vision Marine im Laufe des Jahres 2023 daran arbeitet, sich Patente für eine Reihe von E-Antriebstechnologien und -komponenten zu sichern und einen praktisch unzerstörbaren Bootsrumpf auf den Markt zu bringen, stellt die Firma im Oktober 2024 und wiederum auf der IBEX ein integriertes Innenbordsystem auf Grundlage des E-Motion 180e vor, das dieselbe kontinuierliche Leistung von 180 PS liefert und bereits erfolgreichen Seetests unterzogen wurde.
Der E-Motion 180e Inboard nutzt das Know-how, das die von den drei Schiffsbauern Robert Ghetti, Alexandre Mongeon und Patrick Bobby aus Saint-Eustache bei Montreal im Jahr 1995 gegründete CEBC seit 2015 aufgebaut hat, beginnend mit der Arbeit am elektrischen Innenbord-Antrieb im Modell Bruce22E. Bis dahin hatten die Kanadier nur relativ langsame Elektroboote für Touristen und Angler gebaut, wie z.B. das Modell Volt 180 mit einer Höchstgeschwindigkeit von 48 km/h, oder das 5,7 m lange Phoenix 290 für bis zu zehn Passagiere.

Das 2016 erstmals präsentierte, etwa 6,5 m lange Bruce22E ist von den Tesla-Elektroautos inspiriert und hat die gleichen, auf Lithium-Ionen-Zellen von Panasonic basierenden Akkus wie das Model S und das Model X. Die Kapazität von 48,66 kWh ermöglicht eine Betriebszeit von bis zu zweieinhalb Stunden bei einer Fahrtgeschwindigkeit von 32 km/h, und bis zu zehn Stunden bei gemächlicher Gangart. Im Heck steckt ein E-Motor, der eine Dauerleistung von 60 kW bringt und kurzfristig bis zu 100 kW liefert, was für eine Spitzengeschwindigkeit von knapp 70 km/h ausreicht.
Als Grundlage für den Rumpf dient ein klassischer Entwurf aus der Feder des kanadischen Seglers und Bootsbauers Ian Bruce, daher auch der Name, und das Boot wird wahlweise mit Mahagoni oder Teak und mit Platz für fünf oder acht Passagiere angeboten. Der Preis beginnt bei umgerechnet knapp 100.000 €, die Auslieferung erfolgt Anfang 2017.
Zurück zum E-Motion 180e: Inzwischen ist Vision Marine mit den bestehenden Batterielösungen auf dem Markt nicht mehr zufrieden und entwickelt ein eigenes Nickel-Mangan-Kobalt (NMC)-Hochleistungsbatteriesystem, das die Standards der Automobilindustrie übertrifft und erstmals im Februar 2024 präsentiert wird.
Käufer können das HV Marine Battery Pack mit einem, zwei oder drei Paketen mit einer Gesamtkapazität von 43, 86 oder 129 kWh konfigurieren, wobei jedes Akkupaket unabhängig arbeitet. Sollte also eines ausfallen, können die anderen Pakete das Boot sicher zurück an Land bringen. Wer mehr Reichweite benötigt, kann auch einen Generator hinzufügen, um ein Hybridsystem mit erweiterter Reichweite zu schaffen. Über Geschwindigkeitsrekorde ist hingegen nichts Neues zu erfahren.
Im November 2023 wird über eine Gruppe von mehr als 40 Studenten und Absolventen der Princeton University berichtet, die den 4,2 m langen Rumpf eines 1993 von dem US-amerikanischen Bootskonstrukteur Ed Karelsen gebauten Boots nutzen, das früher für Geschwindigkeitsfahrten mit Benzin-Außenbordern eingesetzt wurde, um nun den aktuellen Rekord bei Elektrobooten zu brechen.
Das Team Princeton Electric Speedboating (PES) hatte im Februar 2022 damit begonnen, das mit Pilot nur 442 kg schwere Boot mit einem modifizierten, 149 kW (200 PS) starken FM100-Elektroantrieb von Flux Marine aus Rhode Island sowie mit einem 150 kg schweren Akkupack auszurüsten. Um den Rumpf ihres Big Bird genannten Renners für den Elektroantrieb zu optimieren, arbeitete das Team zudem mit dem kalifornischen Unternehmen Black Sheep Racing zusammen. Das Ziel ist es, auf 240 km/h zu kommen, was bislang aber noch nicht gelang.

Tatsächlich erreicht wird im Oktober auf dem Lake Townsend in Greensboro, North Carolina, mit dem professionellen Wasserflugzeugpiloten John Peeters am Steuer, immerhin eine Geschwindigkeit von 183,8 km/h, die den o.e. Rekord des Rennboots Jaguar V20E bricht. Bei dem von der American Power Boat Association (APBA) genehmigten Kurs für einen Rekord muß ein Boot einen Kilometer in eine Richtung zurücklegen und dann nach einer kurzen Pause denselben Kilometer in die entgegengesetzte Richtung fahren. Die offiziell registrierte Geschwindigkeit ist der Durchschnitt der beiden Läufe, die im vorliegenden Fall 178,7 km/h bzw. 189,2 km/h schnell waren.
Das Team geht davon aus, daß sich die Innovation rasch entwickeln wird, und rechnet schon bis Ende 2024 mit einem Dutzend Elektrobooten, die schneller sind als 161 km/h. Und während die Studenten nun an der Entwicklung eines neueren und schnelleren Motorboots mit dem Namen Eagle 1 arbeiten, bereiten sie sich auch auf andere bevorstehende Wettbewerbe vor, wie das Promoting Electric Propulsion Race (PEP), ein Fünf-Meilen-Rennen zwischen verschiedenen Colleges, das Mitte April 2024 stattfinden wird.
Dieser von der American Society of Naval Engineers (ASNE) mit Förderung des Office of Naval Research (ONR) und mit militärischen Rekrutierungszielen organisierte Studentenwettbewerb war 2018 gestartet worden, um junge Ingenieure für elektrische Schiffsantriebe zu begeistern. Dabei erhalten die Teams bis zu 7.000 $, Mentoren und Materialien, um ihre bemannten und unbemannten Boote zu designen, zu bauen, zu testen und schließlich in einem Rennen über 5 Meilen (~ 8 km) zu fahren.
Späteren Meldungen zufolge ist der Big Bird einer der Gewinner der PEP24 - allerdings unbemannt und ohne nähere Angaben zur erreichten Geschwindigkeit. Auf der PES-Homepage gibt es zwar unzählige Videos von Rennläufen zu sehen, mit technischen Daten halten sich die Beteiligten aber sehr zurück. Frühere Boote des PES-Teams waren übrigens der Tiger sowie der autonome Le Papillon.
Im Zuge der Chronologie soll hier auch die 12. Monaco Energy Boat
Challenge (MEBC) im Juli 2025 etwas ausführlicher
betrachtet werden, welche die Gegenwart und Zukunft des E-Bootsports
aufzeigt. Über die erste dieser jährlichen Veranstaltungen ist in der
Jahresübersicht 2014 kurz
berichtet worden.
Die MEBC ist insofern einzigartig, als sie Universitätsstudenten, kommerzielle Hersteller von Elektrobooten und die Yachtindustrie mit Rennen, Vorführungen, technischen Präsentationen, einer Jobmesse, einem Mentorenprogramm und Diskussionen am runden Tisch zusammenbringt. Allein im universitären Bereich nehmen diesmal über 1.000 Studenten aus 42 Einrichtungen in 20 Ländern teil.

Bei der Challenge gibt es vier Rennklassen: Die Energy Class und die AI Class stehen nur Hochschulteams offen, in der SeaLab Class können sowohl Hochschulteams als auch kommerzielle Unternehmen teilnehmen, und die Open Sea Class ist für Boote reserviert, die zum Verkauf stehen.
Die Energy Class ist das Herzstück der MEBC mit der Vorschrift, daß die Boote keine fossilen Brennstoffe verwenden dürfen. Dabei bekommt jedes der Universitätsteams einen vom YCM zur Verfügung gestellten Katamaran-Rumpf und fügt diesem einen eigenen Antrieb samt Steuerung und Steuerungssystem hinzu. Die Boote treten dann in vier verschiedenen Rennen gegeneinander an, die unterschiedliche Fähigkeiten erfordern: Speed, Slalom, Endurance und Championship.
Im vierten Jahr in Folge siegt das Team UniBoAT der Università di Bologna (UniBo), das unter der Leitung von Prof. Nicolò Cavina im Vorjahr einen eigenen, 15 kW (20 PS) starken elektrischen Außenborder entwickelt und gebaut hatte, der gerade einmal 22 kg wiegt. Dabei wird mit 49 km/h auch ein neuer Geschwindigkeitsrekord aufgestellt. Um das patentierte Produkt herzustellen und zu vermarkten, wird in Monaco von Iacopo Roncuzzi im Jahr 2024 das Unternehmen Competr gegründet.
Der gleichnamige Außenbordmotor Competr zeichnet sich durch zwei Dinge aus: Erstens verwendet er einen gegenläufigen Propeller, d.h. zwei Propeller, die sich gleichzeitig in verschiedene Richtungen auf derselben Welle drehen, während der andere besondere Aspekt ist, daß der Motor ein Traktormotor ist - die Propeller sind zum Bug des Bootes gerichtet und ziehen es durch das Wasser, anstatt es von hinten zu schieben. Der Motor wird auf der Competr-Homepage später als Modell T PRO mit leicht veränderten Spezifikationen vorgestellt: 35 kg Gewicht, eine Nennleistung von 26,9 kW bzw. eine Spitzenleistung von 42 kW.

Ein weiteres Team der Energy Class, das ebenfalls einen gegenläufigen Propeller nutzt, ist das Team Hydrogadz der École nationale supérieure d’arts et métiers (ENSAM) in Paris. Es hat gegenläufige Toroidalpropeller entwickelt, deren Blätter nicht in einer einzigen Ebene, sondern in einer Schleife angeordnet sind. Dies bedeutet, daß das Wasser durch den Propeller fließt, was Geräusche und Vibrationen erheblich reduziert und auch die Effizienz verbessert, insbesondere beim Drehen des Bootes. Diese ringförmigen Propeller, die ursprünglich im Jahr 2017 von Forschern des MIT Lincoln Laboratory entwickelt wurden, sollen in einer späteren Jahresübersicht noch ausführlicher behandelt werden.
Die SeaLab Class ist wiederum eine Art ,Next-Gen’-Ausgabe der Energy Class, in der Studenten-, Absolventen- oder auch kommerzielle Teams praktikable, aber noch nicht vollständig kommerzialisierte Antriebssysteme ohne fossile Brennstoffe einsetzen.
In dieser Klasse gewinnt mit einem batteriebetriebenen System das Team Red Wave von der UniBo unter der Leitung von Prof. Giangiacomo Minak, das außerdem den mit 25.000 € dotierten Sustainable Yachting Technology Award der Prince Albert II of Monaco Foundation mit nach Hause nimmt. Dieser Preis wird an das Team vergeben, dessen Lösung sich durch eine „meßbare Wirkung auszeichnet“.

Bei der SeaLab Class treten auch mehrere wasserstoffbetriebene Boote an, die von Teams aus Frankreich, Portugal, Schottland, der Schweiz und den Niederlanden entwickelt worden sind. Der niederländische Beitrag beispielsweise stammt von der Technischen Universität Delft (TUDelft), deren Team sowohl aus Studierenden als auch aus ehemaligen Beratern besteht. Dieses hatte im letzten Jahr ein von Batterien und Wasserstoff-Brennstoffzellen angetriebenes Tragflächenboot gebaut, das erfolgreich den Ärmelkanal überquerte. Für die diesjährige MEBC wird ein ähnliches Boot konstruiert, das diesmal flüssigen Wasserstoff an Bord hat und ein Steuersystem besitzt, bei dem sich die Tragflächen tatsächlich drehen.
Ein weiteres Boot mit Wasserstoff-Brennstoffzellen stammt von dem französischen Unternehmen Inocel: Das 8 m lange Hochleistungsboot wird von einem 360 kW (490 PS) starken Wasserstoff-Brennstoffzellensystem angetrieben, das Geschwindigkeiten von 90 km/h erreichen kann. Das Open Sea Class Endurance Race mit einer Strecke von 61 km (33 Seemeilen) gewinnt aber das 7,9 m lange Tagesboot Dhamma Blue des Spaniers Philippe Esposito und seines Unternehmens DH2, das über einen 140 kW Elektromotor mit einem Batterie/Wasserstoff-Brennstoffzellen-Energiesystem verfügt.
Bei der AI Class, die in diesem Jahr zum ersten Mal Teil der MEBC ist, gibt es keine standardisierten Komponenten, die den Teams zur Verfügung gestellt werden. Die einzige Einschränkung besteht darin, daß die Boote nicht länger als 12 m sein und keine fossilen Brennstoffe verwenden dürfen. Die Klasse betrifft Boote, die die neuesten KI-Lösungen für die Navigation von Schiffen jeder Größe anwenden. Der Gewinner ist das Team Antwerp Solar Boat der belgischen Universität Antwerpen.

Im Rahmen der Open Sea Class nehmen die Boote am Eröffnungstag an einer E-Rallye zu Demonstrationszwecken teil - und treten dann bei einem für alle Bootsklassen offenen Geschwindigkeitsrekordwettbewerb gegeneinander an, bei einem Langstreckenrennen entlang der Küste von Monaco sowie bei einem 30 km Rennen von Monaco nach Ventimiglia in Italien und zurück.
Unter den Teilnehmern befinden sich drei der weltweit führenden Hersteller von Hochleistungs-Elektroantrieben, die weiter oben schon einzeln vorgestellt wurden: Evoy, Vita und ExploMar. Dazu kommen der Elektroantrieb des Porsche Macan SUV, der den Frauscher 850 Fantom Air vorwärts bewegt, sowie der viel schwächere 50 kW Außenborder von Molabo (früher: Volabo GmbH), der allerdings nur ein leichtes F4-Inshore-Rennboot antreibt. Mehr über diese Antriebe findet sich in der Übersicht 2013.
Frauscher stellt mit 92,3 km/h (49,84 Knoten) einem neuen MEBC-Geschwindigkeitsrekord auf und bricht damit den bisherigen Rekord von 69,3 km/h (34,71 Knoten), der 2023 von einem Performance Marine Speedboat mit einem Evoy 300+ Außenborder aufgestellt wurde.
Doch auch drei weitere Boote und ein Jetski übertreffen den erst vor zwei Jahren aufgestellten Rekord: Vita X/E (86 km/h), Inocel (82 km/h), Taiga-Jetski (73 km/h) sowie XNRG.TECH (72 km/h), wobei das letztgenannte Boot mit einer Zeit von 29 Minuten und 8 Sekunden auch das Rennen über 30 km gewinnt, angetrieben von einem WAVE 300 und einer 125 kWh Lithium-Ionen-Batterie, die am Ende des Rennens noch 40 % Ladung übrig.
Die Vita Power Ltd., das 2017 gegründete,
britische Unternehmen für elektrische Bootsantriebe und vollelektrische
Yachten, das mit der Firma Evoy kooperiert, bringt übrigens 2020 einen superPower genannten
Supercharger für Elektroboote auf den Markt, eine 150 kW Ladestation,
die die Ladezeit von sechs Stunden auf eine Stunde verkürzen kann.
Es gibt die Ladestationen bald darauf in Häfen in Monaco, Cannes und
St. Tropez, weitere Installationen sind für Südfrankreich geplant.
Frühere Produkte von Vita waren der 9 m lange Prototyp Vita IX im Jahr 2018, der 10 m lange Tagesboot-Prototyp Electrix im Jahr 2019, sowie das erste Boot, das 2020 in Produktion geht, das Vita Lion mit einer Länge von 10,5 m und einer Höchstgeschwindigkeit von 35 Knoten. Spätere Modelle sind dann das Vita Seal (2021), der SeaDog (2023) und das Powerboat Maserati Tridente (2024), über das bereits in der Jahresübersicht 2013 ausführlich berichtet wurde.
Nach dem Schwerpunkt der Elektroboot-Rennen gibt es in diesem Jahr
noch weitere erwähnenswerte Entwicklungen, die mit der Elektrifizierung
der Schiffahrt zu tun haben.
Im Juli 2020 kündigen Kay und Paul Sumpner die Konstruktion eines elektrischen, seriellen Solar-Hybrid-Kanalboots an, dessen Tyler-Wilson-Stahlrumpf von dem Bootsbauer Ortomarine im britischen Shenstone gebaut wird, der bereits sechs diesel-elektrische Hybridboote und zwei vollelektrische Kanalboote auf das Wasser gebracht hat. In seinem Blog erklärt das Ehepaar seine Leidenschaft für Kanäle und berichtet mit vollständigen Details über die Planung und den Bootsbau bis hin zur Installation des ersten vollständigen Hybrid-Systems von Vetus auf einem Narrowboat.

Das namensgebende besondere Kennzeichen dieses Bootstyps, der seit etwa 1750 auf den Binnenwasserstraßen in England und Wales genutzt wird, ist, daß Narrowboats zwar bis zu 22 m lang, aber nur bis 2,20 m (andere Quellen: 2,13 m) schmal sind, was u.a. durch die Größe der Schleusen bedingt ist. Die Schiffe wurden ursprünglich als Arbeitsboote gebaut, die von Pferden gezogen wurden, und bildeten zu Beginn der industriellen Revolution das Herzstück des kommerziellen Transportnetzes des Landes.
In den 1970er Jahren begannen verlassene Schmalschiffe umgerüstet zu werden und wurden als Hausboote und sogar als ständige Wohnsitze beliebt. Dem aktuellen Stand zufolge sind im Vereinigten Königreich über 8.500 Narrowboats als Wohnboote registriert, und noch mehr Boote werden auf dem Mietmarkt angeboten. Für den Antrieb und die Heizung werden traditionell Dieselmotoren verwendet, doch dies beginnt sich zu ändern, wobei der Umstieg von Diesel auf Elektrizität als ,Greening Up’ bezeichnet wird.
Die Sumpners erhalten ihr neues Narrowboat Ende Dezember 2020 und führen kurz danach erste Testfahrten durch. Berichte über den regulären Kanalbetrieb des etwa 18 m langen Bootes Old Nick stammen vom Januar 2021, als das Hybridantriebssystem vollständig kalibriert wird.

Dieses besteht aus einem Elektro-Innenbordmotor vom Typ E-LINE 100 mit 8,5 kW (11 PS) kontinuierliche bzw. 17 kW Spitzenleistung, einem 1,6 kW Elektro-Bugstrahlruder für Manöver, 24 AGM-Batterien von Leoch Battery mit einer Gesamtkapazität von ca. 46 kWh, 16 flexiblen PV-Paneelen mit zusammen 1,92 kW auf dem Kabinen-Dach, sowie einem 4,8 kW Diesel-Generator als Range Extender. Die rein elektrische Reichweite bei einer Marschgeschwindigkeit von 5 – 6 km/h beträgt 8 – 10 Stunden.
Das verantwortliche niederländische Unternehmen VETUS B.V., ein führender Entwickler und Hersteller von innovativen Systemen und Komponenten für Sportboote und kleine Berufsschiffe mit Hauptsitz in Schiedam, hatte 1982 das weltweit erste elektrische Bugstrahlruder für Sportboote auf den Markt gebracht. Im Jahr 2000 folgte der elektrische Innenborder EP2200, und 2020 werden die neuen E-POD- und E-LINE-Baureihen eingeführt, die vier Motoren mit Leistungen von 3,2 kW (5 PS) bis 11,3 kW (22 PS) sowie ein elektrisches E-POD-Modell mit 9,1 kW (20 PS) und eine Reihe von Bugstrahlern umfassen. Einer der ersten E-LINE-Innenborder wird in das britische Narrowboat eingebaut.
Im Fall der Bugstrahler RIMDRIVE RD125 und RD160 sind die Propellerblätter des Elektromotors in den Rotor integriert, wodurch eine zentrale Achse entfällt und Wasser durchfließen kann. Der Stator des Motors bildet zusammen mit einem Schutzring einen Tunnel um die Propellerblätter, was zur Geräuschlosigkeit während des Betriebs beiträgt.
Bis 2026 erweitert VETUS die Modellreihe um einen E-LINE 22 kW (30 PS) Motor für Boote bis 15 m oder 20 Tonnen, wobei alle Motoren der Reihe so konzipiert sind, daß sie sich leicht auf fast allen vorhandenen Motorträgern oder Fundamenten installieren lassen. Ein weiteres besonderes Merkmal ist das aktive Bremsen, das eine vollständige Kontrolle über das Boot ermöglicht.

Im Zuge der Recherche zeigt sich, daß es auch noch andere elektrische Narrowboats gibt. So legt die Shine auf ihrer Jungfernfahrt ab Mai 2019 im Laufe von sieben Wochen fast 800 km auf den unterschiedlichsten Gewässern zurück, vom ruhigen Oxford-Kanal bis hin zur schnell fließenden Themse. Das Projekt wurde von Timothy ,Tim’ Cowlishaw Knox ins Leben gerufen, der auf der Suche nach einem umweltfreundlichen Boot für sich und seine Frau war.
Dieses solarelektrische Narrowboat wurde mit einem von Mothership entwickelten System konstruiert, bei dem das Boot ohne Dach gebaut wird und dann die Solarpaneele - die in das Dach integriert sind - schwimmend angebracht werden. Der Hauptvorteil dieser Technik besteht darin, daß diese integrierten Dachpaneele in einer Werkstatt hergestellt werden können.
Aufgrund seiner Länge von etwa 20 m verfügt das Boot über zehn semi-flexible Solarpaneele mit einer Gesamtleistung von ca. 2 kW. Der elektrische 10 kW Motor, der später durch einen mit 15 kW ersetzt wird, wird von 24 Blei-Kohlenstoff-Batterien mit insgesamt 28,8 kWh gespeist. Dazu gibt es einen Diesel-Backup-Generator.
Die 2013 von Knox gegründete Mothership Marine Ltd. in Northamptonshire hat in den letzten Jahren nicht nur verschiedene elektrisch betriebene Narrowboats gebaut, die man auf der Firmenhomepage bewundern kann.

Die erste Umsetzung war das nach einem Jahr Bauzeit im Juli 2014 zu Wasser gelassene Hausboot MotherShip in Australien, das bei der Sydney International Boat Show debütierte, bevor sich Tim, seine Frau Sue, ihre drei Kinder und zwei Freunde auf den Weg machten, den Hawkesbury River an der Küste von New South Wales auf einer Länge von 150 km ausschließlich mit Solarenergie zu befahren. Die Reise ist auf der Firmenhomepage ausführlich dokumentiert.
Das mit zwei Elektromotoren, Batterien, einer 4 kW PV-Anlage und einem Dieselgenerator als Backup ausgestattete ,Mothership’ war im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Praxistauglichkeit erneuerbarer Energien auf Wasserfahrzeugen mit Unterstützung der University of New South Wales (UNSW) entwickelt worden. Das 13,5 m lange und 4,8 m breite Luxus-Solarboot läuft noch heute einwandfrei und demonstriert die Langlebigkeit der Technologie.
Neben dem Katamaran/Ponton-Hausboot mit einigen Variationen bietet die Firma inzwischen auch ein 6,1 m langes Tagesboot an, außerdem berät sie bei der Konstruktion anderer Boote und baut diese auf Solar- und Hybridantriebe um.
Im Januar 2020 startet plugboats.com eine neue Rubrik mit dem Titel DIM - Did It Myself! - über Bootsfahrer, die mit ihrem eigenen Einfallsreichtum und harter Arbeit auf elektrische Antriebe umgestellt haben.

Der erste Artikel ist ein Bericht von Jonathan Evans aus Stourport on Severn in England, der die Geschichte seines elektrischen Narrowboats Nu Era erzählt, das ästhetisch an eine edwardianische Flußbarkasse mit Eichendetails und großen Fenstern erinnert.
Nachdem Evans einen Abschluß in Design gemacht und einige Motorboote, Schlauchboote und schließlich auch Rechenzentren entworfen hatte, beschließt er 2014, ein Narrowboat zu bauen, das als geräumiges Büro und zusätzliches Schlafzimmer für sein Haus am Kanal in Mittelengland dienen soll. Auf den Kanälen gibt es nur wenig Platz zum Wenden, weshalb er sich für vier elektrische Strahlruderpropeller in Rohren entscheidet, einen in jeder Ecke, die auch weniger gefährlich sind als freiliegende Propeller. Angetrieben werden sie von vier kompakten 12 kW Motoren.
Die Nu Era wird mit einer Batteriebank mit zwei Tagen Reichweite ausgestattet, und zusätzlich gibt es einen 10 kW Generator, der den Haushalt versorgt und die Batterie auflädt, wenn keine Landstromversorgung verfügbar ist. Der Generator startet automatisch, wenn die Batteriekapazität niedrig ist. Die Fahrten auf dem Fluß Severn und dem örtlichen Kanalsystem erfolgen bei einer Geschwindigkeit von 3,5 - 5 Knoten (6 - 9 km/h). Nähere technische Details ließen sich bislang nicht finden.

Die elektrischen Schmalspurboote werden in den Folgejahren immer beliebter, und im Mai 2024 findet in Brinklow, England, eine neue Bootsmesse statt, die sich ausschließlich den elektrischen Schmalschiffen widmet: die Electrika 2024. Initiator ist der eingangs erwähnte Hersteller Ortomarine, der dabei mit Aquavista zusammenarbeitet, dem größten britischen Binnenhafenbetreiber.
Neben 16 Ausstellern nehmen neun Ausstellungsboote an der Messe teil, dazu gibt es ein umfangreiches Programm mit Vorträgen, Präsentationen und Vorführungen sowohl für die Branche als auch für die Öffentlichkeit.
Zu den ausgestellten Booten gehören u.a. die von Chris Smith gebaute Elektra, ein 2021 in Betrieb genommenes, in Rosa gehaltenes narrowboat mit 1,5 kW Solarpaneelen, 38,4 kWh Lithium-Batteriebank, 20 kW Motor, Wasserfilteranlage, Fußbodenheizung und allem sonstigen Komfort, das für die Gussies Electric Boat Awards 2023 nominiert wurde, sowie natürlich die Old Nick. Alle weiteren Boote lassen sich auf der Homepage der Messe unter electrika.uk finden.
Im Juni 2025 findet die zweite Electrika statt, die dritte ist für den Juli 2026 geplant.
Die Eco Sightseeing Sthlm AB, ein im Juni 2019 von
dem Schiffsoffizier Elias Nilsson gegründetes Unternehmen,
das elektrische Bootstouren in Schweden anbietet, und El & Marinteknik
AB, ein Spezialist für elektrische Schiffahrtstechnologie,
geben im Oktober 2020 bekannt, daß sie seit dem Vorjahr
gemeinsam ein 1943 für die englische Royal Navy gebautes
Boot auf Elektroantrieb umgerüstet haben.

Das Schiff namens Sylvia, das bisher von einem Dieselmotor bewegt wurde, wird nun mit gebrauchten Tesla-Batterien angetrieben, von denen immer mehr zur Verfügung stehen. Im vorliegenden Fall wurden zwei Second-Life-Batteriemodule aus alten Tesla Model S geborgen und zu einem ,neuen’ Batteriepaket mit einer Energiespeicherkapazität von 190 kWh kombiniert, das einen 85 kW Elektromotor speist. Die Zellen sind in speziell entworfenen wasser- und gasdichten Aluminiumbehältern untergebracht, die im Unterboden des Bootes installiert sind.
Das Schiff, das bis zu 48 Passagiere aufnehmen kann und schnell zu einem der beliebtesten Charterboote der Stadt wird, kann damit 14 Stunden am Stück fahren, bevor es an seinen Heimathafen am Strandvägen 19 in Stockholm wieder aufgeladen werden muß. Die Sylvia fährt für den Veranstalter ,The Vasa Tour’ und folgt der Route der Vasa, einem für Schwedens König Gustuvas Adolphus gebauten Kriegsschiff, das ihn und seine Truppen bei den Kämpfen in Polen begleiten sollte.
Doch schon auf ihrer Jungfernfahrt erfaßten unberechenbare Winde die Segel, das Schiff geriet ins Trudeln und sank im August 1628 im Stockholmer Hafen, etwa 1.300 m vom Dock entfernt, wobei schätzungsweise 30 - 50 Menschen starben. Damals gab es keine technischen Möglichkeiten, die Vasa wieder zu heben, und so lag sie mehrere Jahrhunderte unter Wasser, bis das Wrack 1956 gefunden und 1961 geborgen wurde. Der bemerkenswert intakte Rumpf wird seit 1988 im Vasa-Museum ausgestellt, ein Modell ist außerdem im Deutschen Technikmuseum Berlin zu sehen.
Auch interessant: Einer der Gründe, warum der Rumpf der Vasa so gut erhalten blieb, war das stark verschmutzte Wasser des Stockholmer Hafens, das bis vor einigen Jahren so hochgiftig war, daß selbst die widerstandsfähigsten Mikroorganismen, die Holz abbauen, nur schwer überleben konnten.
Weiter mit den Elektro- und Solarschiffen... (Jahresübersicht 2021 in Arbeit)